#126_short

THE BIG SHORT

Unzusammenbrechbarkeit

 

So, jetzt aber mal aufgepasst. Dschungelcamp ausgemacht – jetzt ist Bildungskino angesagt. Wer jetzt an Terra X denkt, ist schief gewickelt. Wir tauchen nämlich in keinen Ozean, sondern tief in die Finanzkrise ein. Also ihr Hobbyökonomen und Wiwis, schnappt euch euren Rechenschieber und auf in die Kinosäle: The Big Short wartet schon.

 

2007, ja, so lange ist das schon her, bricht die Weltwirtschaft zusammen. Und warum? Weil Banken weltweit auf den amerikanischen Immobilienmarkt gewettet haben und sich dadurch eine gigantische Blase gebildet hat, die bei ihrem zerbersten für eine Weile fast alles mit einer Schicht Scheiße bedeckt. Und keiner hat es geahnt? Doch! Ein kleines gallische… Na gut, es waren ein paar Leute, die sich in diesem Bereich verdammt gut auskennen. Und wer ahnt, dass der unzusammenbrechbar wirkende amerikanische Immobilienmarkt kollabiert, der macht damit normalerweise sehr viel Geld. Da bildet die Geschichte in The Big Short keine Ausnahme und reicht als Inhaltsinformation völlig aus.

 

Der Film fasst die Ereignisse gut zusammen und noch wichtiger: er nimmt sich auf humorvolle Weise Zeit die schwierigen Begrifflichkeiten zu erläutern, die dem geneigten Kinozuschauer um die Ohren donnern. Regisseur Adam McKay, eigentlich eher bekannt für dümmliche Komödien (das meine ich mit viel Liebe), nähert sich diesem tendenziell trocken anmutenden Thema mit viel Witz und einer gewissen Gelassenheit. Dazu ist er noch in die Martin-Scorsese-wie-breche-ich-die-vierte-Wand-Schule gegangen. Sehr gefällig und lockert den Film auf.

 

Darüber hinaus hat er alles gecastet, was man sich für einen Qualitätsfilm wünscht: Christian Bale, der überragende Steve Carell und Ryan Gossling. Dazu wirkt Brad Pitt als hätte er mal wieder Bock gehabt und dann ist auch er ein guter Schauspieler. Außerdem noch Jeremy Strong, von dem ich ein immer größerer Fan werde. Frauen sucht man in der Finanzwelt leider vergebens. It‘s a finance-man‘s world.

 

Sehr gute Schauspieler, interessante Geschichte und ein wenig Scorsese-Feeling. Ab mit euch ins Kino, auch wenn ihr nur Kultur- oder Sozialwissenschaftler oder etwas anderes seid, die Geld eigentlich nur vom Hören-Sagen her kennen.

 

Jan

Top