#98_Die_Mannschaft

DIE MANNSCHAFT

Jogi und Co. reloaded

 

Was hast du getan am 13. Juli 2014? Vielleicht sagt dir das Datum nichts, aber eine Szene dieses Abends wird für immer in den Köpfen der Deutschen weiterleben – und jeder einzelne wird sich wahrscheinlich auch daran erinnern, wo und mit wem er diesen Moment erlebt hat: Andre Schürle macht sich auf und galoppiert den linken Flügel entlang, löffelt eine Flanke in den Strafraum; Mario Götze nimmt den Ball mit der Brust an und Instinkt-fußballert ihn vorbei am argentinischen Schlussmann zum 1:0. Der Rest ist: Freudentanz, zersplitternde Bierkrüge, Jubel-Trubel-Heiterkeit. (Fußball-)Deutschland ist am Ziel seiner Träume.

 

Gott sei Dank gab es in den vier Wochen zuvor auch schon jede Menge Fußball. Die Erlebnisse rund um „Die Mannschaft“, so lautet der Spitzname der DFB-Elf, erzählt jetzt der gleichnamige Film. Und: der ist beileibe nichts besonderes. Wer nicht das Glück hatte, die WM live in Brasilien mitzuerleben, der wird sich schnell in einer ARD und ZDF-Dauerschleife wiederfinden. So gut wie alle Szenen des Films sind aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk bekannt.

 

Natürlich bekommt der Zuschauer auch den ein oder anderen Blick ins viel gescholtene Campo Bahia, das Camp, das die Nationalmannschaft während des Turniers bewohnte. Aber: das Gefühl von intimen Einblicken gibt es nicht – die Nationalspieler bleiben nur formlose Fußballer, Nähe zu den WM-Helden vermag der Film nicht zu produzieren.

 

Dabei ist der Fauxpas um das Zitat („Brasilien hat Neymar. Argentinien hat Messi. Portugal hat Ronaldo. Deutschland hat eine Mannschaft!“), das von einem schottischen Fußballfan stammt, aber von den Machern dem englischen Nationalspieler Steven Gerrard zugeschrieben wurde und prominent am Anfang des Films platziert wurde, noch das kleinste Übel. Die oft widersprüchlichen Aussagen zum Camp von Teammanager Oliver Bierhoff, der in einem Satz die Vorzüge der Anlage preist, um sich im nächsten über den langen Anfahrtsweg zu den Spielen zu beklagen, lassen die Zuschauer höchstens mit ein paar Fragezeichen im Gesicht zurück. Auch dass die mangelhafte Organisation der FIFA-WM in Brasilien und die zum Teil schrecklichen Zustände für die Bevölkerung mit keinem Sterbenswörtchen erwähnt werden, macht den Film nicht gerade sympathischer. Warum das so ist, wird spätestens klar, wenn im Abspann groß das FIFA-Logo aufleuchtet – der Film ist eben doch nur ein Werbefilm für das Premium-Produkt Nationalmannschaft, der getarnt als Dokumentation daherkommt. Vielleicht wäre der Film sogar gut geworden, wenn er von einem gelernten Regisseur, und nicht von irgendeinem Medien-Fuzzi des DFB gedreht worden wäre. Sei’s drum.

 

Geld würde ich für den Film nicht ausgeben, aber wer die FIFA-WM noch einmal erleben will, dem bietet Die Mannschaft eine gute Gelegenheit dazu. Und mal ehrlich: spätestens, wenn Bastian Schweinsteiger unter dem Nachthimmel Rios im Maracana in Tränen ausbricht und Philipp Lahm den WM-Pokal im Konfetti-Regen in die Höhe stemmt, dann wird sich sicherlich beim ein oder anderen wieder eine Gänsehaut breit machen – ebenso wie damals am 13. Juli, als Mario Götze uns alle überglücklich gemacht hat.

 

Mibo

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