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Listen to Me Marlon

Hör gut zu

 

Eine Dokumentation über Marlon Brando? Altbackener Mist für die Großmutter? Mitnichten. Ich habe keinerlei Beziehung zu Marlon Brando, nur ein paar Filme mit ihm gesehen. Vito Corleone, Colonel Kurtz, das wars. Warum lässt mich Listen to Me Marlon noch Tage danach an Brando denken? Seiner Stimme wegen.

 

Besagter Schauspieler sprach zeitlebens gerne auf ein Tonband. Welch göttliche Fügung! Diese Dokumentation braucht keinen fremden Sprecher, der Sprecher IST Marlon Brando. Seine Stimme ist nicht geschliffen, teilweise schwer verständlich, mitunter ermüdend, wiegt unglaublich schwer, von Zeit zu Zeit näselnd, aber besticht mit einer Authentizität, die eine Sucht im Ohr des Hörers entfacht. Brando führt den Zuschauer durch sein Leben, seine „Self-Hypnosis“ glorifiziert nichts, aus seinen Aufzeichnungen dringt Ehrlichkeit. Ganz egal, ob er Francis Ford Coppola als Cocksucker bezeichnet, düstere Erfahrungen aus der Kindheit reflektiert, in tiefer Scham versinkt oder von den schönen Momenten des Lebens erzählt. Zuversicht und Melancholie sind hier zwei Seiten seiner Medaille.

 

Unterlegt ist diese Sinfonie durch biographische Bilder, Interviews und seinen ab und an auftretenden, sprechend animierten 3D-Schädel. Nach 103 Minuten Zuhören von Listen to Me Marlon entsteht so ein bewegendes, facettenreiches Leben vor den Augen und besonders im Gehörgang, das ich uneingeschränkt empfehlen kann.

 

Mr. Adam

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