#91_Planet_der_Affen_2

DAWN OF THE PLANET OF THE APES

Affen töten keine Affen

 

Nachdem 2011 mit Rise of the Planet of the Apes, ein unerwartet positives Prequel (unbedingt anschauen!) zur kultigen „Planet der Affen“-Filmreihe aus den 1960er und 1970er Jahren mit einem weltweiten Einspielergebnis von fast $500 Mio. zu einem unvorhergesehen Blockbuster wurde, stand schnell fest: 1x eine Fortsetzung bitte, aber schleunigst.

 

Und hier sind wir, drei Jahre später. Aber jetzt haltet euch fest, Dawn of the Planet of the Apes ist nicht dem Michael Bay-Syndrom verfallen und erzählt tatsächlich eine Geschichte! Kein Spaß! San Francisco in der nahen Zukunft. Nachdem ein mysteriöses „Affen-Virus“ schnell die Erdbevölkerung dezimierte, befinden wir uns gefühlt wieder in der Steinzeit. Elektrisches Licht und Strom sind Mangelware. Menschen und Affen leben seit Jahren mehr oder weniger friedlich getrennt voneinander in kleinen Kolonien. Die einen in der Stadt, die anderen im Wald. Bis eines Tages…

 

Beim Vorgänger lag das Gewicht schon deutlich mehr im Genrebereich Drama anstatt sich auf plumpe Action zu verlassen. Dieser Trend ist zum Glück im aktuellen Teil noch deutlicher zu spüren. In Matt Reeves’ Film geht es nicht nur um den Kampf zwischen Menschen und Affen – die Konflikte gehen deutlich tiefer. Es ist positiv hervorzuheben, dass die Drehbuchautoren der Primaten-Gemeinschaft viel mehr Aufmerksamkeit widmen als der menschlichen Rasse. Dabei werden natürlich gewollt „Homo sapiens“-Motive wie Rebellion, Eifersucht, Vertrauen, Freundschaft und Vater-Sohn Beziehungen thematisiert: Auf menschlicher Seite natürlich vordergründig mit Blick auf die postapokalyptischen Gesichtspunkte, denen die Protagonisten fast schutzlos ausgeliefert sind. Trotz der feinfühlig-bombastisch inszenierten Action, die in den mehr als zwei Stunden Filmdauer kaum Längen entstehen lässt, überwiegt das Drama und die Zwischenmenschlichkeit: und das in einem Hollywood Großprojekt. Danke dafür!

 

Einen ganz anderen Grund sich diesen Film im Kino (bitte NICHT 3D – außer ihr steht auf unscharfes Fell und schwache Kontraste) anzuschauen, sind die visuellen Effekte. Die Computer-Technik. Das CGI. Das Motion-Capturing. Es ist fuckin A T E M B E R A U B E N D. Während des gesamten Films kam kein einziger Greenscreen-Fremdscham Moment auf! Dies ist dem Umstand geschuldet, dass die Crew das komplette Technik-Lager, die Ausleuchtung, die Kameras – mitten im Wald aufgebaut hat. Ein Aufwand, der sich sehen lässt. Das Fell der Affen (insbesonders im Regen), die Bewegungen, die Gestik aber vor allem die Mimik sind so voller liebe zum Detail, dass man teilweise vergisst, dass gerade animierte Modelle über die Leinwand schwingen. Speziell die Augen und die Gebärdensprache der Affen transportieren eine derart glaubhafte Emotion, dass ich teilweise da saß und dachte: „So etwas Genial-unheimliches habe ich im Kino noch nicht gesehen.“ Verzweiflung, Furcht oder Frustration. Es sind subtile, feine Details und Gefühlszustände, welche die Kamera teilweise nur flüchtig einfängt, die aber unglaublich große Wirkung beim Zuschauer hervorrufen.

 

Ein weiteres Lob geht an den „Director of Photography“ und seine Crew. Der Film ist ästhetisch sehr hochwertig fotografiert. Affen und ihre smoothen Bewegungsabläufe in Kombination mit der vertikalen Kletterfähigkeit sind natürlich auch wie geschaffen für tolle Bilder. Immer wieder werden Aufnahmen aus der Vogelperspektive oder in der Totalen gezeigt. Hoch oben, über dem schemenhaften Geschehen, oder tief in den Wäldern entfaltet sich die Ruhe und die Kunst der Bildgewalt. Seien es Zeitlupen-Gefechtsszenen im trüben Scheinwerferlicht, die Geburt eines Affenbabys oder die Großaufnahme vom besorgten Gesicht des Anführers. Viele dieser Momente erinnern an ein Gemälde, so voller Magie und Perfektion, dass man nur staunen kann.

 

Ja, die Story ist nicht originell und hat hier und da ihre Schwächen und kitschigen Momente. Es werden hanebüchene Entscheidungen getroffen und die Dialoge sind nicht immer von höchster Qualität. Ja, die CGI-Schauspieler (allen voran Andy Serkis) laufen den echten Darstellern wie Gary Oldman den Rang ab und sind eindeutig im Vordergrund, womit der Rest des Casts etwas blass bleibt (eben auch weil ihre Figuren fast keinerlei Raum zur Entfaltung bekommen). Trotz dieser Punkte – ist der Film überdurchschnittlich sehenswert, weil die Auftritte der Affen alle Fehler wieder ausgleichen. Es sind nur ein, zwei kleine Kerne im riesigen, saftigen Fleisch der Wassermelone und diese kann man ja bekannterweise runterschlucken. Ab ins Kino, mit Gebrüll!

 

Flo

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