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FILTH

Das letzte Arschloch von Schottland

 

Steckt nicht in jedem von uns ein Schwein? Machmal würde man doch gerne gegen jede gesellschaftliche Regel schwimmen. Einfach mal der Wichser in der Runde sein. Ich bin der festen Überzeugung dieses Gefühl steckt in fast jedem Gutbürger da draussen. Manche leben es sogar aus. Aber nur wenige.

 

Bruce Robertson tut das. Und als Sahnehaube auf den Haufen Scheiße, den dieses Arschloch seine Lebensweise schimpft, ist er auch noch Polizist. Ein gar nicht so schlecht angesehener dazu. Obwohl er Drogen nimmt, psychisch labil ist, Frauen belästigt und sich einfach wie eine Drecksau (so der deutsche Titel) aufführt. Sein höchstes Ziel ist es befördert zu werden, allerdings ist es ihm wichtiger seine Kollegen, und damit Konkurrenten, schlecht aussehen zu lassen, als selbst einfach richtig gute Arbeit zu leisten.

Als dann ein tödlicher Übergriff einer Jugendgang auf einen japanischen Gaststudenten geschieht, ist es Robertsons Chance mit einem schnellen Erfolg seinen beruflichen Aufstieg zu sichern. Jedoch setzt ihm die Arbeit sichtlich zu und sein psychischer Zustand geht mehr und mehr den Bach runter.

 

Filth ist eine weitere Romanverfilmung nach einer Vorlage von Irvine Welsh, der schon geistiger Vater von Trainspotting war. Wer Trainspotting gesehen hat, kann nun einschätzen, was ihn ein wenig erwartet: Grenzen zwischen Realität und Einbildung verschwimmen und manche Erzählstrang wirkt einfach nur etwas verstörend. Dennoch ist Regisseur Jon S. Baird hier wirklich gute Arbeit gelungen. Der Film ist schräg, aber durch gute schauspielerische Leistungen zu jedem Punkt greifbar. Außerdem schafft es die Geschichte die ein oder andere Überraschung mit sich zu bringen. Unter den Schauspielern gilt das Lob speziell James McAvoy. Der Schotte zeigt, welche Bandbreite er spielen kann. Wurde er in Vergangenheit öfter als der Milchbubi gecastet, wie in X-Men oder der letzte König von Schottland, so ist er in Filth ein absolut glaubwürdiges Arschloch.

 

Von mir gibt es hier eine eindeutige Empfehlung für den Film. Wer allerdings den Trailer gesehen hat und reinen, mit dreckigen Sprüchen und vulgärem Verhalten auf die Spitze getriebenen, Humor erwartet, könnte enttäuscht werden. Ja, Filth hat viele dieser Momente, doch auch viele andere Ebenen, die nicht immer zum Lachen sind.

 

Jan

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