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Mickey Mouse und seine Leibwächter

 

Kunst ist Scheiße! Nein, wirklich. Im Mai 1961 kackte der italienische Künstler Piero Manzoni jeweils 30 Gramm in insgesamt 90 Dosen – hierzu erst einmal meinen herzlichen Glückwunsch.

Noch ein Etikett mit der Aufschrift: Artist‘s Shit/Contents 30 gr net/Freshly preserved/Produced and tinned/in May 1961 und fertig ist die – naja, nennen wir die Sache doch beim Namen: Scheiße. Wenn ihr jetzt denkt, dass das schon ziemlich krank ist, dann werdet ihr gleich Augen machen. 2007 war eine Person, die wir aus Respekt Kunstliebhaber nennen, dazu bereit, für solch eine Dose mit den Ausscheidungen des Italieners 124.000 Euro zu bezahlen. Meine zu Beginn aufgestellte These ist also gar nicht so weit hergeholt.

 

Heutzutage kann sich jeder „Künstler“ nennen. Das ist einfach so. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Franzose Thierry Guetta, der seine Kunst unter dem Pseudonym Mr.Brainwash vermarktet. Und der Typ, soviel sei gesagt, wird euch gründlich den Kopf waschen. Eigentlich war Thierry nur ein Typ, der so gut wie alles in seinem Leben filmte. Ohne Zusammenhang, ohne Sinn. Zufälligerweise schlittert der kleine Franzmann dann aber in die Streetart-Szene und die Straßenkunst ist fortan Thierrys einziges filmisches Objekt. Natürlich wird Thierry auch auf den Streetart-Künstler schlechthin aufmerksam – Banksy. Als sich der Brite, dessen Kunst mittlerweile auch kommerziell vermarket wird und nicht mehr nur auf den Straßen zu finden ist, und der Franzose endlich treffen, schlägt dieser ihm vor einen Film über Streetart zu drehen…

 

Im Endeffekt hat es der Franzose irgendwie doch nicht hinbekommen und Banksy hat sich der ganzen Scheiße – das Wort wurde hier jetzt schon so oft verwendet, dass ein weiteres Mal auch nicht schadet – angenommen. Der Brite dreht den Spieß aber einfach um und stellt den eigentlichen Regisseur Thierry Guetta in den Mittelpunkt des Geschehens. Dabei folgt Banksy keiner geordneten Dramaturgie, sondern wechselt Protagonisten und Schauplätze scheinbar ohne wirklichen Plan. Um den 87-minütigen Film zu drehen mussten sich die Cutter durch mehr als 10.000 Stunden Material von Thierry Guetta arbeiten.

 

Dem aus Bristol stammenden Banksy, über den so gut wie nichts bekannt ist, und der im Film zwar in Erscheinung tritt, jedoch nicht ohne die nötigen Vorkehrungen zur Verschleierung zu treffen, ist schlussendlich eine Dokumentation der Extra-Klasse gelungen. Einerseits erhält der Zuschauer interessante Einblicke in die Welt der Street-Artists, die sich gewissermaßen in einer Grauzone bewegen und deren Kunst oft nur für wenige Stunden für die Öffentlichkeit zu sehen ist. Auf der anderen Seite wird man das Gefühl nicht los, dass Banksy sich offensichtlich über die ganze Kunstwelt, insbesondere über die kommerzielle Vermarktung von Streetart, lustig macht und der Film im Endeffekt eine Mockumentary ist.

 

Ob die Kunstszene, insbesondere das Handeln mit Kunst, die eigentlich auf die Straße gehört und für jeden sichtbar sein sollte, ein Witz ist, muss letztlich jeder selbst entscheiden. Hätte Piero Manzoni 2007, als sein Exkremente für horrende Preise versteigert wurden, noch gelebt, hätte er sich wahrscheinlich auch an die Stirn getippt.

 

Wie der frühere Sprecher von Banksy, Steve Lazarides so schön im Film sagt: „I think the joke is on… I don‘t know who the joke is on, really. I don‘t even know if there is a joke“. Für Kunstliebhaber, Graffiti-Sprüher, Schablonen-Schneider, Bleistift-Zeichner, Fans von Dokumentationen und für alle, die einfach mal eine Runde über einen kleinen Franzosen und dessen schlechtes Englisch lachen wollen, ein Muss!

 

Mibo

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