#96_Nymphomaniac

NYMPHOMANIAC

Sex sells

 

Penis! Hihi. Penis! Hihihi… Jetzt mal ehrlich, seit es das Internet gibt, ist alles, was mit Pornografie zusammenhängt so was von leicht zu bekommen, dass eigentlich niemand mehr von Nacktheit oder irgendeiner Art Fetisch geschockt sein kann. Doch dann kam der 31. August 2014 – „the Fappening“. Ja, einen eigenen Titel hat dieser Tag und wird einigen berühmten Hollywoodgrößen noch eine Weile nachhängen. Was dieser Tag auch gezeigt hat, ist, wie geil die Menschen auf dieses letzte Tabu sind, das Private, das Nackte, dieser letzte Blick hinter den Vorhang – vor allem wenn diese Menschen berühmt oder ihnen bekannt sind.

 

Als die ersten Schlagzeilen über Nymphomaniac die Runde machten, kam mir sofort zu Ohren, dass man dort echte Sexszenen zu sehen bekommt und das, obwohl in dem Film große Stars wie Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgård, Shia LaBeouf, Christian Slater, Uma Thurman oder Willem Dafoe mitspielen. Also nicht wie bei Filmen wie Beispielsweise Ken Park, in dem unbekannte Jungschauspieler kopulieren und ejakulieren. Also musste ein Haken bei der Sache sein und auch dieser wurde schnell bekannt, bei den Sexszenen wurden geschickt die Weichteile von weniger prominenten Menschen gezeigt. Tut mir wirklich leid für alle da draussen, ihr könnt nicht Shia LaBeoufs Penis sehen.

 

Die Story ist an sich schnell erzählt, was verwunderlich ist, da der Film in zwei Teile geschnitten werden musste, da seine Gesamtlaufzeit sagenhafte 241 Minuten beträgt – was ein Marathon! Ein älterer Mann findet eine Frau mittleren Alters in einem dunklen Zwischengang hinter einer Häuserzeile. Sie liegt im Schnee und sieht aus, als hätte sie eine ordentliche Tracht Prügel bezogen. Da er die Frau, ihr Name ist Joe, so nicht liegen lassen kann und will, nimmt er sie mit zu sich nach Hause. Nachdem er sie ins Bett gelegt hat und sie sich ausgeruht hat, fängt sie an ihm ihre Geschichte zu erzählen. Diese Geschichte ist unterteilt in acht Kapitel, die alle einen prägenden Abschnitt in Joes Leben markieren und ihren Weg aufzeigen, wie sie werden konnte, was sie ist: eine Nymphomanin!

 

Lars von Trier ist berühmt, aber ebenso berüchtigt. Wenn er nicht mit seinen Filmen auf sich aufmerksam macht, dann gern mal mit Kontroversen, dass er Adolf Hitler doch gar nicht so schlecht fand. Wie ernst diese Aussagen zu nehmen sind, darf jeder selbst beurteilen, ich tue das nicht sonderlich. Doch von Trier ist auch berühmt, weil er ein verflucht guter Filmemacher ist und viele Hollywoodberühmtheiten folgen seinem Ruf. Ich erzähle das, weil so durchmischt meine Gefühle für Lars von Trier sind, so durchmischt sind auch meine Gefühle für Nymphomaniac. Die schauspielerischen Leistungen sind durch die Bank wirklich gut, ob unbekannter Darsteller oder Businessgröße. Allen voran muss hier Charlotte Gainsbourg als Joe erwähnt werden. Sie spielt so überzeugend, dass man sie eigentlich die gesamten vier Stunden ohrfeigen möchte. Die Geschichte ist an sich auch nicht uninteressant und der Zuschauer möchte mehr von dieser mysteriösen Frau wissen. Dennoch ist das Gesamtwerk definitiv zu lang und die teilweise hanebüchenen Verbindungen zu anderen Geschichten langweilten mich. Außerdem störe ich mich immer schnell daran, wenn ein Film zu sehr in die Küchentischpsychologie abrutscht und hinzu kommt noch die oft sehr gezwungene intellektuelle Note, die von Trier dem Film geben will. Vielleicht tut er das, damit sein Film mehr als Kunst, denn als Bumsfilm wahrgenommen wird.

 

Als Zusammenfassung sage ich, dass der Film etwas für Film- und Lars von Trier-Fans ist. Wer zu einem Mainstreamfilmgeschmack neigt, wird sich bei Nymphomaniac nicht wohlfühlen. Ausnahme ist, dass man den inneren Spanner mal wieder befriedigen möchte, dafür hilft der Film schon ein wenig weiter. Denn ihr wisst ja – Penis!

 

Jan

Top