12 Years Slave

12 YEARS A SLAVE

Licht und Schatten

 

Solomon Northup kann nicht mehr. Der Rhythmus und der trauernde Gesang ergreifen von ihm Besitz. Erst nickt er vorsichtig mit dem Kopf, seine Lippen beginnen zu zittern. Dann stimmt er selbst mit ein in die wehklagenden Töne – die Last muss von seinen Schultern.

 

„Dieses Schicksal so sagte man mir, wäre gewiss von öffentlichem Interesse“, soll der echte Solomon Northup über seine eigene, traurige Geschichte gesagt haben. Damit hat er sicherlich Recht. Regisseur Steve McQueen und Drehbuchautor John Ridley befanden dies auch und widmeten sich der Verfilmung der literarischen Vorlage von 1853.

 

12 Years a Slave erzählt die Geschichte des Geigers Solomon Northup, der 1841 als freier Mann entführt und versklavt wird. Der Zuschauer begibt sich mit Northup auf eine Reise in die Unmenschlichkeit und zeichnet das Bild einer Gesellschaft, die nicht nur zutiefst gespalten, sondern sich ihrer Ungerechtigkeit nicht im Geringsten bewusst ist. Der Film zeigt (Zeit-)Geschichte so authentisch, wie dies nach 200 Jahren nur möglich ist. Man spürt, dass sich McQueen und Ridley intensiv mit dem Thema Sklaverei auseinandergesetzt haben. Nichts wird geschönt. Der Film führt den Zuschauer an menschliche Abgründe heran und zeigt kaum ertragbare Grausamkeiten. Die Geschichte Northups besitzt auch Bezüge zur Gegenwart. Es geht um physische und geistige Moral, um Überlebenswillen und Mut. Northup ist Zeitzeuge, einer, der die Schrecken der Sklaverei am eigenen Leib erlebt hat.

 

Steve McQueen hat seine Wurzeln in der bildenden Kunst. Und das merkt man auch. Er zwingt den Zuschauer seine Bilder lange und intensiv zu betrachten – manchmal auch zu lange. Bei den wunderschönen Landschaftsaufnahmen funktioniert das gut. Bei anderen Szenen ist dies bisweilen eher unangenehm. Die Schauspieler um Hauptdarsteller Chiwetel Ejiofor, sowie die Hollywoodstars Michael Fassbender, Benedict Cumberbatch und Brad Pitt machen diesem Prädikat alle Ehre.

 

Also ist 12 Years a Slave der Kinokracher des Jahres? Mitnichten. Der Film ist meiner Meinung nach nichts für die breite Masse, sondern eher eine Empfehlung für Filmpuristen. Neben einigen Längen, ist die Geschichte wahrlich keine leichte Kost. Eine Feel-Good-Story geht anders. Auch nach dem Abspann bleibt die Beklemmung, die sich während der gesamten 134 Filmminuten breitmacht. Überlegt euch lieber zweimal, ob ihr für diesen Film Geld ausgeben wollt. Trotzdem prophezeie ich, dass der Film den einen oder anderen Oscar gewinnen wird. Das Thema ist wie für die Preisverleihung geschaffen und es ist weithin bekannt, dass die Academie auch die ‚etwas anderen‘ Filme mit dem kleinen goldenen Mann belohnt.

 

Mibo

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