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EX MACHINA

Suff und Sex und frische Luft

 

Was macht den Mensch zum Mensch? Die Fähigkeit zu lieben, zu träumen, zu (mitzu-)fühlen? Ist künstlerisches Schaffen, die Möglichkeit zu kreieren, es fast einem Gott gleich zu tun, der Kern seines Seins? Um diese Frage strikt Alex Garland das Setting für den wahrscheinlich besten Sci-Fi-Thriller des vergangenen Jahres: Ex machina.

 

Der junge Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson) kann sein Glück kaum fassen, als er ausgelost wird, den Gründer seiner Firma auf dessen Landsitz zu besuchen. Nathan (Oscar Isaac), das öffentlichkeitsscheue Genie hinter der Firma, lebt abgeschieden in einem High-Tech-Bungalow in den Bergen Alaskas, wo er sich der Entwicklung künstlicher Intelligenz verschrieben hat. Caleb soll ihm eine Woche Gesellschaft leisten und dabei mit Nathans neuster Entwicklung – dem verblüffend menschlich wirkenden Roboter Ava (Alicia Vikander) – den Turing-Test durchführen. Während Caleb und Ava schnell zueinander finden, wird der von Anfang an undurchsichtige Nathan immer rätselhafter.

 

Mit einem Budget von vergleichsweise bescheidenen elf Millionen Dollar war klar, dass der Film nicht die großen Stars anlocken würde. Aber das tut der Qualität keinen Abbruch – ganz im Gegenteil. Aus seinen kleinen Möglichkeiten macht der Film wortwörtlich das Beste. Das minimalistisches Setting der futuristischen Behausung, gegen das sich die faszinierenden Roboter abheben, wie das was sie tatsächlich (heute noch) sind: Wesen aus einer fernen Zukunft, steht in einem krassen Kontrast. Durch die starke Reduktion und den Verzicht auf Effekte schafft es der Film den Fokus auf das Wesentliche zu lenken. Was unterscheidet Mensch und Maschine? Wie menschlich kann eine Maschine sein – und damit verknüpft, die eingangs gestellte Frage: Was macht den Mensch überhaupt zum Menschen? Und darf er Gott spielen? Die Antworten darauf versucht der Film zu geben und geht dabei ganz und gar nicht zimperlich mit dem Betrachter um.

 

Regisseur Garland, der sich bereits mit seinem Remake Dredd und dem apokalyptischen Szenario in 28 Days Later im Si-Fi-Genre bewegte, beweist mit Ex machina, das am Spruch: Weniger ist manchmal mehr, tatsächlich was dran ist. In größtenteils kargen, und vermeintlich leblosen Umgebung erschafft er mit seinem beängstigenden und zugleich faszinierenden Gedankenspiel eine Atmosphäre, die kaum zu greifen ist. Mal bedrohlich, mal surreal, mal komisch. Dem Film kommt dabei zu Gute, dass die visionäre Schöpfung seiner Roboter und die Idee dahinter nicht völlig aus der Luft gegriffen scheint, sondern durchaus plausibel erklärt wird.

 

Auch das bis zum Schluss ungeklärte Verhältnis der drei Protagonisten zahlt auf das Gefühl der Unsicherheit, die sich beim Zuschauer bereits nach kurzer Zeit bahnbricht mit ein. Während Mastermind Natahan und K.I. Ava als gleichwertige Partner (bzw. Gegner) erscheinen, weiß der unerfahrene Caleb kaum wie ihm geschieht. Neben den unterschwelligen sexuellen Spannungen zwischen den dreien – ja auch dieses Thema wird nicht ausgespart, schließlich verpackt Nathan seine künstliche Intelligenz ganz bewusst in weiblichen Formen – wird die Situation durch die stumme Dienerin Kyoko noch verworrener. Sonoya Mizuno macht aus ihrer sprechfreien Rolle sehr viel und wird schließlich zu einem entscheidenden Element der Geschichte, die letztlich von der großartigen Leistung der vier Schauspieler und deren Psycho-Duellen lebt.

 

Eigentlich hätte Ex machina schon viel früher eine Rezension auf 3filmnerds verdient gehabt. Im Kino wird er nicht mehr zu sehen sein. Deshalb: sucht euch den größten Fernseher, den ihr finden könnt, lasst den Rollladen runter – viel Spaß!

 

Mibo

 

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