onlygodforgies

ONLY GOD FORGIVES

Bangkok more dangerous

 

Für kaum eine Review habe ich mir jemals so viel Zeit gelassen. Denn ehrlich gesagt ist der Vorgang meistens recht simpel. Entweder man möchte den Menschen da draußen zurufen: „Verdammt, guckt euch dieses Meisterwerk an!“ oder man möchte sich in den Weg werfen und rufen: „NEEEEIIIINNN! Spart euer Geld, eure Zeit und Nerven!“ Doch manchmal, manchmal fühlt man sich hin und hergerissen. Das ist eher selten der Fall und man weiß nicht genau, wohin mit seinen Gefühlen und Entscheidungen. In manchen Fällen, kann man dann einfach eine Münze werfen und dann weiß man, hoffentlich, was man will.

 

Only God Forgives bringt in mir genau dieses Gefühl hervor. Doch ich kann keine Münze werfen um zu entscheiden, was ich von dem Film halten soll. Als aufkam, dass sich das Dreamteam aus Drive wieder für einen Film zusammengetan hat, habe ich mich sehr gefreut. Drive gehört definitiv zu meinen Lieblingsfilmen. Aber nachdem der Film von den ersten Menschen gesehen wurde, kamen die Gerüchte, dass es sich nicht um eine filmische Offenbarung handeln soll. Allerdings versuche ich mich grundsätzlich von Meinungen freizumachen, damit ich nicht zu viel Input bekomme vor einem Film. Also bin ich selbstverständlich dennoch reingegangen.

 

Um was geht es denn überhaupt im etwas martialisch klingenden Streifen? Das ist nicht einmal so einfach zu erklären, denn die gesamte Handlung des Films, könnte man eigentlich auf einer Serviette oder einem Bierdeckel zusammenfassen. Jetzt fragt ihr euch, warum soll das dann schwer sein? Ganz einfach, weil so viel mitschwingt in diesem Film. Grob gesagt, geht es um die Brüder Julian (Ryan Gosling) und Billy Thompson (Tom Burke) und ihren Boxclub in Bangkok. Allerdings ist dieser Club ein Drogenumschlagplatz. Doch als sei das nicht genug, tötet Billy eines Tages eine minderjährige Prostituierte. Daraufhin erlaubt der Polizeileutnant Chan dem Vater des Mädchens Billy zu töten. Das schreit nach Rache.

 

Der Film lebt zwar schon von seiner Spannung, aber wie gesagt nicht von der erzählten Geschichte. Es ist eher ein Kunstwerk der künstlerisch darstellenden Gewalt. Der Soundtrack ist zwar nicht ganz so herausragend wie in Drive, doch auch in diesem Refn-Werk ist die Musik wieder ein Highlight.

 

Diese Mischung aus guter Kunst, seltsam karger Story, irgendwie guter Musik und dieser unterschwelligen Frage, was als nächstes passiert, gibt dem Film ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal. Allerdings schafft es der Film nicht den Zuschauer abzuholen und das macht ihn an mancher Stelle etwas langatmig und wie bei einer Ausstellung würde man eigentlich gerne zum nächsten Bild laufen, doch man kann nicht. Deswegen komme ich zu einem auch für mich und vielleicht auch für die Leser recht unbefriedigenden Urteil. Ihr müsst es euch einfach selber anschauen. Dieser Film ist die wohl extremste Geschmackssache, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Außer ihr ertragt offen dargestellte Gewalt nicht, dann sollte die Wahl auf keinen Fall auf Only God Forgives fallen.

 

Jan

Top