#83_soulkitchen

SOULKITCHEN

Fischstäbchen sind auch Filets

 

Fatih Akin ist der beste deutsche Regisseur. Punkt. Der deutsch-Türke aus Hamburg beweist mit seinen Werken ein außergewöhnliches Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen im Deutschland unserer Tage und insbesondere für die Heterogenität der deutschen Gesellschaft, die er mit Hilfe seiner bisweilen eigenartigen Charakteren, die mehr Anti-Helden als Vorbilder sind, zeichnet. So auch in Soul Kitchen.

 

Nicht nur aufgrund seiner Herkunft ist Akin ein Wanderer zwischen den Kulturen. Ebenso bewegt sich der Hamburger scheinbar spielend zwischen den Genres. Egal ob Drama (Gegen die Wand), Road-Movie (Im Juli) oder wie bei Soul Kitchen locker leichte Mulit-kulti Komödie. Dem Hamburger scheint alles spielend von der Hand zu gehen.

 

Mit der Geschichte um die beiden griechischen Brüder Illias (Moritz Bleibtreu) und Zinos (Adam Bousoukos) erweitert Akin das ihm angestammte deutsch-türkische Milieu um die Komponente der griechischen Migranten, die er schon in seinem Debüt Kurz und schmerzlos gestreift hatte – und das mit solcher Sicherheit, als wäre Griechenland seine dritte Heimat. Was Akin in Soul Kitchen abzieht ist eine wahre Wucht. Die Figuren haben genügend Bodenhaftung, um die teilweise haarsträubenden Überschreitungen der gesellschaftlichen Normen zu kompensieren, so dass der Film nicht ins unrealistische abdriftet. Der Film funktioniert auch so gut, weil die Atmosphäre schlicht und einfach stimmt. Die Gags sind pointiert und schlau abgewogen.

 

Akin setzt in Soul Kitchen auf die Riege der erfahrenen Schauspieler wie Moritz Bleibtreu und Birol Ünel, die durch ihre herrlich überdrehten Charaktere dem Film zahlreiche Lacher bescheren. Bleibtreu bewies schon als Abdul in Knockin‘ on Heavens Door, dass er einen mehr als passablen Ausländer hergibt. Der griechische Part in Soul Kitchen macht ihm genauso wenig Mühe wie zuvor der türkische in Knockin‘ on Heavens Door. Soul Kitchen präsentiert mit Hauptdarsteller Adam Bousoukos, der am Drehbuch mitarbeitete, aber auch ein relativ neues, eher unbekanntes Gesicht, das den Zuschauer durch seine sympathisch-naive Art sofort hinter sich bringt – überhaupt scheint die Geschichte geradezu vor sympathischen Charakteren überzuquellen. Bousoukos war tatsächlich zehn Jahre Betreiber einer Taverne und diente seiner Figur quasi selbst als Vorbild.

 

Soul Kitchen gehört zu den wenigen deutschen Filmen, die man in jedem Fall gesehen haben muss. Ausreden gibt es keine! Auch wer keinen Bruder hat und sich nicht mit der Thematik der Geschwister-Streitigkeiten identifizieren kann, findet bei Soul Kitchen eine ganze Reihe an bewegenden Themen: Akin sagt es gehe um „Familie und Freunde, um Liebe, Vertrauen und Loyalität – und um den Kampf für die Heimat als einen Ort, den es in einer zunehmend unberechenbaren Welt zu schützen gilt“.

 

Mibo

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