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THE GREAT GATSBY – DOUBLE FEATURE

Leiden und lieben auf hohem Niveau

 

F. Scott Fitzgerald gilt als einer der größten Schriftsteller der amerikanischen Geschichte, auch wenn er in seinen nur 44 Lebensjahren gar nicht so viele Roman schreiben konnte. Im Jahr 1925 erschien sein wohl größtes und bekanntestes Werk – Der große Gatsby. Der Roman spielt auch in der Zeit der 20er Jahre und ist höchstwahrscheinlich durch persönliche Erlebnisse Fitzgeralds geprägt, da er häufig aus privaten Erinnerungen Geschichten strickte.

 

Der Film galt, trotz zweier Verfilmungen zuvor, als nicht hollywoodtauglicher Stoff. Selbst Truman Capote soll sich an einem Drehbuch versucht haben und soll daran gescheitert sein. Erst als sich niemand geringerer als Pate-Regisseur Francis Ford Coppola daran machte, wurde aus dem Roman auch ein Drehbuch.

 

Exakt dieses Drehbuch wurde 1974 genutzt um den Film, unter der Regie von Jack Clayton, in absoluter Starbesetzung zu verfilmen. Die Hauptrolle des Jay Gatsby wurde von Robert Redford übernommen und die Daisy Buchanan durfte Mia Farrow spielen, die nach Rosemarie‘s Baby und ihrer Kurz-Ehe mit Frank Sinatra eine der begehrtesten und bekanntesten Darstellerin Hollywoods war.

 

Der Film spielt in der High-Society New Yorks, genau genommen in Long Island, wo noch heute ein Großteil der Geldprominenz der Ostküste wohnt. Nick Carraway (gespielt von Sam Waterston), ein eher weniger reicher Mann aus Minnesota, kauft sich ein kleines Cottage in der direkten Nachbarschaft zu Jay Gatsby. Doch seinen Nachbar kriegt er nie wirklich zu Gesicht. Nur manchmal sieht er ihn von hinten auf dem Steg vor den beiden Häusern stehen und auf die andere Seite des Wassers schauen, wo ein fast ebenso prächtiges Haus in weiter Ferne zu sehen ist. Das andere, was an seinem Nachbar auffällig ist, sind seine gigantischen Partys, zu denen fast gesamt New York erscheint. Jay Gatsby jedoch taucht nie dort auf und keiner weiß so recht über ihn Bescheid und so ranken sich viele Mythen um den Mann, der gerne Partys schmeißt, aber nie erscheint. Das Haus auf der anderen Seite des Wassers gehört Tom und Nicks Cousine Daisy, die ihn eines Tages zum Tee einlädt. Bei dieser Gelegenheit wird klar, dass die Ehe der beiden eher schlecht läuft, denn Tom hat eine Affäre. Nach dem Treffen bei Daisy bekommt Nick als er nach Hause kommt eine Einladung zu einer der berühmten Gatsby Partys. Dort angekommen wird er nach kurzer Zeit ins Innere des Hauses gebeten und dem Hausherren vorgestellt, welcher sich dann  auf eine gewisse Weise mit ihm anfreundet. Gatsby erzählt ihm dann seine Geschichte, aber ob diese so fantastisch klingende Geschichte wirklich wahr ist, kann Nick nicht ganz glauben. Stück für Stück erfährt er etwas mehr über Gatsby und auch, warum sie plötzlich Freunde sind…

 

Die Verfilmung von 1974 hat ihre Stärken ganz klar in dem Gefühl, welches man beim Schauen des Films bekommt. Durch die Musik, die Kostüme und das Verhalten der Menschen fühlt man sich wirklich in die 20er Jahre hineingezogen und das macht eine Weile auch wirklich Spaß. Aber nur eine Weile. Dann fängt der Film an immer länger und länger zu werden. Obwohl 138 Minuten nicht einmal übertrieben lang sind, kommt der Film nicht so recht aus dem Knick. Als „Einblick“ in die 20er Jahre kann ich den Film wirklich empfehlen, ansonsten würde ich ihn eher sein lassen.

 

Was hat nun die Verfilmung von 2013 zu bieten? An Stars wurde auch hier nicht gespart: Jay Gatsby wird gespielt von Leonardo DiCaprio, Nick von Tobey Maguire und Daisy von der aus Drive bekannten Carey Mulligan. Ich kann zunächst sagen, dass unheimlich viel richtig gemacht wurde, was der Film von 1974 falsch gemacht hat. Man hat etwas mehr Action in die Sequenzen gebracht und sie wirklich beeindruckend und vor allem bildgewaltig aufgepeppt. Wo der 70er Jahre -Film oft etwas verträumt und fast schon verschlafen wirkt, hat der neue einfach mehr Tempo. Doch trotz dieses Tempos hat auch dieser Film seine Längen. Vielleicht ist der Stoff einfach nicht für das Kino gemacht. Der Film ist mit 142 Minuten eigentlich genau gleich lang wie sein Vorgänger und leidet trotz tollen Bildern an fast derselben Krankheit.

 

Schade fand ich, dass das 20er-Jahre-Feeling nicht aufgekommen ist. Das lag vor allem an der Musik. Diese ist zwar passend und mit Liedern von Jay-Z auch wirklich richtig gut anzuhören, doch Rap und 20er Jahre passen in meinem Kopf irgendwie nicht zusammen. In der Version von 1974 wird auch die Person des Jay Gatsbys etwas mehr im Geheimnisvollen gelassen und nicht, wie im neuen Streifen, mit voller Ansage alles herausgehauen, damit es auch wirklich der letzte Idiot kapiert. Das ist zwar nicht negativ, aber irgendwie ein bisschen schade. Was mich mehr gestört hat, dass mir der Film an mancher Stelle zu Comic-artig ist und er dadurch irgendwie seine Ernsthaftigkeit verliert, was ich bei einer Liebesgeschichte auf gewisse Weise für notwendig halte. 3D ist übrigens absolut unnötig. Aus meiner Sicht wurden ein zwei Szenen extra hineingeschnitten, damit der Effekt überhaupt etwas bringt, aber diese Szenen haben nichts mit der Handlung zu tun.

 

Zusammenfassend kann ich sagen, dass der neue Gatsby besser ist als der alte. Wer sich ein bildgewaltiges Spektakel verbunden mit einer Liebesgeschichte angucken möchte, der kann sich den Film gerne anschauen. Auch die schauspielerischen Leistungen sind wirklich ansprechend, aber im Endeffekt gibt die Story irgendwie nicht genug her.

 

Jan

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