gravity

GRAVITY

Schwarz-blaue Schwerelosigkeit

 

Knisternde Funksprüche durchbrechen die Lautlosigkeit. Wir hören das Surren eines Jetpacks. Weiße Raumanzüge und silbrig schimmernde Oberflächen bewegen sich im Kreis. Die Herzfrequenz scheint unregelmäßig schneller zu werden. Ein und aus. Ein und aus. Das vertraute Mysterium Erde wirkt durch das beschlagene Visier plötzlich eigenartig fremd. Eine Welt, die nach Regeln und Gesetzen funktioniert welche uns, den Bewohnern des Blauen Planeten beinahe unwirklich erscheinen. Der Weltraum. Grenzenlose Weiten.

 

Astronaut Matt Kowalsky (George Clooney) wird ein letztes Mal ins All geschickt, bevor er seinen Ruhestand antritt. Fachlich betreut und begleitet, wird er dabei von der Bio-Medizinerin Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock), die auf dieser Mission ihre erste Erfahrung im Weltraum sammeln soll. Mehr müsst ihr nicht wissen.

 

Ich sage es oft, aber hier gibt es keine andere Wahl. Gravity MUSS (!!) man im Kino gesehen haben. Nur auf großer Leinwand vollständig funktionsfähig. Und auch die Tatsache, dass dieser Film in wirklichem 3D gedreht wurde, ist hier absolut notwendig. Sogar ich, als 3D-Hasser, gebe den Brillen dieses Mal den Zuspruch. Das „Erlebnis“ Gravity in 2D, ist selbst auf großformatigen Fernsehgeräten oder heimischen Projektorleinwänden schlichtweg nicht vorstellbar.

 

Dass ein Typ, der vor zehn Jahren den dritten Harry Potter gedreht hat, nun so einen Film vom Stapel lässt, hätte wahrscheinlich keiner für Möglich gehalten. Ein Geniestreich, erfüllt und getrieben von diesem speziellen, ich nenne es mal „visuellem Ehrgeiz“, wie ich ihn lange nicht mehr gesehen habe. Genauso muss der Weltraum aussehen. Green- oder Bluescreen? Niemals. Ich wette die Dreharbeiten fanden dort oben statt. Es sieht einfach zu perfekt aus. Die frei umherschwebende Kamera, unterstützt von makelloser Computertechnik lädt zum Staunen ein. Gleichzeitig sorgt die unmittelbare Intensität für Spannung, die an die Nieren geht. Alfonso Cuarón spielt mit unseren Urängsten. Ertrinken, Ersticken, Verbrennen. Ganz oben aber steht die Einsamkeit. Filmisch so graziös und liebevoll dargestellt drängen sich die staubigen und gruseligen Gewissheiten immer mehr ins Gedächtnis des Zuschauers. Das Gefühl der hundertprozentigen Konzentration, das Mitfiebern, das Leiden. All das funktioniert hervorragend.

 

Leute nehmt euch die Zeit. Gravitiy ist eine außergewöhnliche filmische Erfahrung und ein Meisterwerk des digitalen Filmemachens. Visuell und vor allem auditiv wahrscheinlich in den Top 3 der letzten Jahre. Die Story und deren Dialoge reißen jetzt nicht unbedingt vom Hocker. Und ein, zwei langatmige Szenen sind bestimmt auch dabei. Aber normalerweise sind simple Handlungen vor computergeneriertem Hintergrund auch eher schwache Filme. Hier trifft zum Glück das Gegenteil ein. Augen aufreißen und staunen! Die Darstellung der Schwerelosigkeit, die magische Anziehungskraft des Weltalls und die am Ende eben doch mitreißende Geschichte. Mehr darf und braucht man vom heutigen Kino nicht erwarten und all das gibt uns Gravity.

 

Eines noch am Rande: Kinobesucher welche Sci-Fi-Abenteuer ohne eine „böse künstliche Intelligenz“ als lahm empfinden sind hier leider fehl am Platz. Es geht ziemlich realistisch zur Sache.

 

Flo

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