#129_mud

MUD

Der Mississippi und die Eisbergtechnik

 

Wir sehen Arkansas, ja richtig, das SAW und nicht das Kansas der Piraten. Der Mississippi schleppt seine braune Masse mühselig hierdurch nach Süden. Die Menschen verlieren hier nicht viele Worte über Gefühle, Emotionen werden nur bedingt ausgetauscht. Ein Leben im Takt des Stroms, Natur 360°. Keine Hochhäuser in 131Minuten, die Leute hier sind keine „Townies“.

 

Die Geschichte von Mud ist schnell erzählt: 2 pubertierende Jungen entdecken ein Schiff in den Bäumen einer Insel, von der letzten Flut vergessen und nicht nur als Abenteuerspielplatz, sondern vielmehr als Versteck für den Flüchtenden Mud (Matthew Mcconaughey) begehrt. Ihm versuchen sie zu helfen das Boot startklar zu machen, ihm die Freiheit, die Flucht zu ermöglichen. Nebenbei und das sollte auch erwähnt werden, sollen sie ebenfalls eine örtliche Zusammenführung mit seiner Liebe Juniper (Reese Witherspoon) organisieren.

 

Regisseur Jeff Nichols erschafft eine Huckleberrystory, die einen mit unter den Schlamm des Mississippi zieht. So wenig Gefühle man nach außen hin sieht, der Subtext ist allgegenwärtig und wiegt schwer. Wer die Eisbergtechnik à la Hemingway mag, wird seine helle Freude an Mud haben. Auch wird das Thema Liebe aus Sicht zweier verschiedener Generationen ohne unterschiedliche Wertung gezeigt. Mcconaughey und die Jungen agieren auf Augenhöhe und ohne die geringste Spur von Kitsch fühlt man sich zurückversetzt in seine eigene Pubertät, mit denselben Problemen konfrontiert, in einer Umgebung, in der man sich gewünscht hätte aufzuwachsen. Wild, ergreifend und vor allem glaubwürdig. Normalerweise würde ich an dieser Stelle die tolle Leistung Mcconaugheys herausstellen, aber dieser Platz gebührt Tye Sheridan, der den 14-Jährigen Ellis mit einer wunderbaren Authentizität spielt.

 

Mud, der in Deutschland nie ein Lichtspielhaus von innen gesehen hat, kann ich nur wärmstens empfehlen und wenn man des englischen halbwegs mächtig ist natürlich in OV.

 

Mr. Adam

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