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SHADOW OF THE VAMPIRE

Pflockumentary

 

In den 1920ern macht sich ein deutsches Filmteam auf in die Karpaten, um Filmgeschichte zu schreiben. Nosferatu – Symphonie des Grauens (1922) wird schnell zum Gegenstand zahlreicher Gerüchte, denn Darsteller Max Schreck macht seinem Namen alle Ehre und liefert ein Schauspiel, das derart erschreckend auf die Zeitgenossen wirkt, dass sie glauben, es mit einem echten Vampir zu tun zu haben. Hier setzt E. Elias Merhige 78 Jahre später mit seiner Mockumentary Shadow of the Vampire an und erzählt die Entstehungsgeschichte eines der wichtigsten Horrorfilme überhaupt.

 

Max Schreck (Willem Dafoe) ist eine ausgemachte Diva. Die hagere Gestalt schlüpft nie aus dem Kostüm des untoten Grafen Orlock, nächtigt in einem Sarg und schlürft schon mal beiläufig das Blut einer Fledermaus. Die Kapriolen entschädigt er aber mit grandiosem Schauspiel, und so zeigt sich Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau (John Malkovich) ausgesprochen nachsichtig, verspricht dieser Urvater des Method-Actings doch, seinen Film zu einem Welterfolg zu machen. Als die Exzesse von Drehtag zu Drehtag immer ausschweifender werden und das Filmteam zunehmend unter mysteriösen Todesfällen leidet, stellt sich schließlich die Frage, ob Murnau einen mephistophelischen Pakt mit einem Vampir geschlossen hat und bereit ist, für seine Kunst über Leichen zu gehen.

 

Merhiges clevere Grundidee scheint alle Beteiligten kreativ zu beflügeln. Selten ist so viel Spielfreude zu beobachten wie in diesen 91 Minuten. Gerade John Malkovich mimt Murnau grandios mit den funkelnden Augen eines Getriebenen und Willem Dafoes Darbietung kann als augenzwinkernde Referenz auf das im Stummfilm übliche Overacting verstanden werden, die sogar mit einer Oskarnominierung belohnt wurde. Die liebevoll gestalteten Kulissen bieten hierfür die perfekte Bühne und atmen ebenfalls Stil und Charme der Stummfilmzeit. Solche Nuancen sind für Kenner des Originals eine besondere Freude, doch ist Shadow of the Vampire auch ohne diese zusätzliche Ebene ein sehr sehenswerter und auch anspruchsvoller Film. Schließlich wirft Merhiges mockumentarische Unterstellung, dass Nosferatu der erste Snufffilm gewesen sei, tiefgreifende Fragen über Kunst auf: Darf der Künstler mit dem Bösen paktieren, um Großes zu erschaffen? Und inwiefern macht er sich dann schuldig? Fragen, die sich nur wenige Jahre später etwa für Leni Riefenstahl, Albert Speer oder Arno Breker stellen würden.

 

Euer Professor Horribilus

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