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KINGSMAN: THE SECRET SERVICE

Wenn mein Mops nicht hüpfen mag

 

Weiß James Bond, wie lächerlich er manchmal daherkommt? Weiß Ethan Hunt , wie unrealistisch die Manöver sind, mit denen er sich auch aus den brenzligsten Situationen befreit? Wahrscheinlich nicht. Viel wichtiger ist allerdings die Frage: weiß das Publikum eigentlich, wie sehr es an der Nase herumgeführt wird? Nein, so funktioniert das nicht mit dem Flugzeug und dem Typ, der da an der Tragfläche hängt. Ja, ich bin da ziemlich sicher.

 

Kingsman: The Secret Service, weiß das auch. Und deshalb haut er mal ordentlich drauf, auf alle Agentenfilme, die in den letzten sagen wir 70 Jahren so über die Kinoleinwände flimmerten. Jeder, der einen ernstzunehmenden Spionage-Thriller – sofern man bei Kingsman von „ernstzunehmend“ sprechen kann – erwartet, der wird herbe enttäuscht werden. Dabei hat der Film von Regisseur Matthew Vaughn eigentlich all das zu bieten, was ein Millionen-Publikum dieses Genres ins Kino lockt: schöne Frauen mit Kurven und Charme, smarte Typen mit coolen Sprüchen und Moves, große Kanonen mit ordentlich Wums und krasse Karren mit ordentlich PS. Obendrein gibt’s einen exzentrischen Bösewicht mit komischer Macke. Ebenso wie Blofeld seine Katze hat, LeShiffre sein blutendes Auge und Franz Oberhauser – so heißt die Figur, die Christoph Waltz im neuen Spectre spielt … Ach egal, der hatte eh nichts Cooles. Obendrein trumpft der Film mit der wahrscheinlich absurdesten Idee die Welt zugrunde zu richten auf.

 

Kingsman verpackt dies alles so gut, dass es zuweilen schwierig ist, überhaupt zu erkennen, dass es sich um eine Persiflage auf das komplette Agenten-Genre handelt. Auch mit Gewalt spart der Film nicht. Die Brutalität geht sogar so weit, dass sich der Zuschauer das ein oder andere Mal angewidert fragt: Warum zum Teufel habt ihr das gemacht?

 

Die etwas mehr als zwei Stunden vergehen wie im Flug. Auch, weil die großartigen Schauspieler (unter anderem Oscar-Gewinner Collin Firth) ihr ganzes Können aufbieten und Tom Cruise und Co. locker in den Schatten stellen. Kamera und Schnitt brauchen sich vor den Vorbildern ebenfalls nicht zu verstecken. Und so zeigt sich: Auch wenn ein Genre auf die Schippe genommen wird, ist die Persiflage keineswegs qualitativ schlechter. Dieses Fazit dürfte auch der Zuschauer – egal wie auf den Kopf gefallen – ziehen. Denn Kingsman macht einfach einen Heidenspaß.

 

Mibo

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