Dark Knight Rises

THE DARK KNIGHT RISES

Bruce in die Reha, Bane zum Logopäden!

 

Diese Hasspredigt enthält definitiv Spoiler.

Freunde, es ist an der Zeit die Scheuklappen endgültig abzulegen und der traurigen Wahrheit wehmütig die Hand zu schütteln. The Dark Knight Rises war die große Enttäuschung des Kinojahres 2012. Stille. Es tut immer noch weh, solche Sätze schreiben zu müssen. Warum? Weil es mich im Innersten wütend macht und fassungslos zurücklässt, wie man soviel Potential verschenken kann. Dieser Film ist ein langatmiges, stellenweise konfuses, über weite Strecken sogar langweiliges Action-Drama über u.a. Panzer und Raumschiffartige Flugzeuge, die sich durch ein mit Tageslicht geflutetes und Schneeflocken bedecktes New York jagen und an dessen Ende der Held die nukleare Bombe (natürlich nur echt mit dem Zeitzünder) raus auf‘s Wasser fliegen muss, um die Bevölkerung zu retten. Die Persönlichkeiten der Charaktere werden nur oberflächlich behandelt, das eigentliche Ziel des Widersachers nicht genau herausgearbeitet und die Story springt wirr von Schauplatz zu Nebenschauplatz und hat Mühe und Not am Ende alles auf einen Nenner zu bekommen. Ich lehne mich nicht weit aus dem Fenster wenn ich sage: Das ist Christopher Nolan‘s schlechtester Film seit 12 Jahren. Und wenn ihr euch seine Filme nochmal genauer anschaut werdet ihr vielleicht verstehen. Denn Memento, Batman Begins, The Prestige, Inception … waren durch die Bank alles sehr gute Filme und fanden mit  The Dark Knight die Vollendung, die Krönung, ja das Meisterwerk eines Genies und für mich einer der besten Filme von einem der besten Regisseure unserer Zeit. Darf man dann große Erwartungen haben? Auf jeden!

 

Flashback: Vielleicht war ich auch schon zu tief in die Materie eingedrungen. Ich züchtete Fledermäuse, stellte einen Butler ein, klebte meine Fenster mit schwarzen Folien ab und installierte riesige Scheinwerfer auf meinem Hausdach. Wochen zuvor beendete ich das neueste Videospiel „Arkham City“ mit allen vorkommenden Bösewichten, grub alte Comics aus und schaute mir zwei Tage vor Kinobesuch Batman Begins und The Dark Knight im O-Ton an, um mich noch mehr zu pushen und mich vollends in der Bathöhle zu verlieren.

 

Szenenwechsel. Stuttgart. Großer Kinosaal. Perfekte Reihe, perfekter Sound. Alles ist bereit. Es geht los… und ich warte, und warte… fast 45 min dauert es bis der dunkle Ritter zum ersten mal die Bühne betritt. Und wir reden hier von einer Comic-Verfilmung! Die Schurken flüchten auf Motorrädern, der berühmte Hans-Zimmer Sound setzt ein, Nolan benutzt die tiefe Bodenkamera, welche die Stimmung und Geschwindigkeit perfekt einfängt. In meinem Kopf macht es KLICK! Das Gefühl ist wieder da. Dieses bombastische Kinogefühl, das er in The Dark Knight scheinbar neu erfunden hat. Vorfreude macht sich breit. Der Tunnel wird dunkel und Batman erscheint auf seinem Bat-Bike 2.0. Die Trommeln werden lauter, die Fledermaus packt seine Waffe aus, ich packe meinen Nebensitzer am Arm und flüstere: „Yesss, es geht loooos“! Doch das Gefühl hält nicht lange an, einen Motorrad-Stunt und eine Flugeinlage später tritt Ernüchterung ein. Erste Sorgenfalten machen sich bemerkbar. Denn genau dieses beschriebene Empfinden zieht sich über den gesamten Film. Wie ein Herzschrittmacher auf Sparflamme, wie das Gefühl wenn du am Strand auf die eine hohe Welle wartest, und du siehst, dass sich 15m weiter hinten etwas anbahnen könnte, um dann doch nur als kleine Welle gegen deine Schienbeine zu klatschen. Nolan hat es nie geschafft mich abzuholen. Immer wenn man glaubt, dass der Film noch die Kurve kriegt, bzw. zu einem echten Batman-Film wird oder einer Comicverfilmung zumindest ein bisschen Gerecht wird, driftet er noch weiter vom Kurs ab. Jeder kennt das Gefühl wenn man „IM“ Film ist. Wenn man sich danach sagt: „Was, schon vorbei? Der hätte noch länger gehen können“. Dies ist hier leider nicht der Fall. Im Gegenteil. Bei vielen Szenen saß ich kopfschüttelnd da und dachte mir: Was passiert hier gerade? Zum Beispiel die Eröffnungsszene. In The Dark Knight wurde sie benutzt um neue beeindruckende Film-Techniken oder Kamera-Formate (Imax) vorzustellen oder den Charakter, das Denken und das Wesen des Bösewichts genauer zu beleuchten. Das Intro hier hatte nichts mit dem Rest des Filmes zu tun und auch nicht dazu beigetragen sich vor dem Bösewicht zu fürchten. Die Szene hätte genauso gut in jedem Triple-X oder James Bond Streifen vorkommen können. Eine Flugzeugentführung? Um ersichtlich zu machen zu was Bane & Co fähig sind? Come on. Und was war eigentlich das Thema dieses Filmes? Börsencrash-Alles-ist-vernetzt-Atombomben-Terrorismus? Polizei-Ehre und Lügennetzwerke? Kleinkriminelle-Katzenfrauen in Lederkostümen? Aus dem Loch entkommen um wieder zur alter Stärke zu finden? Es gibt so viele kleine, unwichtige Story-Stränge, dass man am Ende keine rechte Antwort darauf geben kann. Außer vielleicht: „Batman muss Bane stoppen um Stadt zu retten.“ Erschwerend hinzu kommt der fehlende Humor und die Leichtigkeit, die wir zuvor vom Regisseur gewohnt waren. Kurz: Der Film macht keinen Spaß.

