BLOW

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Einmal König und zurück

 

George Jung sitzt im Gefängnis. Eigentlich noch bis 2016. Seine Entlassung ist jedoch für November 2014 geplant. Warum er früher raus darf, weiß ich nicht. Oder wurde er schon Anfang dieses Jahres entlassen? Ich weiß es nicht. Ist auch egal. Ich wette, nicht mal die Hälfte von euch kennt George Jung. Die Verfilmung seiner Geschichte vielleicht schon eher.

 

Johnny Depp war auserwählt ‚Boston George‘ zu spielen. Und das hat er mehr als gut gemacht. Wahrscheinlich hätte es kein anderer besser geschafft. Vielleicht weil unser Freund Johnny ein besonderes Talent an den Tag legt, wenn es um die Verkörperung von kaputten Typen geht. Je abgefuckter desto besser. Charaktere, die man vielleicht als ‚nicht ganz dicht‘ beschreiben könnte, die den meisten Mitmenschen wohl eher ein Dorn im Auge sind, liegen ihm besonders. Egal ob Raoul Duke in Hunter S. Thompsons Fear and Loathing in Las Vegas, Captain Jack Sparrow in der Blockbuster Reihe Fluch der Karibik oder der verrückte Hutmacher in Alice im Wunderland. Depp geht in diesen Rollen auf. Der Hang zum Dramatischen, zum Teil Übertriebenen, gehört zu den meisten seiner Rollen. Deshalb ist er genau die richtige Besetzung für Blow – Die Verfilmung des Lebens einer der größten Drogendealer aller Zeiten.

 

Dass George Jung an sich ‚nicht ganz dicht‘ war, vermag ich nicht zu beurteilen. Wer mit 300 Kilogramm Marihuana am Chicagoer Flughafen erwischt wird, dem kann man aber vielleicht eine gewisse Verrücktheit nachsagen. Ganz abwegig ist das sicherlich nicht. Das war 1972 und Jung saß zum ersten Mal hinter Gittern. Zwei weitere Male werden folgen.

 

Jung kommt aus einer zerrütteten Familie. Sein Vater ist ein einfacher Arbeiter, seine Mutter Hausfrau und eigentlich will er einfach nur nie so werden wie seine Eltern. Aufgrund von Geldsorgen beginnt Jung gemeinsam mit einem Freund Marihuana zu dealen. Schnell expandiert das Geschäft. Während seines Gefängnisaufenthalts lernt George Diego Delgado, der auf der realen Person Carlos Lehder Rivas basiert, kennen und beginnt mit ihm Pläne zu schmieden und im großen Stil Kokainhandel zu betreiben … George Jung und Diego Delgado werden zu den Kokain-Königen Amerikas. Bald steht Jung auf einer Stufe mit den Drogenbaronen aus Mexiko und Kolumbien und macht Bekanntschaft mit einem gewissen Pablo Escobar. So genug gespoilert … Die Geschichte hat allerdings noch viel mehr zu bieten als das hier geschilderte.

 

Die Art und Weise, wie sich Johnny Depp in seiner Rolle immer mehr zum abgebrühten Dealer entwickelt, ist sensationell. Der besondere Reiz, liegt meiner Meinung nach darin, dass der Hauptcharakter seine eigene Geschichte gewissermaßen nacherzählt. Die Verbindung von Erzähltem und Gesehenem erzeugt eine gewisse Ambivalenz Ich meine wer bleibt schon wirklich ruhig, wenn er über zehn Kilo Koks durch den Zoll schmuggelt. Keiner?! Die Schilderungen der Hauptperson in Verbindung mit der schauspielerischen Klasse Depps, der alle Facetten seines Könnens zeigt, machen den Film zu dem was er ist. Meiner Meinung nach großes Kino.

 

Auch der restliche Cast kann sich sehen lassen. Mit Franka Potente (Lola rennt), Penelope Cruz (Vicky Christina Barcelona), Ray Liotta (GoodFellas, Smokin Aces,…) und Jordi Molla (Bad Boys II) wurde Depp eine schlagkräftige Truppe zur Seite gestellt.

 

Bisweilen wurde in der Fachpresse bemängelt, dass der Film keinerlei Stellung zum gezeigten Stoff bezieht und allein von der Schauspielerischen Klasse Johnny Depps lebt. Dass die Leistung unseres bärtigen Freundes der Qualität des Films zuträglich ist, ist nicht von der Hand zu weisen. Ob der Film tatsächlich Stellung beziehen sollte, ist meiner Meinung nach fraglich. Immerhin wird hier eine Geschichte erzählt, die auf wahren Begebenheiten beruht. George Jung selbst war in die Dreharbeiten mit eingebunden und Regisseur Ted Demme sagte, er wollte den Film so erzählen, wie es Jung getan hätte. In einem solchen Fall sollte der Zuschauer vielleicht am besten selbst sein Urteil fällen. Und mal ehrlich, wer sich nicht bewusst ist, dass sich Kiloweise weißes Pulver in die Nase zu ziehen irgendwann negativ auf die Synapsen auswirkt, dem ist auch nicht zu helfen…

 

Der Film läuft gefühlt alle zwei Monate auf einem privaten Fernsehsender, der hinter seine drei Buchstaben noch eine II gehängt hat. Also beim nächsten Mal anschauen und selbst ein Bild machen.

 

Mibo

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