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EVIL DEAD

Hail to the King

 

Für Horrorfans ist Sam Raimis The Evil Dead (1981) ein Meilenstein. Als Tanz der Teufel in Deutschland erschienen, erfuhr der Film Zensur und Beschlagnahmung, was seinem legendären Ruf nur dienlich war.

 

2009 stellte Fede Alvarez den Kurzfilm Panic Attack auf Youtube. Millionen begeisterten sich für die CGI-Zerstörung Montevideos – unter ihnen kein Geringerer als Sam Raimi. Er erkannte in dem Uruguayer den Regisseur für eine Neuauflage seines berüchtigten The Evil Dead und ermöglichte ihm damit sein Langfilmdebüt. Nach meinem Kinobesuch war klar: Der Meister lag mit seiner Einschätzung richtig.

 

Eine fünfköpfige Clique will das Wochenende in einer entlegenen Waldhütte verbringen, um ihrer Freundin Mia (Jane Levy) beim kalten Entzug beizustehen. Als die jungen Leute den Geruch von Verwesung in der Nase haben, folgen sie der Pest und entdecken eine rätselhafte Bodenklappe. Hinter ihr verbirgt sich ein Raum voller Tierkadaver, der das Buch der Toten, das Necronomicon, beherbergt. Von Neugier getrieben, werden – allen Warnungen zum Trotz – Verse gelesen, die archaische Mächte entfesseln. So kann Mias verändertes Verhalten schnell nicht mehr als das eines lechzenden Drogenzombies abgetan werden…

 

„Der schockierendste Film, den du jemals sehen wirst“ steht auf dem Filmplakat und verweist augenzwinkernd auf die trashig-charmante Horrorästhetik der 80er. Dieses Augenzwinkern kommt beim neuen Evil Dead jedoch deutlich seltener vor als beim Original. Wenn in Alvarez´ Wäldern gelacht wird, dann meist auf Grund der maßlosen Gewaltausbrüche in der zweiten Filmhälfte. Die Neuverfilmung hat ihren eigenen, weniger verspielten Stil, der ohne überspitzte Nostalgie auskommt. Mit perfektem Sounddesign und  Hochglanz-Optik ist Evil Dead (2013) der Gegenentwurf zur Welle gewollt ranziger Exploitation-Remakes der letzten Jahre.

 

Die Drogensucht der Heldin sticht als eine der Ergänzungen, die Alvarez an der Geschichte vornahm, besonders hervor. Was, gerade im Blick auf die sensible Fanbase, riskant erscheint, funktioniert nicht nur erzählerisch. Auch lassen sich metaphorische Ebenen erahnen, die den Film in drückende Tiefen stoßen. Denn Mias Kampf gegen die dunkle Macht ist auch ein Kampf gegen die eigenen Dämonen. So liegt im Gang durch Höllenfeuer auch immer die Chance der Katharsis.

 

Evil Dead (2013) wird alte Fans begeistern, neue gewinnen und ist damit ein Remake, wie es sein sollte. Bereits 2015 erscheint Evil Dead 2 und eine Fortsetzung der alten Trilogie, unter Mitwirkung Raimis, ist auch geplant. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, würden die beiden Filme nach Alvarez´ Einstand enttäuschen.

 

Euer Professor Horribilus

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