mississippi burning

MISSISSIPPI BURNING

Take my Hand Precious Lord

 

Die sechziger Jahre. Wir befinden uns weit unten im Süden des Landes der unbegrenzten Dummheit. Der Hass sitzt tief. Hier, im US-Bundesstaat Mississippi wird den Kindern schon in der Schule die angebliche Wahrheit über Klassen- und Rassenunterschiede beigebracht. Der Großteil der Bevölkerung lebt nach diesen, in den Köpfen scheinbar wie ein Virus verankerten Grundsätzen. Die Trennung zwischen „White“ und „Colored“ ist allgegenwärtig. Das Einschüchtern und Zusammenschlagen von „Negros“ steht an der Tagesordnung. Kirchen und Wohnhäuser stehen in Flammen, schwarze Menschen rennen um Ihr Leben.

 

Als zwei FBI-Agenten mit komplett unterschiedlichen Herangehensweisen untersuchen Willem Dafoe und Gene Hackmann in Mississippi Burning (1988) den Mord an drei jungen Bürgerrechtlern. Misstrauen und Feindseligkeit liegen in der Luft, weiße Kapuzen werden übergestreift. Auf der Suche nach Gerechtigkeit führen ihre Ermittlungen immer tiefer in den erstickenden Morast der rassistischen Kleinstadt Jessup County.

 

Es kommt selten vor, dass mich Filme aus den 80er-Jahren begeistern. Mississippi Burning war einer von ihnen. Ich erlebte Gänsehaut- und Kloß im Hals-Momente, durfte schmunzeln und war ständig am mitfiebern. Trotz des eindeutigen Schwerpunktes auf Spannung und Action flossen immer wieder Passagen mit „dokumentarischem Touch“ in die Story mit ein. Die teils unvorstellbaren Geschehnisse bahnten sich ihren dunklen Weg durch eine nie langweilig werdende Thriller-Story, die insbesondere aufgrund der unglaublich dichten Filmatmosphäre sowie der tollen Schauspieler beeindruckt. Hier kann ich meine Hand, wie so oft, nur für die englischsprachige Version ins Feuer legen. Allen voran Gene Hackman als zäher FBI Agent Anderson überzeugt in jeder Szene. Die Leinwand-Legende erweist sich seiner Oscar-Nominierung als höchst gerecht und entwickelt im Filmverlauf einen Charakter, wie er menschlicher kaum sein kann. Vom damals noch sehr jung aussehenden Willem Dafoe hatte ich zugegeben mehr erwartet. Es dauert eine Weile, bis man ihm seine Rolle als leitender Ermittler abnimmt. Dann aber brilliert der – für seine Bösewichtsrollen bekannte Darsteller – insbesondere durch sein zielgerichtetes Auftreten und die scharfe Würze, mit der er seinem Kollegen gegenübertritt.

 

Einen weiteren Absatz in dieser kurzen Review hat sich die ausgeglichene, musikalische Untermalung von Komponist Trevor Jones verdient. Das Hauptthema weiß die enge, packende Inszenierung des Filmes perfekt zu untermalen. Für den emotionalen Teil bedient er sich einem anderen Element: dem Gospel. Ich kenne keine vergleichbare Musikrichtung, die das Leid, die Hoffnung und den damit verbundenen Glauben an Gott atmosphärischer und tief gehender vermitteln kann als jene christliche afroamerikanische Stilrichtung. Wenn man sich auf den Film einlassen kann, entstehen so Momente, die richtig unter die Haut gehen.

 

Fazit: Ausleihen, anschauen! Natürlich, der Film zeigt schonungslos (ohne zu erdrücken) einen sehr düsteren Teil der amerikanischen Geschichte. Durch die Thriller-orientierte Erzählperspektive wird man als Zuschauer aber gleichsam spannend, wie auch unterhaltsam und lehrreich durch den Film geführt. Die überzeugenden schauspielerischen Leistungen und ein Drehbuch, welches überzeugt und nebenbei auf geschichtlichen Tatsachen beruht, machen diesen Film absolut sehenswert.

 

Flo

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