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THE LINCOLN LAWYER

My name is Earl

 

Krimi- und Justizfilme hatten es in den letzten Jahren in Deutschland schwerer ein breites Publikum anzusprechen. Kein Wunder: Billigst produzierte Sendungen wie Richterin Barabara Salesch, Lensen und Partner, Alexander Hold und ähnliche Laien fahnden und verhandeln sich durch die Nachmittage der privaten Fernsehsender, bevor sie zur Primetime von amerikanischen – zumeist etwas besseren Ermittlern – abgelöst werden, die ebenfalls Reihenweise  böse Jungs hinter Schloss und Riegel bringen. Wahrscheinlich ist man mit solchen Formaten schlicht übersättigt. Trotzdem gibt es im Genre Crime/Drama immer noch gute, unbekanntere Filme. Ein gutes Beispiel ist The Lincoln Lawyer (deutscher Titel: Der Mandant).

 

Mick Haller (Matthew McConaughey) ist keiner der ganz großen Star-Anwälte Hollywoods. Aber er weiß, wie der Hase läuft. Die Kniffe, Tricks und Finten seines Berufs beherrscht er aus dem FF.  Trotzdem bringt ihn der undurchsichtige Fall um den Millionenerben Louis Roulet an seine Grenzen. Dieser schmale Grat zwischen Gut und Böse, schuldig und unschuldig verschwimmen mit zunehmender Dauer und langsam aber sicher beginnt der Anwalt an sich selbst zu zweifeln.

 

McConaughey schafft es in der Rolle des ambivalenten Charakters sein pretty-boy-Image abzulegen. Seine Figur schwankt zwischen arrogant und charismatisch – Würde ich diesen Typen eher umarmen oder ihm die Fresse polieren?  – Der aalglatte Anwalt findet scheinbar mühelos die Schlupflöcher des amerikanischen Rechtssystems und manövriert sich doch unbewusst so tief in die Scheiße, dass er fast daran erstickt.  Neben McConaughey spielen Ryan Phillippe als Mandant, Marisa Tomei als Staatsanwältin und Ex-Frau sowie William H. Macy als in die Jahre gekommener Privatermittler die weiteren Hauptrollen. Der wahre Star des Films ist aber ein anderer: Earl (Laurence Mason), der  dunkelhäutige Chauffeur der Lincoln-Town-Car Limousine, von deren Rückbank aus Haller seine Geschäfte erledigt (deshalb der Orginaltitel: The Lincoln Lawyer). Er hat die passenden Songs für die Straßen der Stadt der Engel am Start.

 

Insgesamt ist The Lincoln Lawyer, die Verfilmung der gleichnamigen Romanvorlage von Michael Conelly, außerordentlich gut gelungen  und ein geschickt verdichtetes Kriminal- und Gerichtsdrama, dessen sorgfältige Orientierung an der präzise charakterisierten Hauptperson es von vielen anderen abhebt. Die Geschichte bekommt zur richtigen Zeit Wendungen, so dass der Film trotz zwei Stunden Spielzeit nicht langweilig wird.

 

Mibo

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