end of watch

END OF WATCH

Kartellkriege in Kendrick Lamars Vorgarten

 

Leben und sterben in Los Angeles. Tupac bringt es auf den Punkt. Mit diesem kurzen Satz könnte man End of Watch beschreiben. Regie und Drehbuch gehen auf die Kappe von David Ayer, der sich im Street Cop-Genre bestens auskennt (u.a. Drehbuch für S.W.A.T. und Training Day). Dieses mal liegt der Schwerpunkt jedoch nicht auf Korruption, eher geht es um Werte wie Aufopferungsbereitschaft, Brüderlichkeit oder familiären Zusammenhalt.

 

Die engen Freunde Brian Taylor (Jake Gyllenhaal) und Mike Zavala (Michael Peña) sind Streifenpolizisten im wohl gefährlichsten Bezirk der Millionenstadt Los Angeles: South Central. Ihrer guten Arbeit geschuldet, versinkt das Team allmählich immer tiefer im Sumpf und Morast der Drogenkartelle. Und wir als Zuschauer fühlen uns wie damals beim DSF: Mittendrin statt nur dabei!

 

Da 3Filmnerds.de größtenteils ein Spoilerfreier-Blog bleiben soll, will ich an dieser Stelle auch gar nicht mehr auf die Geschichte eingehen. Nur soviel sei gesagt: Wer sich diesen Film in deutscher Sprachausgabe anschaut, kann es auch gleich bleiben lassen. O-Ton Pflicht! Wie soll ein deutscher Synchronsprecher, einen von Kopf bis Fuß tätowierten Latino-Gang Anführer und dessen mexikanischen Ghetto-Slang auch nur halbwegs glaubhaft rüberbringen? Genau, gar nicht. Jan z.B., wird in Schweden kopfschüttelnd ausgelacht, wenn er versucht zu erklären warum wir in Deutschland Filme synchronisieren. Zurecht. Also: OmU oder abschalten.

 

Zurück zum Film. Dass End of Watch vor lauter Authentizität nur so strotzt, liegt nicht nur an der Found-Footage-Handkameraführung, der eingesetzten Camcorder oder der oft verwendeten Sicht aus der Egoperspektive. Regisseur Ayer, lebte selbst mehrere Jahre in der Stadt der Engel. Er kennt die Gegend und drehte größtenteils an Originalschauplätzen. Dazu kommt die Glaubhaftigkeit unserer Hauptprotagonisten, was nicht zuletzt an der intensiven Vorbereitung liegen dürfte. Die Beiden verbrachten mehrere Monate als Beifahrer in Streifenwagen, hatten Kampfsport- und Schusswaffentraining, was sich eindeutig bemerkbar macht. Das Duo glänzt mit einer derartigen, ich nenn es mal „smoothen Abgezocktheit“, dass man oft nicht weiß, ob es sich hier um einen Film oder eine Doku handelt. Auch abseits der Action, wirkt der Streifen sehr real. Diese sympathische „Echtheit“ fesselt und macht Spaß! Die Nebendarsteller in diesem Film sind grandios und fügen sich nahtlos in die Geschichte mit ein.

 

Ein kleiner Wermutstropfen fließt trotzdem (als Tränen-Tattoo getarnt) die braune Latino Backe entlang. Den Gangmitgliedern werden keine Geschichten oder Hintergrundinformationen zugeteilt, die ihnen über ihre Funktion als „Bösewichte“ auch eine Persönlichkeit verleihen könnten. Sie bleiben unberechenbare, aber dennoch blasse Antagonisten der Super-Cops. Was aber nicht heißen soll, dass End of Watch eine Glorifizierung amerikanischer Helden ist. Im Verlauf der Handlung hat mich eher die Aufteilung der imaginären Kapitel gestört. Teilweise wirkt es wie ein Videospiel mit verschiedenen Etappen, Fundorten und Zwischengegnern, bevor dann am Ende der obligatorische Endboss dasteht. Aber das ist jammern auf wirklich hohem Niveau. Ich hatte keine großen Erwartungen und wurde bestens unterhalten. Hart und schnell. Witzig und traurig. Vor allem aber glaubhaft und spannend bis zum Schluss. Anders gesagt: Der Film ist smarter und reifer als sein Klischee-Kinoplakat.

 

Flo

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