Silver Linings Online

SILVER LININGS PLAYBOOK

Football und Foxtrott.

 

Zwei scheinbar leicht grinsende Gesichter im Großformat. Als ich das Filmplakat zum ersten mal begutachtete, saßen die Vorurteile bereits auf meiner Schulter und gaben sich High-Fives. Klare Sache. Schon wieder eine dieser seichten Hollywood-Komödien mit Bradly Cooper? „Wenn Du mir dann ich Dir“. Was zum Teufel?

 

Zum Glück gibt es Mundpropaganda. Und wenn diese dann auch noch positiv ausfällt, gilt es einen Blick zu riskieren. Und siehe da, „Silver Linings Playbook“ ist eine großartige Tragik-Komödie, die zu Recht für den Academy Award: „Best Picture“ nominiert war. Der Film, der im Gegensatz zu anderen nominierten fast schon Indie- und Arthouse Züge ausstrahlt, lebt vor allem von seinen bewundernswerten Schauspielern. Im echten Leben trennen die Hauptdarsteller Jennifer Lawrence und Bradley Cooper genau 15 Jahre. Sie ist 23, Er 38.

Im Film selbst, merkt man nichts von diesem Altersunterschied. Das Tolle ist die Wandlungsfähigkeit. Niemals hätte ich von Cooper eine derart authentische und vor allem sympathische Performance erwartet. Altmeister Robert De Niro scheint in den Jungbrunnen der Motivation gefallen zu sein. Auch er begeistert als besessener, abergläubischer Footballfan und Buchmacher. Chris Tucker spielt nicht schlecht, leider kann ich ihn seit „Rush Hour“ nicht mehr allzu ernst nehmen. Julia Stiles macht einen ordentlich Job in ihrer Nebenrolle. Doch das Beste kommt zum Schluss. Sobald die frisch gebackene Oscar-Gewinnerin auf der Leinwand erscheint, nimmt Sie das bereits sehr hohe Niveau und schnippst es scheinbar federleicht auf Höchstform. Blitzartig erhellt Ihr Charakter den Film. Starke Ausdrucksformen in Mimik und Gestik, gepaart mit einer wahnsinnig natürlichen Art, machen Sie zum absoluten Star des Films.

 

Story? Bitte sehr: Anstalt. Entlassung. Agression. Excelsior. Resozialisierung. Liebe. Depression. Manie. Vater. Sohn. Football. Tanzen. Klingt nicht sonderlich interessant, wird aber super umgesetzt. Es dauert zwar etwas bis man reinkommt, aber dann beginnt das Knistern – und es wird immer lauter. Vor allem, weil der Regisseur eine faszinierende Begeisterung für das „Erzählen“ übrig hat. Unverfälscht, skurril, charaktertief. Man fühlt- und fiebert mit.

 

Was lernen wir daraus? Jedem Film eine Chance geben. Selbst meine Vorurteile haben ihre skeptischen Alltagsklamotten abgelegt und sitzen mittlerweile mit Neugierde-Smoking auf meiner Schulter und vergeben hiermit feierlich das Prädikat „Wertvoll“. So, und jetzt: Anschauen. Und BITTE im Originalton. Jennifer Lawrences deutsche Synchronstimme raubt dem Film jegliche Sympathie und Ernsthaftigkeit. Danke.

 

Flo

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