#87_edge_of_tomorrow

EDGE OF TOMORROW

99 Lives but my Tapedeck‘s gone

 

Wie oft kann man eine Kassette zurückspulen, bevor das Band fatzt? Wie oft kann man ein Level in Super Mario versuchen erfolgreich zu beenden, bevor die Leben ausgehen und der Spieler plötzlich mit dem allerletzten Versuch konfrontiert wird? Diese und ähnliche Fragen, z.B. ob Tom Cruise mit 52 Jahren noch Action-Filme drehen sollte, werden im neuen Sci-Fi Blockbuster Edge of Tomorrow beantwortet. Oder?

 

Der Film ist eine leicht abgeänderte Version der Manga/Buchvorlage „All you need is kill“ des japanischen Schriftstellers Hiroshi Sakurazaka. An dem Drehbuch (welches anscheinend durch mehrere Hollywood-Hände gereicht wurde, bevor sich jemand an die Umsetzung heranwagte) des Films arbeiteten mehrere talentierte Autoren, darunter Alex Kurtzman, Roberto Orci (Star Trek, Mission: Impossible III) und Christopher McQuarrie (Die üblichen Verdächtigen). Auch der Regisseur Doug Liman ist bekannt für mehr oder weniger gute Produktionen (Die Bourne Reihe, Mr. & Mrs. Smith, Jumper).

 

Unser blauer Planet in nicht allzu ferner Zukunft: Eine außerirdische Lebensform, die sogenannten „Mimics“, überfallen die Erde. Diese Viecher sind ziemlich krass. So krass, dass wir Menschen gezwungen sind unsere letzten Reserven zu mobilisieren. Wir pfeifen und ballern aus dem letzten Loch. Selbst ungelernte Soldaten müssen auf’s Schlachtfeld. Darunter auch Major William Cage (Tom Cruise), der schnell realisiert, dass auch er nur als Kanonenfutter herhalten wird. Da wir uns (zumeist) als spoilerfreie Seite bezeichnen, sollten euch diese Informationen erst mal genügen.

 

Freunde ich war skeptisch! Sehr sogar. Die ersten Trailer sahen extrem nach Mainstream-Hollywood aus. Aliens, Explosionen und Tom Cruise. Ohje. Als dann immer häufiger gute Kritiken der Weltpresse durchs Netz hüpften, wurde ich neugierig: Kino-Time! Hier sechs Gründe, warum aus Edge of Tomorrow ein guter Film wurde.

 

01. Die Geschichte. Die durchaus fesselnde Story ist für einen ehrlichen Action-Blockbuster, der in erster Linie unterhalten will, weit über dem Durchschnitt. Selbst das Ende des Films ist für eine 175 Millionen Dollar Produktion (wo man sich im Normalfall heutzutage immer an den Kopf fassen muss) noch recht erträglich. Es tut gut zu sehen, dass die Macher uns zur Abwechslung mal nicht für geistesschwache Idioten halten.

 

02. Die Vorlage. Sieht man vom oft verwendeten Zeitreise-Thema mal ab, ist das Drehbuch aller gelungenen Ballerei zum Trotz, die große Stärke. Mit erstaunlich gutem Timing wird grandios erzählt! Die Jungs wissen genau, wie lange sie Tom durch die Zeitschleife laufen lassen können, bevor wir als Zuschauer gedanklich aussteigen. Gefühlt immer im richtigen Moment entwickeln sie die Szenen weiter und füttern unseren Wissensdurst mit neuen Strategien und Erkenntnissen.

 

03. Die Gags. Der sorgfältig dosierte, ab und an schwarze Humor, mit dem der Streifen eine wohltuende Distanz zu sich selbst gewinnt, hatte ich so nicht erwartet. Besonders die regelmäßigen Zeitreisen des Helden und seine damit begründete Allwissenheit schaffen immer wieder gelungene Lacher, die jedoch niemals den Ernst der Lage infrage stellen würden.

 

04. Die Action. Insbesondere mit den „Mittendrin-statt-nur-dabei“ Gefechtsszenen raubt uns Doug Liman den Atem. Schnelle Schnitte, eine wackelnde Handkamera und spektakuläre Schwert- und Schuss-Aktionen gepaart mit smoothen Bewegungsabläufen der Darsteller machen daraus eine runde Sache. Dazu kommt, dass man sich den Krieg in naher Zukunft genau so vorstellt, wie er hier präsentiert wird. Diese Kampfanzüge sind einfach geil umgesetzt. (Danke James Cameron, Danke Alien II.)

 

05. Die Aliens. Das entmenschlichte Aussehen, die Körperform, das Verhalten. Klischees werden hier mit Füßen getreten. Sie schälen sich aus dem Boden, sie wirbeln und schmettern umher. Sie bewegen sich blitzschnell – in konstantem Fluss und ziehen ihre Kraft in erster Linie daraus, dass sie sich der Wahrnehmung, Vorstellung und damit der Einstufung des Menschen entziehen. Ihre Bedrohlichkeit wurzelt in ihrer Unberechenbarkeit.

 

06. Die Hauptdarsteller. Die Stichworte lauten: Harmonie und Sympathie. Die Art und Weise wie Tom Cruise und Emily Blunt sich auf der Leinwand gegenseitig ergänzen, ist verblüffend und zugleich unglaublich charismatisch. Ich habe das Schauspiel der beiden mit Freude und Begeisterung verfolgt. Die Blicke, die Beziehung, die kleinen gemeinsamen Erlebnisse – hier hätte durchaus noch etwas mehr herausgeholt werden können. Aber auch so: chapeau!

 

Fazit: Viel besser als erwartet. Noch schnell reingehen oder Ende Oktober die Blu-ray anschauen. Aber hallo!

 

Flo

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