frances ha

FRANCES HA

Lebenserwartung

 

Erwachsen werden ist nicht immer leicht. Vor allem, wann ist man eigentlich erwachsen? Muss man heiraten, Kinder kriegen, einen festen Job oder gar einen Bausparvertrag haben? Wie viele Mittzwanziger trifft man, die irgendwie noch Kinder sind? Genau um diese Fragen geht es in Frances Ha.

 

Frances lebt mit ihrer besten Freundin Sophie zusammen in New York. Sie tanzt als Auszubildende in einer Kompanie und träumt von der großen Karriere als Tänzerin und Choreographin. Die restliche Zeit verbringt sie fast ausschließlich mit Sophie. Die beiden sehen sich selbst als „lesbisches Ehepaar, das schon lange keinen Sex mehr hat“. Für Frances könnte ihr Leben ewig so weiter gehen. Als Sophie ihr allerdings eröffnet, dass sie ausziehen wird und zudem auch noch eine ernsthafte Beziehung mit einem wohlhabenden Mann führt, entfernen sich die Freundinnen prompt voneinander. Frances, die dank ihrer Träume und wenig Arbeit durchweg pleite ist, kann die Wohnung alleine nicht halten und zieht von nun an von  einem entfernten Bekannten zum nächsten. Richtige Freunde außer Sophie scheint sie kaum zu haben.

 

Frances sträubt sich so vehement gegen Veränderung und Kompromisse, dass man während des kompletten Film das Gefühl der Fremdscham (mein Nebensitzer schlug sich mehrfach entsetzt die Hände vors Gesicht) kaum noch los wird. Während man über die Situationen lachen muss, empfindet man gleichzeitig schon fast Mitleid mit allen Anwesenden, doch Frances scheint die Einzige zu sein, die nicht am liebsten im Boden versinken möchte. Ihre naive Art gepaart mit ihrem Lebensstil lässt sie alt, aber dennoch nicht erwachsen erscheinen, wie es ein Mädchen bei der ersten Begegnung mit Frances sehr ehrlich beschreibt.

 

Insgesamt ist der Film ein wunderbares Porträt einer Frauenfreundschaft (worin sich bestimmt die Eine oder Andere teilweise wiedererkennen wird). Dabei werden, neben den oben genannten, auch allgemeine Fragen der Freundschaft aufgeworfen: Was hält eine Freundschaft aus? Wie unterschiedlich kann man sich entwickeln und trotzdem befreundet bleiben?

 

Die Rolle der Frances wird verkörpert von Greta Gerwig, die bereits aus dem Film „Greenberg“ bekannt ist. Diese Rolle passt hervorragend auf die Schauspielerin, da sie die Fähigkeit besitzt außergewöhnliche Persönlichkeiten besonders gut darstellen zu können. Das schlüpfen in den Charakter dürfte ihr der Umstand erleichtert haben, dass sie das Drehbuch mitgeschrieben hat und zwar gemeinsam mit ihrem Freund Noah Baumbach („Greenberg“), der auch Regie führte.

 

Also alles in allem ein durchaus sehenswerter Film, der je nach Laune einfach nur gute Unterhaltung sein oder auch ernsthaft zum Nachdenken anregen kann. Und sei es nur, ob man nicht vielleicht doch einen Bausparvertrag abschließen sollte.

 

Kata

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