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THE NICE GUYS

Holly, Hitler und der Welt schlechtester Detektiv

 

Als ich klein war, wollte ich immer Detektiv werden. Mich begeisterten die Geschichten um diese Männer, die der Polizei einen Schritt voraus sind. Ihre Fälle mit Geschicklichkeit und Wissen lösen und trotzdem selbst immer ein Mysterium bleiben. Ja, ich wäre gerne so ein Detektiv geworden.

 

Als ich älter wurde, realisierte ich, dass Detektive so leider nicht sind. Immerhin hält Hollywood meine Illusion am Leben. Auch wenn Holland March nicht gerade das Paradebeispiel eines Detektives abliefert, steht er dennoch für das Gute – irgendwie. Im Jahr 1977 ist Holland auf der Suche nach Amelia. Amelia möchte das aber nicht und hetzt Jackson Healy auf Holland. Ein dicker Mann, der für Geld Leute verprügelt. Dem geht Jackson auch erst mal nach. Allerdings wird Jackson nach einem Aufeinandertreffen mit zwei Möchtegernkillern bewusst, dass sich hinter der Suche nach Amelia eine größere Sache verbirgt. Dies zwingt den Schläger und den „schlechtesten Detektiv der Welt“ zur Zusammenarbeit.

 

The Nice Guys ist eine Komödie von Shane Black, der sich als Drehbuchautor gerne auf den abgefuckten Detektiv und seltsame Duos spezialisiert hat. Darunter Kracher wie Last Boy Scout und Leathal Weapon. Diesmal führt er auch selbst Regie und hat sich mit Ryan Gosling und Russel Crowe ordentlich Verstärkung an seine Seite geholt.

 

Präziser Schnitt, sehr gute Schauspieler, überspitzter Humor, eine Prise stylische Musik – an manchen Stellen etwas brutal, aber eigentlich nie über das Ziel. Ein richtig guter Film kann manchmal sehr simpel sein. Speziell Russel Crowe hat mich sehr positiv überrascht. Nicht die Tatsache, dass er ein hervorragender Schauspieler ist, sondern wie pointiert sein Humor ist. Ebenso gelingt es die Slapstick-Elemente des Films perfekt zu integrieren, weil sie doch meist zum Moment und Charakter passen. Auch der andere Hauptcharakter ist zu erwähnen, da er die meisten komischen Elemente des Films trägt und den abgehalfterten Detektiv mit Leben füllt. So ein Detektiv, der man als kleiner Junge nicht sein will, ihn mit Ende 20 aber verstehen lernt.

 

Jan

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Listen to Me Marlon

Hör gut zu

 

Eine Dokumentation über Marlon Brando? Altbackener Mist für die Großmutter? Mitnichten. Ich habe keinerlei Beziehung zu Marlon Brando, nur ein paar Filme mit ihm gesehen. Vito Corleone, Colonel Kurtz, das wars. Warum lässt mich Listen to Me Marlon noch Tage danach an Brando denken? Seiner Stimme wegen.

 

Besagter Schauspieler sprach zeitlebens gerne auf ein Tonband. Welch göttliche Fügung! Diese Dokumentation braucht keinen fremden Sprecher, der Sprecher IST Marlon Brando. Seine Stimme ist nicht geschliffen, teilweise schwer verständlich, mitunter ermüdend, wiegt unglaublich schwer, von Zeit zu Zeit näselnd, aber besticht mit einer Authentizität, die eine Sucht im Ohr des Hörers entfacht. Brando führt den Zuschauer durch sein Leben, seine „Self-Hypnosis“ glorifiziert nichts, aus seinen Aufzeichnungen dringt Ehrlichkeit. Ganz egal, ob er Francis Ford Coppola als Cocksucker bezeichnet, düstere Erfahrungen aus der Kindheit reflektiert, in tiefer Scham versinkt oder von den schönen Momenten des Lebens erzählt. Zuversicht und Melancholie sind hier zwei Seiten seiner Medaille.

 

Unterlegt ist diese Sinfonie durch biographische Bilder, Interviews und seinen ab und an auftretenden, sprechend animierten 3D-Schädel. Nach 103 Minuten Zuhören von Listen to Me Marlon entsteht so ein bewegendes, facettenreiches Leben vor den Augen und besonders im Gehörgang, das ich uneingeschränkt empfehlen kann.

