die letzten glühwürmchen

DIE LETZTEN GLÜHWÜRMCHEN

 

Geschwisterliebe

 

Japan, Mitte der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts: Endphase des Zweiten Weltkriegs. Das Land der aufgehenden Sonne liegt in Trümmern. Und so auch das Leben des vierzehnjährigen Seitas. Nachdem er im Krieg bereits seine Mutter verloren hat und anschließend von seiner Tante verstoßen wird, bleibt ihm nur noch seine schwer kranke, kleine Schwester Setsuko, mit der er in der zerbombten Hafenstadt Kobe ums Überleben kämpft.

 

Die letzten Glühwürmchen (Hotaru no haka) basiert auf dem teilweise autobiografischen Roman „Das Grab der Leuchtkäfer“ von Akiyuki Nosaka aus dem Jahr 1967 und zählt wohl zu den besten Anime- oder, wenn man will, Zeichentrickfilmen überhaupt. Zwar ist der Film in Deutschland mit FSK-6 gekennzeichnet, allerdings bezweifle ich, dass Kinder in diesem Alter die Tiefe und Tragweite der erzählten Geschichte begreifen können. Etwas wirklich Kindliches, was dieses Genre oft auszeichnet, lässt sich während der 85 Minuten Spielzeit nur schwer ausmachen. Starker Tobak, für Kinder eher ungeeignet und eher FSK-16 als 6.

 

Der Stil des Anime ist ebenfalls nicht das, was den Film zu etwas Besonderem werden lässt. Hier punktet der Streifen eher durch Schlichtheit und vereinzelt gesetzte Details. Der Film erschien bereits 1988. Also in einer Zeit, in der die Animationstechnik noch nicht sehr weit fortgeschritten war. Dabei würden zusätzlich Effekte dem Film wohl eher schaden, da sie vom wesentlichen ablenken würden – der erzählten Geschichte.

 

Vielmehr ist es die emotionale Intensität. Die Mischung aus Betroffenheit und Fassungslosigkeit, die der Film durch seine schonungslose Darstellung auslöst, die ihn zu einem Meisterwerk werden lassen. Trostlosigkeit kann so inszeniert sein, dass es fast zu etwas Schönem wird. Zum ersten Mal in meinem Leben machte sich während eines Zeichentrickfilms Melancholie in mir breit.

 

Wer bisher beim Wort „Anime“ an Pokemon, Yu-Gi-Oh! oder ähnlichen Schwachsinn denken muss, der sollte sich Die letzten Glühwürmchen anschauen. Animes können nämlich auch anders: ernst, traurig, schonungslos, mitreißend.

 

Mibo

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