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THE TALENTED MR. RIPLEY

Fear and loathing in San Remo

 

„Ich bin ich und du bist du.“ Das wusste schon Nessaja aus Tabaluga. Doch manchmal ist das gar nicht so klar, wer man ist. Ist man überhaupt irgendwer? Ist man das, was man arbeitet oder als Hobby ausübt oder definiert man sich darüber, mit wem man sich abgibt? Und würde man manchmal nicht lieber jemand anderes sein? Eine Frage, die einem nach dem talentierten Mr. Ripley definitiv durch den Kopf geht.

 

Tom Ripley ist eigentlich kein Gewinner. Er arbeitet als eine Art Klomann, spielt aber herausragend schön Klavier – und singen kann er auch. Nach einem Konzert hält ihn ein reicher Fabrikant namens Herbert R. Greenleaf sen. für einen Yale-Studenten und bittet ihn seinen widerspenstigen Sohn aus Italien zurückzuholen. Der Sohn – Dickie – studiert eigentlich auch in Yale, denkt aber gar nicht daran in die Staaten zurückzukehren. Das merkt Tom auch schnell und freundet sich lieber mit dem gutaussehenden Fabrikantenspross und seiner ebenso hübschen Freundin an und lebt mit ihnen in Italien. Eine gar nicht so leichte Konstellation…

 

Unter der Regie von Joel Schumacher – bekannt dadurch, dass er mit Batman & Robin fast Batman als Filmfigur zerstört hätte – versammeln sich viele Stars: Matt Damon, Gwyneth Paltrow
Jude Law, Cate Blanchett und Philip Seymour Hoffman. Zusammen bilden sie ein großartiges Ensemble, dass dem Film sehr viel Klasse verleiht.

 

Der talentierte Mr. Ripley ist sicherlich kein Geheimtipp, da er oft im Fernsehen lief und für alle Menschen, die in den 80ern geboren sind ein Begriff ist. Wer ihn jedoch noch nicht gesehen hat, sollte sich die Zeit nehmen, da der Film neben einer zumeist sehr guten Geschichte vor allem eins hat: eine gute Dynamik. Die erste Stunde fließt gerade zu dahin zwischen einem La Dolce Vita Gefühl und der guten Chemie der Schauspieler. Diese herausragende Dynamik lässt gegen Ende ein wenig nach, was den Film leider am Meisterwerk vorbeischrammen lässt. Dennoch unbedingt ansehen und sich zwischendrin fragen, ob man mit der richtigen Person mitfiebert.

 

Jan

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THE NICE GUYS

Holly, Hitler und der Welt schlechtester Detektiv

 

Als ich klein war, wollte ich immer Detektiv werden. Mich begeisterten die Geschichten um diese Männer, die der Polizei einen Schritt voraus sind. Ihre Fälle mit Geschicklichkeit und Wissen lösen und trotzdem selbst immer ein Mysterium bleiben. Ja, ich wäre gerne so ein Detektiv geworden.

 

Als ich älter wurde, realisierte ich, dass Detektive so leider nicht sind. Immerhin hält Hollywood meine Illusion am Leben. Auch wenn Holland March nicht gerade das Paradebeispiel eines Detektives abliefert, steht er dennoch für das Gute – irgendwie. Im Jahr 1977 ist Holland auf der Suche nach Amelia. Amelia möchte das aber nicht und hetzt Jackson Healy auf Holland. Ein dicker Mann, der für Geld Leute verprügelt. Dem geht Jackson auch erst mal nach. Allerdings wird Jackson nach einem Aufeinandertreffen mit zwei Möchtegernkillern bewusst, dass sich hinter der Suche nach Amelia eine größere Sache verbirgt. Dies zwingt den Schläger und den „schlechtesten Detektiv der Welt“ zur Zusammenarbeit.

 

The Nice Guys ist eine Komödie von Shane Black, der sich als Drehbuchautor gerne auf den abgefuckten Detektiv und seltsame Duos spezialisiert hat. Darunter Kracher wie Last Boy Scout und Leathal Weapon. Diesmal führt er auch selbst Regie und hat sich mit Ryan Gosling und Russel Crowe ordentlich Verstärkung an seine Seite geholt.

