i saw the devil

I SAW THE DEVIL

Die Banalität des Bösen

 

Die Vorstellungen des Teufels variieren von Kultur zu Kultur, von Zeit zu Zeit. Allen Vor- und Darstellungen gemeinsam ist der Teufel als Antithese zum Menschlichen und seinem göttlichen Abglanz. Gerade die Kunst hat das Teuflische immer wieder für sich entdeckt und die Faszination des absolut Bösen fruchtbar zu nutzen gewusst- so auch der Film.

 

In zahlreichen Produktionen wurde sich mit dem Leibhaftigen auseinandergesetzt, was eine ganze Palette verschiedener Teufel über die Leinwände tanzen ließ. Während der Beelzebub in Constantine (2005) als smarter Anzugträger in zynischem Weiß den Charme des Bösen versprühte, wütete er in Spawn (1997) als zotteliges Biest mit Riesenklauen auf seinem Höllenthron. Auch I Saw The Devil (2010) entwirft  seinen Teufel- jedoch weit weltlicher.

 

Der Geheimagent Soo-Hyun (Kim In-seo) beantragt zwei Wochen Urlaub, um auf Menschenjagd zu gehen. Die lockende Trophäe stellt der Kopf des Mannes, der seine Frau auf sadistische Weise ermordet hat. Erstaunlich einfach wird das Monster aufgespürt und erstaunlich ist auch, wie banal das Böse in I Saw The Devil seine Form gefunden hat. Und doch ist Soo-Hyun bei der ersten Begegnung mit  dem Verlierertypen Kyung Chul (Choi Min-Sik) sofort klar: „Ich hab´ den Teufel gesehen“. Aus seinen Augen blickt ihn der entmenschlichte Nihilismus an, das absolute Böse, dessen einziges Motiv das Böse selbst ist. Als Soo-Hyun Kyung überwältigt hat, pflanzt er ihm einen Mikrochip ein und lässt ihn entkommen – der Beginn eines ungeheuren Vergeltungsplans. Doch der Rächer unterschätzt seinen Gegenspieler und übersieht, wie er sich diesem immer weiter annähert.

 

Wenn ich an den koreanischen Film denke, fallen mir zunächst einmal die berühmt berüchtigten Rachefilme ein. Besonders die Trilogie des Regisseurs Park Chan-Wook, die mit Sympathy for Mr. Vengeance (2002) startet und mit Lady Veangance (2005) schließt, sticht hier heraus. Den zweiten Film Oldboy (2003) dürften einige kennen, da dieser internationale Anerkennung erlangte und mittlerweile zum Kultfilm avanciert ist. Wie schon dort, erbringt Choi Min-Sik auch in I Saw the Devil eine großartige schauspielerische Leistung und passt perfekt in die Rolle des personifizierten Bösen. Er weiß sein außergewöhnliches Gesicht gut einzusetzen und zieht starke negative Emotionen des Publikums auf sich. Choi Min-Sik schafft das so gut, dass die Rachefilmassoziation hinsichtlich Koreas in Zukunft um die eines herausragenden Schauspielers ergänzt werden darf.  So greift der Film von der Leinwand auf den Zuschauer über und wie Soo-Hyun wird er vom Sog der Gewalt und Boshaftigkeit erfasst, wenn er sich, auf Grund der Schmerzen, die das Scheusal erfährt, beim gönnerhaften Grinsen ertappt.

 

I Saw The Devil ist spannend, hart und verbindet Zutaten westlicher Killerfilme gekonnt mit der Kompromisslosigkeit koreanischer Rachefilme, woraus  Einzigartigkeit entsteht. Diese Einzigartigkeit wird auch in der storybedingten Erzählstruktur deutlich. Während andere Filme auf einen einzigen dramaturgischen Höhepunkt zulaufen, ist jede Begegnung der beiden Antagonisten ein solcher. Diese Showdowns bündeln sich schließlich in einem grandiosen Finale.

 

Wer an einer hemmungslosen Rachefantasie teilhaben möchte, die nervenaufreibende Spannung sucht und einen toleranten Magen mitbringt, sollte sich I Saw The Devil unbedingt anschauen. Gemütliche Horrorfans sollten jedoch beachten, dass der Film in der empfehlenswerten Uncut-Fassung eine Beschlagnahmung zu fürchten hat und sich mit dem Kauf beeilen.

 

Euer Professor Horribilus

Top