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ONCE

Wie ein alter Freund

 

Wer hier regelmäßig mitliest, der weiß, dass ich besonders Filme schätze, die ein Alleinstellungsmerkmal aufweisen. Das kann manchmal sein, dass sie einfach die ersten ihrer Art waren oder verschiedene Genre einfach perfekt miteinander vermischen. Der Film, den ich nun präsentiere gehört zum zweiten, denn es fiel mir schwer, ein wirkliches Genre für ihn zu finden, also habe ich ihn einfach mal unter „Musikfilm“ gepackt.

 

Die Hauptfigur in Once ist ein Straßenmusiker und Hoover-Staubsaugerreparateur aus Dublin. Eines Abends tritt eine junge Dame in der Fußgängerzone an seine Gitarrenhülle, die als Sammelbox für Geld dient, und schmeißt ihm ganze 10 Cent hinein. Dies entlockt ihm eine sarkastische Bemerkung und wäre der Straßenmusiker nicht so ein netter Kerl, dann wäre die Unterhaltung vielleicht an dieser Stelle schon zu Ende. Die junge Dame mit dem leichten Akzent aus Osteuropa mochte aber einfach das Lied so gerne und will mehr wissen: für wen er das geschrieben hat und warum er solche Lieder nur abends spielt, denn sie sieht ihn hier jeden Tag. Sie kommen ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass ihm das Herz gebrochen wurde und sie eine Pianistin ist, die einen kaputten Hoover besitzt. Daraufhin verspricht er ihn zu reparieren, wenn sie ihn am nächsten Tag vorbeibringt…

 

Once ist ein irischer Independentfilm aus dem Jahr 2006. Die Hauptrollen werden gespielt von Glen Hansard und Markéta Irglová, die zusammen auch die Band The Swell Season bilden, die allerdings nicht gerade als Berühmtheiten gelten. Aufgenommen ist der Film in relativ schlechter Qualität, was allerdings definitiv gewollt ist und ihm auch seinen Charme gibt – ihn so natürlich wirken lässt, so lebensnah.

 

Musikfilme gibt es einige. Ob Inside Llewin Davis, The Broken Circle oder oder oder… Once ist anders als diese Produktionen. Das liegt an zwei maßgeblichen Faktoren. Erster Faktor ist die Stimmung. Man möchte eigentlich den gesamten Film in den Arm nehmen, aber nicht im Sinne von „es wird alles wieder gut“, sondern wie einen guten Freund, den man lange nicht gesehen hat. Das liegt zum Teil an den Schauspielern und ihren Rollen, aber auch an der so einfachen und trotzdem nie langweiligen Story. Der zweite Faktor sind die Songs und ihre Einbettung in den Film. Once ist ein Musikfilm, über Musiker und ihr Leben, und so werden die Gesangsszenen in den Verlauf perfekt eingepasst. Die zuvor genannten Musikfilme machen das auch herausragend, doch wieder ganz anders als dieser kleine irische Film. Ich bleibe hier so unpräzise, weil ich euch nicht die Freude des Entdeckens nehmen will. Hinzu kommt, dass die Lieder einfach richtig gut sind. Das sah auch die Academy so und vergab 2008 den Oscar für den besten Song.

 

Ich habe mich wirklich in diesen kleinen warmherzigen Film verliebt. Steven Spielberg hat über ihn gesagt, dass er ihm genügend Inspiration geschenkt hat, „um damit durchs ganze Jahr zu kommen“ und ich kann mich einem der Großmeister des Films hier nur ausdrücklich anschließen und euch raten, lasst euch diese wirklich schöne Geschichte nicht entgehen.

 

Jan

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