 

Präziser Schnitt, sehr gute Schauspieler, überspitzter Humor, eine Prise stylische Musik – an manchen Stellen etwas brutal, aber eigentlich nie über das Ziel. Ein richtig guter Film kann manchmal sehr simpel sein. Speziell Russel Crowe hat mich sehr positiv überrascht. Nicht die Tatsache, dass er ein hervorragender Schauspieler ist, sondern wie pointiert sein Humor ist. Ebenso gelingt es die Slapstick-Elemente des Films perfekt zu integrieren, weil sie doch meist zum Moment und Charakter passen. Auch der andere Hauptcharakter ist zu erwähnen, da er die meisten komischen Elemente des Films trägt und den abgehalfterten Detektiv mit Leben füllt. So ein Detektiv, der man als kleiner Junge nicht sein will, ihn mit Ende 20 aber verstehen lernt.

 

Jan

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Listen to Me Marlon

Hör gut zu

 

Eine Dokumentation über Marlon Brando? Altbackener Mist für die Großmutter? Mitnichten. Ich habe keinerlei Beziehung zu Marlon Brando, nur ein paar Filme mit ihm gesehen. Vito Corleone, Colonel Kurtz, das wars. Warum lässt mich Listen to Me Marlon noch Tage danach an Brando denken? Seiner Stimme wegen.

 

Besagter Schauspieler sprach zeitlebens gerne auf ein Tonband. Welch göttliche Fügung! Diese Dokumentation braucht keinen fremden Sprecher, der Sprecher IST Marlon Brando. Seine Stimme ist nicht geschliffen, teilweise schwer verständlich, mitunter ermüdend, wiegt unglaublich schwer, von Zeit zu Zeit näselnd, aber besticht mit einer Authentizität, die eine Sucht im Ohr des Hörers entfacht. Brando führt den Zuschauer durch sein Leben, seine „Self-Hypnosis“ glorifiziert nichts, aus seinen Aufzeichnungen dringt Ehrlichkeit. Ganz egal, ob er Francis Ford Coppola als Cocksucker bezeichnet, düstere Erfahrungen aus der Kindheit reflektiert, in tiefer Scham versinkt oder von den schönen Momenten des Lebens erzählt. Zuversicht und Melancholie sind hier zwei Seiten seiner Medaille.

 

Unterlegt ist diese Sinfonie durch biographische Bilder, Interviews und seinen ab und an auftretenden, sprechend animierten 3D-Schädel. Nach 103 Minuten Zuhören von Listen to Me Marlon entsteht so ein bewegendes, facettenreiches Leben vor den Augen und besonders im Gehörgang, das ich uneingeschränkt empfehlen kann.

 

Mr. Adam

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CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR

Die richtige Mischung

 

Das IMAX Kino in Karlsruhe. Was für eine Leinwand, was für ein Sound. Wow. Die Grundvorrausetzungen waren also schon mal überdurchschnittlich hoch. Konnte der Marvel-Streifen ebenfalls überzeugen? Ich werde mit diesem kurzen Text hier vermutlich niemanden bekehren sich diesen Film anzusehen. Die Nerds gehen eh rein, und die Freundinnen müssen halt mit. Aber an alle anderen Action- und Martial-Arts Freunde sei mal so viel gesagt: Die Action in Captain America: Civil War ist mit Abstand! die Beste, die jemals in einer Comicverfilmung  zu sehen war. Das Team, welches für die grandiose Baller- und Kämpferei in John Wick verantwortlich war, hat auch hier ordentlich abgeliefert. Choreografisch, Stunt- und kameratechnisch wird hier sowas von abgefackelt – abnormal. Diese rohe, fast schon dreckige Umsetzung. Die Härte und Präzision. Der perfekt getroffene Schnitt. Die Kreativität. Einfach nur geil! Zungenschnalzen Deluxe. Da war jemand mehr als nur “in the Zone”.

