oblivion

OBLIVION

King Kong bleibt ein Stofftier

 

2077. Endzeitszenario. Mal wieder. Die Erdoberfläche liegt in Trümmern. Jack Harper (Tom Cruise) steht inmitten der Ruine des New Yorker Footballstadions. Lässig streift er sich seine alte Yankees Baseballmütze über den Kopf. Scheinbar alte Erinnerungen werden durch die Sprechchöre in seinem Kopf wieder zum Leben erweckt. Die Kamera gleitet majestätisch über das ehemalige Spielfeld und beschert dem Sport- und Gänsehaut affinen Kinobesucher einen atemberaubenden Moment nostalgischer Schönheit. Diese Szene war für mich der Höhepunkt des Films. Danach ging es steil bergab. Das Traurige daran, ich hatte absolut keine Erwartungen an den Film und wurde trotzdem enttäuscht.

 

Mit Oblivion hat Joseph Kosinski seine eigene Graphic Novel verfilmt, in der ein Held/Soldat/Astronaut an die Erdoberfläche reisen muss, um dort die Verteidigungs-Drohnen zu reparieren, welche die nicht vorhandenen Städte vor Alienübergriffen schützen sollen. Das Potential war riesig. Budget, Story, Schauspieler. Eigentlich war alles vorhanden. Da es angesichts der brutalen Vorlage unmöglich war, eine Fassung mit Jugendfreigabe zu produzieren, verkaufte die Firma Disney das Oblivion-Projekt an Universal Pictures. Es kam, wie es kommen musste. Die Jungs strebten eine FSK 13 Fassung an, und fuhren den Karren damit vollends an die Wand.

 

Die ersten 40 Minuten sind super, keine Frage. Beeindruckende Bilder gepaart mit grandioser Bildästhetik. Epische Kamerafahrten. Geiler Sound. Tolles Licht. Auch für Detail-Nostalgiker gibt es einige Anspielungen an die heutige Zeit. Alte Schallplatten, verstaubte Baseball-Bälle, Bücher, Fotos, ja selbst Plüschtiere kommen zum Einsatz. Ich war wirklich positiv überrascht und freute mich auf mehr. Andauernd verheimlichte mir die Geschichte scheinbar wichtige Informationen, oder gab mir kleine Hinweise, die auf ein unerwartetes Ende hinzusteuerten. Aber es kam nichts. Nichts außer Zusammengeklautem, wirr aneinandergereihten Bullshit. Schlechte Phrasendrescherei Dialoge. Die oft sehr störend wirkende, romantische Liebesgeschichte in der die hübsche Olga Kurylenko außer Augenbrauen-Verzerrung und Bambi-Rehblicken nichts abliefert außer Fremdschamscheisse. Absolut keine Seele. Kein Tiefgang. Keine Substanz. Morgan Freeman bekommt gefühlte 11 Minuten Screentime in denen er nicht einmal den Hauch einer Chance bekommt irgendetwas zu zeigen. Charakterentwicklung? Pustekuchen. Kaum taucht er auf, ist er auch schon wieder verschwunden. Viele aufkommenden Fragen zu relevanten Story-Elemten werden einfach nicht beantwortet bzw. nur kurz angerissen und dann nie wieder aufgegriffen. Die letzten 20 Minuten fühlen sich unglaublich gewollt und gehetzt an.

 

Jemand der sich noch nie mit Science-Fiction beschäftigt hat könnte den Film sogar mögen. Alle anderen denen Begriffe wie Sci-Fi, Cyber-Punk oder Dystopie etwas sagen: Bitte nach den ersten 40 Minuten das Kino wieder verlassen. Ich garantiere verständnisloses Kopfschütteln gepaart mit ein, zwei Matrix- und Independence Day Tränen. Kauft euch lieber die Originalvorlage in Comic-Format oder spielt eine Runde Portal. Alles schon gesehen, alles schon erlebt. Oder um es mit den Worten einer fünfköpfigen Band aus Leipzig zu sagen: „Das ist alles nur geklaut!“

 

Flo

Top