#130_batsupi

BATMAN vs SUPERMAN

Der Detektiv und das Alien

 

Bevor ich loslege eine Frage: Wann habt ihr das letzte Mal ein Comicband in den Händen gehalten und mit Vorfreude und Begeisterung gelesen? Denkt mal drüber nach.

 

Batman v Superman: Dawn of Justice. Es beginnt. Auf meiner linken Schulter sitzt der ehemalige Comicleser, auf meiner rechten der Filmliebhaber. Womöglich eine passable Ausgangslage für eine Filmkritik über eine Comicverfilmung … oder? Metropolis (im Film das Nachbardorf von Gotham – scheinbar nur fünf Gehminuten entfernt) wird gerade vom Mann aus Stahl in Schutt und Trümmer zerlegt. Dieses Mal aber aus der Perspektive von Bruce Wayne der … nein, kein guter Einstieg .. bin außer Übung. Hmmm. Okay. Was ist positiv hervorzuheben? Ganz klar der Look, der Sound und die Darsteller. Ben Affleck IST Batman. Fledermausmäßig gut! Ausgebrannt, müde, einen Fick gebend – unerwartet, anders und frisch. Danke dafür. Superman? Wie immer: glatt, langweilig, nicht mehr zeitgemäß. Die neue Interpretation von Lex Luthor ist zwar etwas übertrieben geschrieben aber Jesse Eisenberg gibt sein bestes! Was noch? Hmmm. Die Stelle in der Supiman die Türen vom Batmobil wie Butterbrotpapier auseinander trennt und den Kollegen im Latexanzug eindrücklich empfiehlt „die Faxen sein zu lassen“ war cool. Und natürlich der Kampf zwischen den beiden. Also diese ca. 11 Minuten auf diesem einen Dach. Und die Aktion in der Bruce ein bisschen Wrestling-Martial Arts auspackt um die andere Mamma zu retten. Ja, das hat mir gefallen. Da hab ich‘s kurz gefühlt. Aber warum fliegt Clark nicht einfach kurz vorbei und rettet sie – wie er es kurz davor mit seiner vom Dach fliegenden Freundin getan hat? Naja, Logik innerhalb der Story ist hier anscheinend nicht so wichtig. Was war noch gut, ach ja, die verschiedenen Batman Kostüme! Und alles was Zack Snyder eben gut kann – Action, Zeitlupe und grafische, ja fast schon malerische Comicbilder in Bewegtbild.

 

Und der Rest von diesen hundereinundfünfzig Minuten? Tja Freunde … der COMICleser in mir wollte diesem Film eine echte Chance geben … aber Zack Snyder macht es dem FILMliebhaber in mir so unglaublich schwer. Es fehlt eigentlich jegliche gute Zutat für ein erfolgreiches Werk. Er erfüllt nicht das, was der Titel verspricht, er besitzt keine spielerische Leichtigkeit, keinen smarten Humor, es entsteht keine Chemie zwischen den Characteren, das Pacing ist grauenhaft und überhaupt wirkt alles sehr schwerfällig, ernst und bedeutungsschwanger. In den ruhigen Momenten mangelt es den Szenen deutlich an Substanz und Tiefe. Die erste Stunde ist extrem langatmig und es dauert eine halbe Ewigkeit bis etwas wirklich Spannendes, Wichtiges oder Eindrucksvolles passiert. Die konfus zusammengestellten Schnitte im kompletten Film erscheinen zu abrupt und dadurch entsteht ein sehr ermüdender und unruhiger Erzählfluss mit nicht greifbarer Dramaturgie, weil der Regisseur andauernd hektisch von einem zum nächsten Protagonist springt, aber keine dieser kurzen Geschichten in Ruhe und mit genug Hintergrundwissen erzählt. Schon Mal was von „Emotionen für den Zuschauer aufbauen“ gehört Zack? Erklär uns doch lieber etwas über die Motivation von Lex als uns zum zehnten Mal zu zeigen, wie das Ehepaar Wayne nach dem Kinobesuch erschossen wird. Die komplette Szene nur für den „Martha“-Twist“ … geht‘s noch? Diese Problematik mit fehlenden Hintergründen und Motivationen zieht sich übrigens durch den gesamten Film und ist einer der größten Schwachpunkte weil das Publikum nicht mitfiebern, mitleiden oder mitstauen kann. Die einzelnen Schicksale werden dadurch komplett obsolet.