 

Gibt’s was zu meckern? Naja, es gibt keinen richtigen Bösewicht – oder? Hmmm. Muss jeder für sich selbst beantworten. Der Film hätte bestimmt 20 Minuten kürzer sein können, denn die Marvel-Abnutzungserscheinungen sind einfach nicht wegzudiskutieren. Und die Motivation der einzelnen Helden (und Schurken) warum sich denn eigentlich geprügelt wird? Stolz, Rache, Freundschaft – wie so oft, im Westen nix Neues. Ansonsten gibt es kaum Kritikpunkte und die typsiche Marvel-Formel funktioniert dort, wo sie soll. Gute Unterhaltung mit einigen Lachern und frischen Gastauftritten (Spinne und Ameise), einigen Spannungs- und “Daaaaamn”-Elementen. Das Grundgerüst passt, und dies ist nunmal das verdammte Drehbuch – punkt. Es ist einfach gut geschrieben. Dort wo andere scheitern (Batman VS Superman *hust*) hat dieser Film eben seine Stärken. Dazu gesellen sich ordentliche Schauspieler und der Fakt, dass zum Glück mal nicht die Welt gerettet werden muss. Und ganz toll: es gibt keinen peinlichen Fremdscham CGI-Endboss-Kampf. Die Regisseure Anthony und Joe Russo treffen einfach genau meinen Geschmack. Es fühlt sich im Gesamtpaket wie ein Superheldenfilm an, aber eben mit dieser gewissen “geerdeten und staubig anmutenden Thriller-Stimmung” die über dem Ganzen liegt.

 

Falls es aber doch noch Skeptiker da draußen gibt, die wie ich mit dem ersten Captain America Teil nicht viel anfangen konnten: Schaut Euch noch schnell den sehr guten! Teil 2 (Captain America: The Winter Soldier) zur Einstimmung an – und dann nix wie ab ins Kino.

 

Flo

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KINGSMAN: THE SECRET SERVICE

Wenn mein Mops nicht hüpfen mag

 

Weiß James Bond, wie lächerlich er manchmal daherkommt? Weiß Ethan Hunt , wie unrealistisch die Manöver sind, mit denen er sich auch aus den brenzligsten Situationen befreit? Wahrscheinlich nicht. Viel wichtiger ist allerdings die Frage: weiß das Publikum eigentlich, wie sehr es an der Nase herumgeführt wird? Nein, so funktioniert das nicht mit dem Flugzeug und dem Typ, der da an der Tragfläche hängt. Ja, ich bin da ziemlich sicher.

 

Kingsman: The Secret Service, weiß das auch. Und deshalb haut er mal ordentlich drauf, auf alle Agentenfilme, die in den letzten sagen wir 70 Jahren so über die Kinoleinwände flimmerten. Jeder, der einen ernstzunehmenden Spionage-Thriller – sofern man bei Kingsman von „ernstzunehmend“ sprechen kann – erwartet, der wird herbe enttäuscht werden. Dabei hat der Film von Regisseur Matthew Vaughn eigentlich all das zu bieten, was ein Millionen-Publikum dieses Genres ins Kino lockt: schöne Frauen mit Kurven und Charme, smarte Typen mit coolen Sprüchen und Moves, große Kanonen mit ordentlich Wums und krasse Karren mit ordentlich PS. Obendrein gibt’s einen exzentrischen Bösewicht mit komischer Macke. Ebenso wie Blofeld seine Katze hat, LeShiffre sein blutendes Auge und Franz Oberhauser – so heißt die Figur, die Christoph Waltz im neuen Spectre spielt … Ach egal, der hatte eh nichts Cooles. Obendrein trumpft der Film mit der wahrscheinlich absurdesten Idee die Welt zugrunde zu richten auf.

 

Kingsman verpackt dies alles so gut, dass es zuweilen schwierig ist, überhaupt zu erkennen, dass es sich um eine Persiflage auf das komplette Agenten-Genre handelt. Auch mit Gewalt spart der Film nicht. Die Brutalität geht sogar so weit, dass sich der Zuschauer das ein oder andere Mal angewidert fragt: Warum zum Teufel habt ihr das gemacht?

 

Die etwas mehr als zwei Stunden vergehen wie im Flug. Auch, weil die großartigen Schauspieler (unter anderem Oscar-Gewinner Collin Firth) ihr ganzes Können aufbieten und Tom Cruise und Co. locker in den Schatten stellen. Kamera und Schnitt brauchen sich vor den Vorbildern ebenfalls nicht zu verstecken. Und so zeigt sich: Auch wenn ein Genre auf die Schippe genommen wird, ist die Persiflage keineswegs qualitativ schlechter. Dieses Fazit dürfte auch der Zuschauer – egal wie auf den Kopf gefallen – ziehen. Denn Kingsman macht einfach einen Heidenspaß.

 

Mibo

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