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LUCKY NUMBER SLEVIN

In Kansas City wird geschuffelt

 

Zur falschen Zeit am falschen Ort. Und das gleich mehrere Male – es ist wirklich nicht Slevins Tag. Kaum steigt er in einer fremden Stadt aus dem Zug wird er überfallen, ausgeraubt und verliert obendrein noch seine Identität. Doch damit der unglücklichen Zufälle nicht genug: Weil er sich während der Abwesenheit eines Freundes in dessen Wohnung aufhält, muss er die Zwistigkeiten, die dieser mit einigen zwielichtigen Gestalten hat, ausbaden.

 

Mehr darf man eigentlich nicht verraten. Lucky Number Slevin lebt von seinen zahlreichen Twists und einer Handlung, die immer wieder in neue Richtungen ausschlägt. Der Film von Paul McGuigan ist dabei kein Stück zum Konsum nebenbei. Dem Zuschauer wird es ganz und gar nicht leicht gemacht: Die Handlung wird mit diversen Zeitsprüngen – sowohl vorwärts als auch rückwärts – erzählt. Charaktere treten ebenso schnell auf wie auch wieder ab. Dabei scheint jedoch jede einzelne Person, jedes Puzzleteil für das Gesamtkunstwerk, wichtig zu sein – würde eines fehlen, wäre das Bild nicht komplett. Die Geschichte fordert eine gehörige Portion an Aufmerksamkeit, um die anfangs angerissenen Erzählstränge, die im Nachhinein entwirrt werden, aufzunehmen und später richtig einzuordnen. Wer nicht bei der Sache ist, geht im Wirrwar schnell verloren.  Wer sich aber auf den Film einlässt, dem stehen sehr intelligent gestaltete, überraschend unterhaltsame und insgesamt sehr kurzweilige 110 Minuten ins Haus.

 

Dass die erste Garde Hollywoods mit von der Partie ist, ist bei einem solch gut durchdachten Werk eigentlich kein Wunder: Josh Hartnett ist wohl eher eine der farbloseren Gestalten im großen Schauspiel- Zirkus. Sein gutes Aussehen stand in den Filmen, die er vor Lucky Number Slevin drehte wohl im Vordergrund. Etwas schnöde und langweilig kam der gute Josh bisweilen daher. Dies ist in Lucky Number Slevin nicht mehr der Fall. Endlich darf Hartnett alle Facetten seines Könnens zeigen. Morgan Freeman und Ben Kingsley bekommen herrliche Mono- und Dialoge in den Mund gelegt; Lucy Liu ist süßer als je zuvor und Bruce Willis die Idealbesetzung für den wortkargen und undurchsichtigen Mr. Goodkat. Stanley Tucci, der sicher zu den meistunterschätzten Schauspielern überhaupt gehört, schlüpft in eine seiner zahlreichen zynischen und oft unsympathischen Rollen. Besonders beeindruckend ist die Tatsache, dass sich trotz Starbesetzung, keiner der Charaktere in den Vordergrund drängt. Alle scheinen sich der Handlung unterzuordnen.

 

Dass der Film keine Jugendfreigabe in Deutschland erhalten hat, ist einerseits aufgrund der zahlreichen Toten, die nicht immer ganz angenehm aus dem Leben scheiden, verständlich. Warum sich aber kein Verleih für den Film gefunden hat und er deshalb sicherlich als eine der besten Direct-to-DVD Produktionen aller Zeiten hierzulande gelten kann, weiß ich beim besten Willen nicht zu erklären. Da Lucky Number Slevin wahrscheinlich das verfickt verwirrenste Puzzle der Filmgeschichte ist, darf man ihn auf keinen Fall verpassen.

 

Mibo

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