imposter

THE IMPOSTER

Das Chamäleon

 

Schande über Kopfkino 3.0! Schande über die 3Filmnerds! Schande über uns! Vor gar nicht all zu langer Zeit musste ich schon eine Lanze für mehr Frauen in Filmen brechen und es hat sich wenigstens ein bisschen gebessert. Doch was ist mit Dokumentationen? Keine einzige ist hier zu finden. Als ich das realisierte, wusste ich, es muss etwas getan werden.

 

Aber ich glaube es ist nicht nur unsere Schwäche. Dokumentationen fliegen immer so ein bisschen unter dem Radar. Oder wer von euch kann spontan seine drei Lieblings-Dokus aufzählen? Wahrscheinlich nicht so viele, außer vielleicht für die wirklichen Genre-Liebhaber. Und der einzige Moment in denen Dokumentationen nicht unter dem Radar fliegen ist, wenn Michael Moore versucht Charlton Heston vor ein Mikrofon zu zerren. Das wäre heute allerdings eher eine gruselige Angelegenheit.

 

Doch Bowling for Columbine ist auch schon wieder elf Jahre her. Wer fühlt sich jetzt noch alles alt? Naja, unwichtig. Jedenfalls brauchen wir frische Ware auf dem Dokumentationstisch. Da kommt es doch gelegen, dass Regisseur Bart Layton mit The Imposter im Jahr 2012 für Frischfleisch gesorgt hat.

 

Worum es in dem Film geht, will ich eigentlich nicht verraten, denn wenn ich es gewusst hätte, dann hätte es mir hundert Prozent die Hälfte der Begeisterung genommen. Doch so viel sei gesagt: Es geht um das Verschwinden des 13-jährigen Nicholas Barclay im Jahre 1993 aus dem texanischen San Antonio und seinem Wiederauftauchen vier Jahre später in Spanien.

 

Ok, ich weiß, dass man damit jetzt noch nicht so viel anfangen kann. Aber ich garantiere euch einen absoluten Wahnsinnsfilm. Ich saß in nicht ganz 100 Minuten da und schaute den Film alleine, doch trotzdem fing ich an mich mit dem Film zu unterhalten. Ich weiß nicht, ob ihr das auch manchmal macht oder ich mich jetzt als verrückt oute, aber ich war so mitgerissen, dass ich bestimmt 20 mal „Ihr wollt mich wohl veraschen“ oder „Das kann aber echt nicht sein“ gesagt habe.

 

Der Film ist keine reine Dokumentation, sondern hat Abschnitte, die nicht in Interviews oder Originalaufnahmen zu kriegen waren, nachgespielt, was bei einer 15 Jahre alten Geschichte auch logisch ist. Die Regie, die Übergänge und Schnitte sind absolute Weltklasse und man würde nie auf die Idee kommen es mit irgendeiner Dokumentation zu vergleichen, die man mal in der Schule in Biologie auf einem ratternden Band gesehen hat.

 

Was bleibt noch zu sagen? Ich kannte den Film vorher nicht und er ist in Deutschland glaube ich auch gar nicht groß vermarktet worden. Daher ist er ein wirklicher Geheimtipp und absolut sehenswert. Die Geschichte ist so erstaunlich, dass ich mich wundere, warum Hollywood sie noch nicht aufgegriffen und verwertet hat. Und ich kann mit absoluter Sicherheit sagen: Eine der besten Dokumentationen die ich je gesehen habe.

 

Jan

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