Dennoch positiv hervorzuheben sind die Leistungen und Szenen von Joseph Gordon-Levitt als junger, aufgeweckter Polizist (die Krankenstation Shotgun-Szene ist eine der besten im Film) und Anne Hathaway als Catwoman 2.0. Beide liefern gute, solide Arbeit ab.

 

Einen der größten Schnitzer jedoch, leistete sich Nolan bei der Umsetzung von Oberschurke „Bane“. In der Originalvorlage wird Bane als ein riesiger Freak, ein scheinbar übermächtiger Muskelberg mit leuchtenden roten Augen dargestellt. Über Schläuche injiziert er sich die leistungssteigernde Droge Venom, welche die Körperkraft ins nahezu unermessliche steigert. Gegenüber Batman wirkt er optisch doppelt so groß, doppelt so breit. Um der Vorlage gerecht zu werden, hätte man ihn komplett animieren müssen. Ich verstehe, dass dies nicht im Ansatz in Nolans realistisches Gotham City gepasst hätte. Dann stellt sich jedoch die Frage: Warum Bane? Dieser Wintermantel, dieses leicht dickliche Erscheinungsbild und die schrecklichste Bösewicht-Stimme aller Zeiten raubt ihm jegliche Glaubwürdigkeit. Original-Zitat: „It‘s a risk, because we could be laughed at – or it could be very fresh and exciting.“ Aufregend, spannend und frisch? Nein verdammt! Er klingt wie ein nuschelnder Zirkusdirektor im Stimmbruch (im O-Ton ist es fast noch schlimmer). Hinzu kommt, dass eine Art „Hall-Effekt“ auf die Stimme gelegt wurde, was wiederum künstlich und unpassend klingt. Selbst der sonst so großartige Schauspieler Tom Hardy, (Inception, Warrior, Bronson) konnte hier nicht glänzen, weil diese riesige Maske sein Gesicht bedeckt. Diese scheiß Maske raubt ihm mind. 50% seines schauspielerischen Könnens. Denn selbst die besten Darsteller brauchen Mimik und Ausstrahlung um das geforderte gut umzusetzen. Nur Gestik alleine reicht nicht. Klare Fehlentscheidung. Superheldenfilme brauchen eben gleichwertige, ernstzunehmende Endbosse. Bane war weder brutal, noch konsequent Genug. Die erste Hälfte des Films hat mich die Stimme gestört. Ab der zweiten nur noch amüsiert. Und das ist das schlimmste, was einer Comicverfilmung passieren kann. Das man den Bösewicht nicht ernst nimmt.

 

Der letzte große Kritikpunkt ist die Art und Weise, wie er diesen Film präsentiert. Hat Nolan vergessen, wer sich diese Filme anschaut? In erster Linie Batman-Fans. Bruce Wayne wird nicht umsonst „The Dark Knight“ oder „The World‘s Greatest Detective“ genannt. Batman agiert im Dunkeln. Fledermäuse fliegen Nachts. Er benutzt Waffen und originelle Gadgets wie Batarang, Grappling Gun oder Explosives Gel. Er gleitet durch seine dunkle Großstadt um Verbrecher zu bekämpfen. Im Film werden diese Thematiken kaum bis überhaupt nicht aufgegriffen. Es sind gefühlte 80% Tageslicht am Start und an einen Flug im Batman-Kostüm kann ich mich nicht erinnern. Wo sind die Rauchbomben? Wo die geschmeidigen aber harten Kampfszenen, in denen er die Dunkelheit zum Vorteil nutzt? Die Fights wirkten wie Wrestling-Kämpfe von Michelin-Männchen in Gips-Anzügen.

 

Fazit? Scheiß auf die Altersfreigabe und dreh wieder einen richtigen Batman Mr. Nolan.

Das war das Ende der Triologie? Zu lang, zuviel Weichspüler, zu vorsichtig. Mainstream-Kino statt Fan-Service. Die Detailverliebtheit geht vor die Hunde. Und Bruce Wayne am Stock.

 

Flo

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