The Raid

THE RAID

Blut und Knochen

 

Kampfsport und Action-Fans aufgepasst: Hier kommt ein fünfhundert Sterne Gourmet-Menü aus der indonesischen Martial-Arts Küche direkt in euer Wohnzimmer. Und wenn ich fünfhundert schreibe, ist das noch untertrieben. Regisseur Gareth Evans wird bereits als Erbe vom Großen John Woo gefeiert. Auch Hauptdarsteller Iko Uwais kämpft sich mit Tritten und Hebeln durch den Hype und wird schon mit Tony Jaa (Ong Bak) verglichen. Dazu kommen etliche Erfolge auf diversen Festivals quer über den Globus verteilt.

 

Die Marketing-Message von The Raid (Originaltitel „Serbuan maut“) setzt die Story des Films auf eine einfache Grundformel: Ein böser Drogenboss, 20 Elite-Polizisten und 30 Stockwerke pure Hölle. Das Schlachtfest kann beginnen.

 

Wenn ich mir ein Wort heraussuchen müsste, welches diesen Film am zutreffendsten beschreibt, wäre es ohne lange zu überlegen das englische Wort: „Raw“. Ähnliche Hollywood-Produktionen wirken im Vergleich zu The Raid wie ein Sonntag-Vormittag mit Kinderfasching – hier geht es richtig zu Sache. Extrem blutig, extreme Gewaltszenen. Ich durfte die 18er Blu-ray „Uncut“ in Originalton genießen – Holla die Karate-Fee sag ich da nur.

Die Martial-Arts-Technik, um die es sich hier dreht nennt sich „Pencak Silat“ und ist ein Sammelbegriff für verschiedene Kampfsporttraditionen der indonesischen Inselgruppe. Choreografisch ist der Film ein laufendes Highlight-Tape: Blitzartige Wechsel von hohen und tiefen Ständen, Tritte und Dreh-Kicks von Kopf bis Fuß, exzellente Ellbogentechniken, eine schier endlose Liste an Griffen und Hebeln und eine Geschwindigkeit, wie ich sie selten gesehen habe. Die sportlichen Leistungen der einzelnen Kämpfer sind der Wahnsinn. Besonders intensiv und faszinierend sind die Kämpfe, die mit Messer, Schlagstock oder Machete ausgeführt werden. Saubere Cuts, tolle Defensivtechniken und präzise Schnitte in alle erdenklichen Körperteile. Ein Augenschmaus. Das Schöne an dem Film aus künstlerischer Sicht: Der Regisseur beweist ein ums andere Mal, dass es keine krassen Pyro-Effekte und 20 Meter Flug-Stunts braucht, um einen guten Martial-Arts-Film zu drehen. Die ausgeklügelten choreografierten Bewegungen des menschlichen Körpers in Einklang mit spannenden Kameraeinstellungen, einem knackig scharfen und dennoch dreckigem Look und einer intensiven Stimmung zu einem großen Ganzen zu bringen, ist die wahre Kunst. Und genau das hat Gareth Evans vollbracht.

 

Besonders Spaß macht der Film aus der Videospielbrillen-Sichtweise: Jedes Stockwerk kommen bessere, fiesere Gegner. Es gibt Mini,- Zwischen- und Endbosse. Manche erscheinen aus dem Nichts, andere werden im Detail vorgestellt, was die Erwartungen zusätzlich hochtreibt. Einer kämpft zum Beispiel ausschließlich mit den bloßen Händen und verabscheut Waffen. Auch toll ist der „Respekt-Kodex“ zwischen den jeweiligen Kämpfern, die in den unmöglichsten Situationen einen gewissen Abstand und eine Ruhe bewahren, bevor es ans Eingemachte geht.

 

Also noch mal: The Raid verkörpert die pure Energie. Ich garantiere eine hundertprozentige Rückspul-Garantie und mehrere „Woahh“ und „Uhhh“ Ausrufe. Für Fans des Genres ein absolutes MUSS. Knallharte Kampfsport-Action kurz vor dem Wahnsinn, intensivste Duelle ohne Atempause, eine geniale, dynamische Kameraführung und rhythmisch nahezu perfekte geschnitten. Dazu ein aufpeitschender und stimmiger Soundtrack. Fäuste Hoch, Rücken gerade: Zack-Boom-Peng Motherfucker!

 

Flo

Top