annie hall

ANNIE HALL

Neu(e)Rosen brauch das Land

 

„I feel that life is divided into the horrible and the miserable. That‘s the two categories. The horrible are like, I don‘t know, terminal cases, you know, and blind people, crippled. I don‘t know how they get through life. It‘s amazing to me. And the miserable is everyone else. So you should be thankful that you‘re miserable, because that‘s very lucky, to be miserable.“

 

Darf ich vorstellen, Annie Hall, oder wie der Film im Deutschen heißt: Der Stadtneurotiker. Damit der geneigte deutsche Kinogänger auch von Anfang an weiß, was ihn erwartet. Das oben aufgeführte Zitat zeigt für mich eigentlich schon die ganze Genialität dieses Films. Er ist witzig, klug und es kommt sogar eine Liebesgeschichte vor – sieh an. Aber allem voran, geht das unheimlich tolle Drehbuch von Woody Allen mit solchen philosophischen Erkenntnissen, wie anfangs zu lesen.

 

Ich weiß, dass viele gar nicht so gerne alte Filme gucken. Ich weiß auch, dass viele sich erst recht keine alte, romantische Komödie angucken wollen. Doch Annie Hall ist etwas anderes. Außerdem werde ich nicht müde werden hier immer mal wieder Filme zu präsentieren, die eine 19 vorne an der Jahreszahl tragen.

 

Ja, Annie Hall ist anders. Der Inhalt des Films erklärt sich recht gut, wenn man seinen Untertitel, welcher allerdings nur im Trailer verwendet wurde, kennt: A nervous romance – eine nervöse Romanze. Wie es meistens der Fall in romantischen Komödien ist, treffen auch in diesem Film zwei Menschen aufeinander: Sie, Annie Hall, gespielt von Diane Keaton und Alvy Singer, verkörpert von Woody Allen, der, wie schon gesagt, das Drehbuch schrieb, aber auch die Regie übernahm. Alvy Singer ist ein neurotischer, jüdischer (ja, das ist in diesem Fall wichtig und auch unter Charaktereigenschaften aufzuführen) und erfolgreicher Comedian im New York der 70er Jahre. Er hat einige Beziehungen, allerdings von diesen will keine so richtig halten. Doch eines Tages trifft er auf Annie Hall. Die junge Dame ist wahrscheinlich ebenso neurotisch wie er und bildet deswegen so etwas wie sein Gegenstück.

 

Zu der Qualität des Films, gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, denn dafür ist er eigentlich zu bekannt und zu gut. Ich mache es trotzdem. Der Film ist genial geschrieben und Woody Allen beweist in dieser Komödie einfach nur wie perfekt sein Timing für Pointen ist. Dazu die Hassliebe, die man mit dem Hauptcharakter Alvy entwickelt, ist etwas Besonderes. Außerdem hat Allen filmisch sehr viel ausprobiert. Ich möchte nicht sagen, dass er manche Dinge sogar erfunden hat mit diesem Film, aber er hat sie zumindest in das Mainstreamkino eingeführt. Vier Oscars gab es dafür oben drauf, darunter die mittelwichtigen  Kategorien Film, Regie, Originaldrehbuch und Hauptdarstellerin.

 

Der Film ist zwar gute Unterhaltung, trotzdem trägt er sehr gute Botschaften und intelligenten Witz in sich. Deshalb steht der Stadtneurotiker auch über fast allem, was sich sonst eine romantische Komödie nennt – einfach nur, weil er ein höheres Level als pures Entertainment erreicht. Außerdem sieht man, wie gut Diane Keaton aussah, als sie noch jung war (nicht, dass sie für ihr Alter jetzt nicht gut aussieht, aber ihr wisst Bescheid). Ich frage mich eigentlich nur, warum ihr noch am Lesen seid und nicht schon längst den Film besorgt habt.

 

Jan

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