the chaser

THE CHASER

It’s hard out here for a pimp

 

Manchmal kommt es mir so vor, als ob ich wirklich schon leicht geschädigt bin von diesem ganzen Schwachsinn, der in Hollywood so fabriziert wird. Die Fast & Furious Platte wurde beispielsweise dieses Jahr bereits zum sechsten Mal aufgelegt und schaffte es tatsächlich die vorhergehenden Teile nochmal an Absurdität und Übertreibung um Längen zu übertreffen. Und welch Überraschung, der siebte Teil ist für 2014 angekündigt. Irgendwie immer die gleiche Leier. Hollywood scheint nicht mehr wirklich viel Neues im Köcher zu haben. Gut, dass an anderen Orten der Welt auch Filme gedreht werden. Zu einem echten Geheimtipp in Sachen Kino gehört sicherlich Südkorea. Das kleine ostasiatische Land schafft es mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder Filmperlen zu produzieren. Zu diesen gehört auch Hong-jin Nas The Chaser.

 

Durch das Verschwinden einiger seiner Mädchen gerät der Zuhälter Joong-Ho auf die Fährte eines Massenmörders. Hierbei wird er immer mehr mit dessen Geschichte und Schicksal konfrontiert und ist gezwungen auch über sein eigenes Leben und Schaffen zu reflektieren. Mehr muss man zur Story eigentlich nicht sagen.

 

Asiatische Filme im Allgemeinen unterscheiden sich eigentlich in so ziemlich allem vom kommerziellen Hollywoodkino. Vom Erzähltempo, über den Ablauf der Handlung, bis hin zur Darstellung von Gewalt: Als europäischer Zuschauer ist man anderes gewohnt. Und das ist eigentlich das Tolle daran. Besonders auffällig ist der Realismus, den diese Filme zeigen. Eine Verfolgungsjagd und die anschließende Prügelei wirken nicht, als treten hier zwei Marathonläufer, die nebenbei noch Kickboxprofis sind, gegeneinander an. Ganz im Gegenteil: wie im echten Leben werden die Protagonisten müde. Auch weil sie beispielsweise non-stop Rauchen. Da geht die Kondition eben schneller mal flöten.

 

The Chaser punktet außerdem mit der Tatsache, dass der psychopathische Gegenspieler von Joong-Ho dem Zuschauer relativ früh präsentiert wird. Als Außenstehender ist man gezwungen sich mit dessen Psyche und seiner schockierende Charakterentwicklung auseinandersetzen. Vergleiche zu Filmen wie S7ben oder Das Schweigen der Lämmer drängen sich auf.

 

Zur Synchronisation ist zu sagen: Wie immer gilt natürlich Original mit Untertitel wird empfohlen. Dass es einen jedoch nerven kann, über zwei Stunden koreanische Dialoge zu hören, ist verständlich. Der Film funktioniert aber auch in der deutschen Vertonung.

 

Das großartig inszenierte Psychoduell der beiden Protagonisten ist trotz 123 Minuten Spielzeit nicht zu lang geraten. Wer Lust auf einen Film anderer Machart hat, sollte sich das Regiedebüt von Hong-jin Na nicht entgehen lassen. Allerdings sollten Zuschauer mit empfindlichem Magen gewarnt sein. Der Film ist nicht umsonst mit FSK 18 in Deutschland gekennzeichnet. Die teilweise exzessiven Gewaltdarstellungen sind von „normal“ so weit entfernt wie Seoul von Hollywood.

 

Mibo

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