#88_boyhood

BOYHOOD

Time flies

 

Coming of Age. Erwachsenwerden. Heranwachsen. „Coming of Age“ ist ein Filmgenre, dass es schon seit langer Zeit gibt und sehr ehrenwerte Vertreter hervorgebracht hat wie American Graffiti, City of God oder Die Reifeprüfung. Ich könnte noch eine Weile so weitermachen, da ich ein großer Fan des Genres bin, weil es meistens eine tolle Mischung aus Melancholie sowie Fragen nach dem eigenen Ich und der Welt verbindet, dabei aber auch oft Erinnerungen an eigene Erlebnisse und Erfahrungen weckt, denn jung waren wir ja alle mal – manche mehr, machen weniger.

 

Der Clou bei solchen Filmen ist immer, welchen Ausschnitt zeigt man aus dem Leben des jungen Protagonisten? Wie groß sind die Zeitsprünge zwischen den einzelnen Episoden? Wie löst man das mit dem Casting? Häufig haben die Darsteller etwas Auffälliges, wie beispielsweise in City of God, was dem Zuschauer die Möglichkeit gibt die einzelnen Charaktere „wiederzufinden“.

 

Oder man löst es wie in Boyhood: Der Film zeigt die Geschichte des jungen Mason Jr., wie er in Texas aufwächst – von der ersten bis zur zwölften Klasse. In dieser Zeit durchleben wir mit ihm, seinen geschiedenen Eltern und seiner Schwester, was alles so passieren kann in einem Schulleben, bis man als junger Mensch auszieht und aufs College geht. Der „Clou“, von dem ich sprach, wird in diesem Film auf die beeindruckendste Art und Weise gelöst, die ich je in einem Film gesehen habe, der keine Dokumentation ist. Regisseur, und in diesem Fall auch Drehbuchautor, Richard Linklater drehte den Film schlicht und ergreifend über 12 Jahre lang beginnend im Jahr 2002. So alterten alle Darsteller von alleine und dies gibt dem Film eine unglaubliche Authentizität.

 

Allerdings kann auch von der Machart abgesehen gesagt werden, dass Linklater schlichtweg ein hervorragender Film gelungen ist. Trotz einer Spielzeit von zweieinhalb Stunden kommt eigentlich nie Langweile auf. Man möchte einfach wissen, was im Leben von Mason passiert und welche Widrigkeiten dem jungen Mann begegnen und begegnen werden. Linklater greift bei den Darstellern auf einen üblichen Verdächtigen zurück, nämlich Ethan Hawk, mit dem er schon in mehreren Produktionen zusammengearbeitet hat (z.B. Before Midnight, Fastfood Nation). Dazu gesellt sich die Allzweckwaffe Patricia Arquette als Mutter von Mason Jr.

 

Boyhood wurde von sehr guten Kritiken bereits überhäuft und ich schließe mich hier ganz schamlos an. Der Film ist absolut großartig, obwohl in einem kleinen Kosmos gehalten. Hinzu kommt die Umsetzung, die ihn zu einem herausragenden Filmprojekt und somit einem kleinen Meisterwerk machen. Geht rein, leiht ihn euch aus, ladet ihn runter, macht was wir wollt, aber nehmt euch eine runde Zeit und schaut mal in das Leben dieser texanischen Familie rein.

 

Jan

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