 

Ein befreundeter Comicfan meinte: Wirf zehn Superman-, zehn Batman- und drei Justice-League-Bände in einen Topf, reiß davon die jeweils 8 abgefahrensten Seiten raus um diese in den Albtraumsequenzen zu verheizen, streu eine kleine Trailershow für kommende Franchise Pläne rein, schüttel den Rest ordentlich durch und presse den Inhalt auf 2,5 Stunden. Fertig hast du einen großen, unstrukturierten Haufen Comicgeschichten und dadurch ein sehr zähflüssiges Kinoerlebnis, mit dem am Ende weder das Mainstreampublikum klarkommt, weil es verwirrt ist – noch die Nerds, weil die einzelnen Bände viel zu kurz kommen. Aber der wichtigste Punkt, warum dieser Film meiner Meinung nach einfach keine Runde Sache ist: Eine gute Comicverfilmung (The Dark Knight) steht und fällt mit ihren Schurken, ihrem Antagonist. Es tut mir furchtbar Leid, aber Lex und Doomsday gehören eben nicht dazu. Blass, Charakter- und Motivationslos. Erfindet von mir aus neue Bösewichte wenn die Figuren die 1940! erfunden wurden eben heute nicht mehr funktionieren. Nicht mein Problem DC.

 

Batman v Superman – Dawn of Justice ist ein zähes, langatmiges Kinoerlebnis mit wenigen Höhen und extrem vielen Schwächen. Schön an der Oberfläche, seelenlos darunter. Einzig die Hoffnung auf die nächste Klopperei hält einen nicht davon ab einzuschlafen. Im Normalfall sollte man solche Filme mit offenem Mund und weit aufgerissenen Augen verlassen, stattdessen sah ich um mich herum nur müde Menschen, die enttäuschte Kommentare von sich Gaben und niedergeschlagen in Zeitlupentempo den Saal verließen. Fast so, als hätte sie ein Kryptonitstab mitten ins kleine Kinoherz getroffen…

 

*** Hey!!! du achsotoller „Filmeliebhaber“ – warum heulst du so rum? Du wusstest genau dass es eine COMICVERFILMUNG wird. Nochmal: C O M I C ! Liefern dir deine 35 Seiten „The Killing Joke“ von Alan Moore auf den 180 Comicblasen verteilten Text mehr „Tiefe“ und „Motivationen“? Auf jedem zweiten Bild gibt es in weißer Sternform mit schwarzer Outline ein „Gaaak“, ein „Unngh“ ein „Hhut“ und „Nnmf“ – große und kleine Bilder die ebenfalls konfus hin und her springen, bunte Farben, eine Story die auf einen Bierdeckel passt und bis auf wenige Ausnahmen keinen großen Arthaus-Anspruch einfordert. Exakt diese Dinge die wir Comicfans lieben, hat Snyder geliefert: atmosphärische Bilder, fette Action, große Helden! Was zur Hölle hast du erwartet? Nur weil Nolan The Dark Knight gedreht hat muss ab jetzt nicht jeder Comicfilm so aussehen bzw. sich so anfühlen. Wenn du ein Problem damit hast, dass ein riesiges, gezüchtetes Monster von einem anderen Planeten kommt, Atombomben frisst und sich –> genau wie auf den letzten 15 Seiten des Comics <– einen: Laserstraaaahl-ich-zerstör-alles-was-kommt-#weristhulk?-Kampf liefert, schau dir so etwas eben einfach nicht an oder denk mal drüber nach ob du überhaupt die Zielgruppe bist! Und wer jetzt mit dem Watchmen Argument kommt: Der Film war nur so gut weil Zack Snyder ein komplettes Ausnahmewerk von vorne bis hinten 1 zu 1 abgedreht hat. Also komm mal von deinem hohen Kritiker-Ross runter und raff dich gefälligst junger Mann!

 

Flo

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