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ROOM

Auswickeln. Springen. Rennen.

 

Frei und doch gefangen. Oberfläche und Neugierde. Gefährlich, zudringlich. Das Waschbecken wird zum Freund und die vertrauliche Holzwand zeigt den Weg über das Oberlicht zum Himmel. Eierschalenschlangen und Klopapier-Labyrinthe sind mehr als nur Spielzeuge. Willkommen im „Raum“ des Geschehens.

 

Room berührt. Room verzaubert. Eine erfolgreiche Romanvorlage und ein gut geschriebenes Drehbuch ergeben zwangsweise einen guten Film. Genre: Drama. Hier ist weniger mehr. Menschlichkeit. Unmenschlichkeit. Klaustrophobie. Unzertrennbare Bindung. Loslassen, Opfer bringen. Beklemmung und gleichzeitig Befreiung. Furchtbare Gewissheit. Was passiert als Nächstes? Welches Weltbild wird vermittelt? Vorbild, Inspirationsfigur und die zwei Seiten jeder Mauer. Neue Türen werden aufgetreten, andere bleiben verschlossen. Nur einer kennt den Code.

 

Room läuft aktuell noch im Kino und ist ganz klar ein sehr guter, facettenreicher Film, den man sich anschauen sollte. Die Darsteller spielen allesamt überdurchschnittlich gut (vor allem das Kind!) und Brie Larson gewann als „Mama“ verdient den Oscar. Das große Plus neben dem Schauspiel ist die voyeuristisch gleitende Kamera, die scheinbar immer zum richtigen Zeitpunkt zwischen Makro, Weitwinkel, Tele und Egoperspektive wechselt und so dem Zuschauer eine wundervolle Optik und ein „mittendrin statt nur dabei“ Gefühl vermittelt. Eine unglaublich immersive Empathie wird so zum Leben erweckt. Hinzu kommt viel Kopfkino. Und je nachdem in welcher Lebenssituation man sich eben gerade befindet (als Eltern beispielsweise) schlägt die Vorstellungskraft eben stärker oder schwächer aus. Der Film funktioniert sowohl auf der Dramatischen, als auch auf der Gefühls- und Humorebene. Dezent und wohlüberlegt geht er auf so viele essenzielle Fragen ein. Was macht uns zum Menschen? Wie wichtig ist Familienzusammenhalt und die dazugehörige Liebe? Sind wir bereit große Opfer zu bringen oder behalten die egoistischen Gedanken doch die Oberhand? Wie sehr gewöhnen wir uns an Orte und Abläufe?

 

Faszinierend gefilmt. Emotional berührend. Dazu ein schöner Blick auf die kindliche Wahrnehmung und der Umgang mit extremen Situationen. Wenn man wie ich keinen Trailer gesehen hat, bietet der Film sogar noch unglaublich packende Spannungselemente, einige Szenen des Mitfieberns und viel Raum zum Nachdenken. Fazit: Reingehen!

 

ps. Unbedingt im Originalton anschauen. Es ist unmöglich als deutsche Kindersynchronstimme die Emotionen so eindrucksvoll rüberzubringen, wie es der 2006 geborene Jacob Tremblay getan hat.

 

Flo

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