looper

LOOPER

Ursache und Wirkung

 

Achtet nicht auf das Plakat. Vergesst den Trailer. Dieser Film ist das genaue Gegenteil. Dieser Film ist Anti-Hollywood. Und genau deswegen lohnt es sich ihn anzuschauen. Hier eine kleine Gebrauchsanweisung um diesen speziellen Action | Crime | Sci-Fi-Streifen zu genießen.

Zuallererst, wäre es es von Vorteil, wenn Ihr Eure Erwartungen bzw. Eure Gewohnheiten wie Ihr Filme schaut vollkommen ablegt. Und wenn ich vollkommen sage, heißt dass: Setzt Euch splitternackt in diesen Film. Wenn Ihr dies nicht tut, werdet Ihr wahrscheinlich ziemlich verwirrt und unzufrieden in der Realität wieder aufwachen. Warum? Looper ist anders.

 

Das Jahr 2044: Zeitreisen sind schon bald Realität. Der junge Hitman Joe arbeitet als sogenannter „Looper“. Im Auftrag einer Mafiaorganisation aus der Zukunft tötet er per Zeitsprung entsandte Zielpersonen und lässt diese verschwinden. Mehr müsst Ihr nicht wissen.

 

Rian Johnson (Director und Drehbuchautor) macht keine 08/15 Filme. Wer sich Brick oder Brothers Bloom angesehen hat, wird verstehen. In Looper entwirft er erneut ein sehr cleveres Szenario, welches den Zuschauer während der 119 Minuten mehrfach zum mit- und nachdenken anregt. Man muss dazu sagen, er macht Kunst und keine Massenprodukte. Seine Stärken sind für viele gleichzeitig die Schwächen dieses Films. Das fängt schon beim Look an. Dieser ist dreckig, staubig und für einen Zukunftsfilm extrem nah dran an der heutigen Realität. Visuell wird nicht herumgeprotzt. Keine fancy Raumschiffe oder weiße Hochglanz-Optik. Auch modisch scheint der Film rückwärts abzulaufen. Keine besonderen Outfits, Frisuren oder neuartige Gadgets. Das kann aber auch daran liegen, dass Loopers schmalem 30 Millionen-Dollar-Budget eine weitere 0 am Ende fehlt, untermauert aber nur die Anders- und Eigenartigkeit seines Kunstwerkes, welches sich so bewusst, gegen Weichspül-Optikgeblende, klare Dystopie-Hierarchien und den Gebrauch von Klischee-Gesellschaftskritik entscheidet – und sich stattdessen Zeit nimmt seine Figuren in aller moralischer Komplexität vorzustellen. Eben genau diese Dinge, die man heute als Zuschauer so oft vermisst. Egal, um welches Genre es sich handelt. Und hier schließt sich der Kreis. Die Filmindustrie hat viele Konsumenten mittlerweile so sehr eingelullt, dass sich die Mehrheit daran stört, wenn ein Film vom typischen Spannungsbogen oder Genre-Muster abweicht. Aus dem einfachen Grund, weil wir es nicht mehr gewohnt sind. Und genau dann, trifft das „Problem“ von Looper den Zuschauer mitten in Sein geliebtes Science-Fiction Herz. Er verzichtet im Grunde auf all dass, was wir kennen und lieben gelernt haben. Keine besonders cineastischen, ja fast schon ZDF-Vorabendprogramm wirkende Kameraeinstellungen, eine fast nicht existente Musikuntermalung und eine Dramatik, die nach Belieben kommt und geht. Von wirklich brutalen oder witzigen Momenten hinzu aggressiven, gefühlvollen aber dann doch wieder angespannten Augenblicken ist alles dabei. Weiter in dieses Muster passen auch die Erzählweise, oder der Fakt, wie lange oder eben wie kurz er an einem Schauplatz verweilt. Dabei setzt er z.B. die Möglichkeit der Zeitreisen einfach als gegeben voraus. Weder erklärt er, warum sie möglich sind, noch wie sie funktionieren. Doch genau dieser Stil, und Ihr werdet einige Überraschungen erleben macht Euch darauf gefasst, machen diesen Film so besonders.

 

Hinter dem brillant Aufspielenden Cast, der komplett zu überzeugen vermag verbergen sich u.a. Bruce Willis, Joseph Gordon-Levitt und eine Emily Blunt die mich wirklich positiv überrascht hat. Und achtet mal genau auf die Mimik des jungen Hauptcharakters. Die geschminkte Gesichtsprothese hat mich zwar eher gestört, aber zeigt auch, wie wahnsinnig gut er seinen Kollegen imitieren kann.

 

Trotz der phasenweise schritttempolastigen Erzählung ein bärenstarkes, vielschichtiges und vor allem unvorhersehbares Filmwerk der seltenen Art. Er packt viele Genre-Elemente zusammen und mixt sich daraus sein eigenes, überraschend wundervoll schmeckendes Süppchen. Ich fand‘s richtig lecker. Mir hat nur das Salz gefehlt, aber eben aus dem Grund, weil ich zu sehr an Geschmacksverstärker gewöhnt war.

 

Flo

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