prisoners

PRISONERS

Schweine für die Schlangen

 

Eng an eng stehen die Häuser. Die Rasenflächen vor den einstöckigen Gebäuden sind nicht mehr ganz so grün wie noch vor Kurzem, jetzt da es auf Thanksgiving zu geht und die kältere Hälfte des Jahres vor der Tür steht. Eigentlich könnte das kleine Städtchen als idyllisch beschrieben werden. Ständiger Nieselregen und die heraufziehende Kälte lassen einen jedoch frösteln. Außerdem trübt das heruntergekommene Wohnmobil das durch die Gassen des kleinen Örtchens in New England gondelt den Blick. Ein Nebelschleier der Ungewissheit liegt über der Szenerie. Irgendetwas stimmt hier nicht…

 

Dem frankokanadischen Regisseur Denis Villeneuve ist es gelungen seinem Kidnapping-Thriller Prisoners ein ganz besonderes Flair, einen speziellen Anstrich zu verpassen. Die Atmosphäre weiß zu überzeugen. Nicht nur die Tristesse und Diesigkeit der amerikanischen Kleinstadt im Herbst wirkt authentisch. Der Verzweiflung, die die Beteiligten immer mehr beschleicht, kann sich der Zuschauer nicht entziehen. Dies lässt sich vor allem auf die wirklich hervorragenden Schauspieler zurückführen. Hugh Jackmann stellt unter Beweis, wie wandlungsfähig er ist und zeigt sein komplettes schauspielerisches Repertoire. Jacke Gyllenhaal, als Kleinstadt-Cop, steht ihm in nichts nach. Auch der Rest der Schauspieler weiß zu überzeugen. Kameratechnisch bewegt sich Prisoners ebenfalls auf höchstem Niveau. Kein Wunder, Hollywood-Veteranen Roger Deakins (Stamm-Kameramann der Coen-Brüder) war verantwortlich.

 

Prisoners versteht es außerdem den Zuschauer über den Hintergrund der Personen, die allesamt irgendwie nicht wirklich unschuldig scheinen, im Dunkeln tappen zu lassen. Das Puzzle über die Verstrickungen setzt sich erst nach und nach zusammen. Irgendwie fühlt man sich schon ein bisschen in den Kinosessel genagelt und wartet, wie es zu Ende geht.

 

Prisoners gehört mit Sicherheit zu den besseren Kinofilmen dieses Jahres. Der Film bietet intensive schauspielerische Momente, eine zum Teil wirklich bedrückende Atmosphäre und eine größtenteils packende Geschichte. Um ehrlich zu sein, war ich vom Ende des Films, welches gelinde gesagt nicht mit dem Rest der Story mithalten kann, ein wenig enttäuscht.  Trotzdem: das Prädikat „sehenswert“ verdient Prisoners allemal. Vor allem die Leistung Jackmans und Gyllenhaals, die ihre Charaktere, die eigentlich nur Blaupausen sind, durch ihr Schauspiel mit Leben füllen und sie wirklich glaubhaft wirken lassen, sind einen Kinobesuch wert.

 

Mibo

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