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DALLAS BUYERS CLUB

Herzlich Willkommen zum Ende ihres Lebens

 

Zack und alles ist vorbei. Ja klar, dir geht es schon ein paar Wochen relativ scheiße. Und ja, der Husten wird schlimmer. Doch das? Du hast einen kleinen Unfall auf der Arbeit und wachst im Krankenhaus wieder auf und denkst, dass du gleich nach Hause gehst. Doch dann sagt dir der Arzt, dass sie dein Blut untersucht haben: AIDS. Du verstehst das nicht. AIDS? Das kriegen doch nur Schwule!

 

Genau so ist es Ron Woodroof ergangen. Der spielsüchtige, aber dennoch gewiefte, Elektriker bekommt 1985 die Nachricht, dass er am HIV-Virus erkrankt ist und er voraussichtlich nur noch 30 Tage zu leben hat – die Lebenserwartung mit ausgebrochenem AIDS Mitte der 80er-Jahre in den USA. Was würde man selber nun tun? Ron entschließt sich zu kämpfen. Er schmuggelt illegale – aber laut ihm wirksame – Medikamente in die Staaten ein. Aus diesem Kampf wird dann ein Geschäftsmodell für andere AIDS-Kranke, die in ihrer Verzweiflung wahrscheinlich alles nehmen würden. So entsteht der Dallas Buyers Club.

 

Der Film kam schon während seiner Entstehung in die Schlagzeilen, da Bilder von Matthew McConaughey und Jared Leto bekannt wurden, auf denen sie äußerst abgemagert zu sehen waren. Denn beide mussten für ihre Rollen als AIDS-Kranke im Endstadium eine Menge Gewicht verlieren. Diese Aufopferung für die Authentizität hat sich in diesem Fall absolut ausgezahlt, denn beide spielen zudem auch noch hervorragend und sind dementsprechend auch für Oscars nominiert. Wobei die Leistung auch wichtig für den Film ist, da fast die gesamte Last des Film auf den beiden liegt.

 

Der nicht übermäßig berühmte Jean-Marc Vallée führt Regie. Er gibt sich dabei sehr künstlerisch. Die Schnitte überlappen, der Ton schwankt in der Lautstärke, damit der Zuschauer in manchen Szenen besser mitfühlen kann, und der bewusst leicht dreckige Look rundet das sehr stimmige  Gesamtkunstwerk ab.

 

So gut ich den Film künstlerisch finde, bin ich dennoch nicht ganz zufrieden gewesen. Die gesamte Story ist so nah an der Realität gehalten, dass ich sie über manche Strecken schlichtweg langweilig fand. Ja, die Geschichte ist interessant und ja, solche Themen gehören angesprochen, aber irgendwie ist die Spannung verloren gegangen. Der Film beruht zwar auf wahren Begebenheiten, doch die Schmuggelszenen reissen nicht mit und das hätte die Story irgendwie gebraucht, vielleicht als Kontrast zum Alltag der Protagonisten. So kann ich am Ende nur sagen: schauspielerische Leistungen herausragend, Gesamtfilm in Ordnung.

 

Jan

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