 

Mr. Adam

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CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR

Die richtige Mischung

 

Das IMAX Kino in Karlsruhe. Was für eine Leinwand, was für ein Sound. Wow. Die Grundvorrausetzungen waren also schon mal überdurchschnittlich hoch. Konnte der Marvel-Streifen ebenfalls überzeugen? Ich werde mit diesem kurzen Text hier vermutlich niemanden bekehren sich diesen Film anzusehen. Die Nerds gehen eh rein, und die Freundinnen müssen halt mit. Aber an alle anderen Action- und Martial-Arts Freunde sei mal so viel gesagt: Die Action in Captain America: Civil War ist mit Abstand! die Beste, die jemals in einer Comicverfilmung  zu sehen war. Das Team, welches für die grandiose Baller- und Kämpferei in John Wick verantwortlich war, hat auch hier ordentlich abgeliefert. Choreografisch, Stunt- und kameratechnisch wird hier sowas von abgefackelt – abnormal. Diese rohe, fast schon dreckige Umsetzung. Die Härte und Präzision. Der perfekt getroffene Schnitt. Die Kreativität. Einfach nur geil! Zungenschnalzen Deluxe. Da war jemand mehr als nur “in the Zone”.

 

Gibt’s was zu meckern? Naja, es gibt keinen richtigen Bösewicht – oder? Hmmm. Muss jeder für sich selbst beantworten. Der Film hätte bestimmt 20 Minuten kürzer sein können, denn die Marvel-Abnutzungserscheinungen sind einfach nicht wegzudiskutieren. Und die Motivation der einzelnen Helden (und Schurken) warum sich denn eigentlich geprügelt wird? Stolz, Rache, Freundschaft – wie so oft, im Westen nix Neues. Ansonsten gibt es kaum Kritikpunkte und die typsiche Marvel-Formel funktioniert dort, wo sie soll. Gute Unterhaltung mit einigen Lachern und frischen Gastauftritten (Spinne und Ameise), einigen Spannungs- und “Daaaaamn”-Elementen. Das Grundgerüst passt, und dies ist nunmal das verdammte Drehbuch – punkt. Es ist einfach gut geschrieben. Dort wo andere scheitern (Batman VS Superman *hust*) hat dieser Film eben seine Stärken. Dazu gesellen sich ordentliche Schauspieler und der Fakt, dass zum Glück mal nicht die Welt gerettet werden muss. Und ganz toll: es gibt keinen peinlichen Fremdscham CGI-Endboss-Kampf. Die Regisseure Anthony und Joe Russo treffen einfach genau meinen Geschmack. Es fühlt sich im Gesamtpaket wie ein Superheldenfilm an, aber eben mit dieser gewissen “geerdeten und staubig anmutenden Thriller-Stimmung” die über dem Ganzen liegt.

 

Falls es aber doch noch Skeptiker da draußen gibt, die wie ich mit dem ersten Captain America Teil nicht viel anfangen konnten: Schaut Euch noch schnell den sehr guten! Teil 2 (Captain America: The Winter Soldier) zur Einstimmung an – und dann nix wie ab ins Kino.

 

Flo

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KINGSMAN: THE SECRET SERVICE

Wenn mein Mops nicht hüpfen mag

 

Weiß James Bond, wie lächerlich er manchmal daherkommt? Weiß Ethan Hunt , wie unrealistisch die Manöver sind, mit denen er sich auch aus den brenzligsten Situationen befreit? Wahrscheinlich nicht. Viel wichtiger ist allerdings die Frage: weiß das Publikum eigentlich, wie sehr es an der Nase herumgeführt wird? Nein, so funktioniert das nicht mit dem Flugzeug und dem Typ, der da an der Tragfläche hängt. Ja, ich bin da ziemlich sicher.

 

Kingsman: The Secret Service, weiß das auch. Und deshalb haut er mal ordentlich drauf, auf alle Agentenfilme, die in den letzten sagen wir 70 Jahren so über die Kinoleinwände flimmerten. Jeder, der einen ernstzunehmenden Spionage-Thriller – sofern man bei Kingsman von „ernstzunehmend“ sprechen kann – erwartet, der wird herbe enttäuscht werden. Dabei hat der Film von Regisseur Matthew Vaughn eigentlich all das zu bieten, was ein Millionen-Publikum dieses Genres ins Kino lockt: schöne Frauen mit Kurven und Charme, smarte Typen mit coolen Sprüchen und Moves, große Kanonen mit ordentlich Wums und krasse Karren mit ordentlich PS. Obendrein gibt’s einen exzentrischen Bösewicht mit komischer Macke. Ebenso wie Blofeld seine Katze hat, LeShiffre sein blutendes Auge und Franz Oberhauser – so heißt die Figur, die Christoph Waltz im neuen Spectre spielt … Ach egal, der hatte eh nichts Cooles. Obendrein trumpft der Film mit der wahrscheinlich absurdesten Idee die Welt zugrunde zu richten auf.

