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ANTIKÖRPER

Immer wieder Sonntags…

 

Der Tatort. Des Deutschen liebste Fernsehreihe. Und das ist nicht nur eine Behauptung. Im Jahr 1970 erstmals ausgestrahlt, ist die Krimi-Reihe mit wechselnden Ermittlerteams, eine Institution. Nicht nur die Einschaltquoten, auch die Resonanz in Print- und Onlinemedien sprechen für seine Beliebtheit. Dabei gibt es auch abseits der wöchentlichen Unterhaltung und den circa 35 neuen Folgen jährlich, deutsche Produktionen, die das Prädikat sehr gut verdienen. Antikörper  (2005) von Christian Alvart, der in den letzten drei Jahren auch drei Mal den Tatort inszenierte, gehört sicherlich dazu.

 

Antikörper ist ein Film – straight in die Fresse. Ohne viel Schnickschnack. Irgendwie fällt mir keine andere Beschreibung ein. Das Thema ist bedenklich. Der Ton des Films bisweilen sicherlich auch. Aber irgendwie passend. Wenn ein Film versucht die Psyche eines Päderasten zu beleuchten, bleibt eigentlich gar nichts anderes übrig.  Außerdem werden alte deutsche Gepflogenheiten und die Prägung durch den Katholizismus in ländlichen Regionen aufgegriffen und ziemlich unbeschwert in die Story mit eingeflochten. Obwohl das mit der Thematisierung von Religion in Filmen oft auch daneben gehen kann.

Der Film inszeniert das Psychoduell zwischen einem 13-fachen Kindermörder und einem Dorfpolizisten. Das Psychoduell wird größtenteils ohne viele Nebenschauplätze abgehandelt. Ein klares Plus des Films.

 

Das Drehbuch ist meiner Meinung nach exzellent. Wobei André Hennicke mit seiner Figur dem Film noch einmal eine besondere Note verleiht. Der Bösewicht und sein Plan ist so absurd gut, dass es einem wirklich Angst werden kann. Schauspiel auf oberstem Niveau – Ein Psychopath aller erster Güte. Auch Wotan Wilke Möhring liefert als Gegenstück im Kampf Gut gegen Böse eine ansprechende Leistung.

 

Wie bei deutschen Filmen fast üblich ist die Optik von Antikörper nicht besonders opulent. Der Soundtrack ebenso. Auch auf große Schockmomente wurde verzichtet. Eine Tatsache, die ich dem Film ebenfalls hoch anrechne. Hollywood-Thriller sind mit diesem – nennen wir es „Mittel“ – teilweise schon genug überladen. An Spannung büßt der Film trotzdem nichts ein.

Antikörper ist sicherlich nicht die deutsche Version von Schweigen der Lämmer (Auch wenn teilweise Elemente aufgegriffen werden). Dennoch macht der Film sehr viel richtig. Am Ende hätte man eventuell eine Szene weglassen können, die dem Film ein Art biblische Dimension gibt und nicht wirklich hilfreich für die Handlung ist – Auch wenn diese Thematik während des ganzen Films eine Rolle spielt. Sei’s drum.

 

Antikörper gehört sicher zu Oberklasse des deutschen Kinos. Der Film geht einen Schritt weiter als der herkömmliche Tatort. So etwas zeigt man eben keinem Sonntagabend-20.15Uhr-ARD-Publikum.

 

Mibo

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