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PUNCH-DRUNK LOVE

Das Geheimnis von Puddingbechern und Bonusmeilen

 

Es ist still und früh am Morgen. Der Mann im blauen Anzug erhebt sich. Mit langsamen Schritten schreitet er aus der dunklen, riesigen Garage nach draußen. Geblendet von den Sonnenstrahlen läuft er bis vor an die Straße, die noch menschenleer ist. Aus dem Nichts ein Auto, ein heftiger Schlag. Außerhalb des Bildes zerbersten Glas und Metall. Unsere Ohren sehen Scherben und Splitter. Ein flüsterndes Grummeln verläuft sich immer lauter werdend in ein trommelndes Perkussion-Inferno, die Schritte des Mannes werden schneller – Schnitt.

 

Regisseur P. T. Anderson ist einer der ehrgeizigsten Filmemacher Amerikas. Seit seinem Erfolg „Magnolia“ gilt er gar als großer Geist. Als Genius. Die Figuren seines oft bizarren, verwinkelten Film-Universums sind in der städtischen Einöde gestrandet, häufig auf der Suche nach sich selbst, oder auf der Suche nach der Wahrheit. Paul Thomas Anderson ist vernarrt in Antihelden. Dementsprechend castet er auch seine Schauspieler: Wenn im amerikanischen Kino besonders herausragende Charakterdarsteller auftauchen, dann meist bei ihm.

 

Und wer könnte herausragender sein als Mr. Adam Sandler? Intensiv und extrem glaubwürdig spielt er die Rolle des Barry Egan, einen sammelwütigen Geschäftsmann, der sich mit Toiletten-Saugern, dem grandiosen Philip Seymour Hoffman und sieben, extrem nervigen Schwestern herumschlägt und nebenbei versucht die große Liebe zu finden.

 

Punch-Drunk Love ist trotz der Bezeichnung „Comedy | Drama | Romance“ ein eher wirres Spiel mit dem Genre als ein seichter Liebesplot. Und das ist positiv gemeint. Die Inszenierung und visuelle Kraft des Mannes hinter der Linse ist fantastisch. Die virtuosen Kamerafahrten und der sonstige Umgang mit filmischen Mitteln sind einfach sehr, sehr feinfühlig und speziell, wie ich finde. Auch wie er die Geschichte erzählt: Erst beobachtet er die Handlungsweisen seiner Charaktere, dann beginnt er sie zu beschreiben und Stück für Stück zu deuten. Dazu eine kleine Prise von meiner geliebten Melancholie, etwas modernen Expressionismus und der Pudding ist gegessen. Die Jury in Cannes hatte an Punch-Drunk Love übrigens auch ihren Spaß.

 

Ich gebe zu, es ist ein Film für Exoten. Für Filmnerds. ABER, wer außergewöhnliche Entwürfe und Ideen über inhaltliche Präsenz stellen kann und nebenbei noch etwas Liebe für bunte Farben, beklemmend-geniale Melodien und eine chaotisch-fesselnde Story übrig hat, kann ganz relaxed beide Daumen nach oben Strecken und sagen: Geiler Scheiß, her damit!

 

Flo

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