 

Kingsman verpackt dies alles so gut, dass es zuweilen schwierig ist, überhaupt zu erkennen, dass es sich um eine Persiflage auf das komplette Agenten-Genre handelt. Auch mit Gewalt spart der Film nicht. Die Brutalität geht sogar so weit, dass sich der Zuschauer das ein oder andere Mal angewidert fragt: Warum zum Teufel habt ihr das gemacht?

 

Die etwas mehr als zwei Stunden vergehen wie im Flug. Auch, weil die großartigen Schauspieler (unter anderem Oscar-Gewinner Collin Firth) ihr ganzes Können aufbieten und Tom Cruise und Co. locker in den Schatten stellen. Kamera und Schnitt brauchen sich vor den Vorbildern ebenfalls nicht zu verstecken. Und so zeigt sich: Auch wenn ein Genre auf die Schippe genommen wird, ist die Persiflage keineswegs qualitativ schlechter. Dieses Fazit dürfte auch der Zuschauer – egal wie auf den Kopf gefallen – ziehen. Denn Kingsman macht einfach einen Heidenspaß.

 

Mibo

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THE JUNGLE BOOK

Woolies Erben

 

Von hier an brauche ich nur 3 Sekunden, um euch einen Todesohrwurm zu verpassen: 3, 2, 1: „Probier’s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit…“ So, fertig gesungen? Ich hätte gerne E-Mails oder Facebook-Kommentare, wer an dieser Stelle nicht mitsingen konnte. Rein statistisch muss es ja jemanden geben.

 

Jeder kennt das Dschungelbuch. Mogli der Waisenjunge, Balu der Bär, Baghira der Panther, die Schlange Kaa, King Louie und Shir Khan. Der Look des Zeichentrickfilms aus dem Jahre 1967 ist noch in unser Gedächtnis eingebrannt und die Lieder klingen noch in unseren Ohren. Um so mutiger war es von Iron-Man-Regisseur Jon Favreau diesem Klassiker ein Remake zu verpassen. Allerdings ist es diesmal kein Zeichentrick, sondern eine wahre CGI-Schlacht. Mogli ist ein „echter“ Junge, der sich durch einen animierten Dschungel schlägt und auf viele sprechende Tiere trifft. Und genau bei diesen sprechenden Tieren liegen die Stärken und die Schwächen dieses Films. Ich möchte mit den Stärken anfangen. Die Sprecher sind absolut großartig gewählt. Ben Kingsley als der alte und weise Baghira, Bill Murray als Balu, Idris Elba als Shir Khan – wirklich eine tolle Auswahl. Mein absolutes Highlight, auch aufgrund der Animation, Scarlett Johansson als Schlange Kaa und Christopher Walken als King Louie.

 

Eine „Schwäche“ ist, dass ich persönlich jedenfalls eine Weile gebraucht habe, bis ich mich daran gewöhnt hatte, dass die Tiere sprechen. Ich fand es wirklich ein wenig seltsam, obwohl es ja ein zentraler Teil des Films ist. Was an einer echten Schwäche gelegen haben könnte: Denn die Stimmen wirken oft sehr blechern. Ein wenig, als wären die Tiere Roboter. Das verlor sich auch nur selten im Film und das ist sehr sehr schade. Auch die gerade gelobte Kaa erinnert so ein wenig an Scarlett Johanssons Rolle in Her und da ist sie eine sprechende Assistenzsoftware. Die CGI sieht großteils sehr schön aus und auch der Dschungel macht etwas her. Augenschmaus des Films ist Shir Khan. Hier wurde auf alle Details geachtet, selbst wenn er nass ist und die Tropfen in seinem Fell glänzen. Sehr schöne Arbeit. An mancher Stelle wurde sich dagegen weniger Mühe gegeben, aber das sind Kleinigkeiten.

 

Der Film birgt weitere Highlights und ist trotz der schon bekannten Geschichte wirklich spannend. Wären die kleinen Schönheitsfehler nicht, wäre ich bereit gewesen, von einem kleinen Meisterwerk zu sprechen. So ist The Jungle Book „nur“ ein sehr sehenswerter Film, der sicherlich den ein oder anderen in seine Kindheit zurückversetzen wird.

 

Jan

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