#93_Usual_Suspects

THE USUAL SUSPECTS

Die Wahrheit steht an der Wand

 

Was ist das herausragende Merkmal eines Films? Oft ist das einfach beantwortet. In vielen Fällen, sind es bestechende schauspielerische Leistungen, die sich folgerichtig in diversen Auszeichnungen -  das höchste der Gefühle ist dabei der Oscar – niederschlagen. Manchmal können es Sounddesign (Godzilla), ein anderes Mal die Special-Effects und Kamerafahrten (Gravity) sein. In den meisten Fällen ist es aber das Drehbuch. Die geniale Idee eines Autors, mit Fantasie und Kreativität ersonnen und zu Papier gebracht – später vom Regisseur auf der Leinwand verwirklicht.

 

Die Genialität von The Usual Suspects (Die üblichen Verdächtigen) lässt sich indes verdichten, wie das bei wahrscheinlich keinem anderen Film möglich ist. Auf eine einzige Szene: die Schlusswendung – quasi der letzte Akt, in dem das Werk von Bryan Singer kulminiert. Diese Schlusssequenz gehört unbestritten zu den besten und intelligentesten Momenten des Kinos, die Hollywood je zustande gebracht hat und ließ Kinobesucher seiner Zeit reihenweise sprachlos zurück und die Fachpresse jubeln. Dabei wäre auch der letzte Akt des Films nicht einmal halb so viel wert, ginge ihm nicht das geniale Drehbuch von Autor Christopher McQuarrie voraus, der dafür zu Recht den Oscar gewann.

 

Hier die Kurzfassung: Nach einer Schießerei und anschließender Explosion auf einem Frachtschiff im Hafen von Los Angeles, stehen die Behörden vor einem Rätsel. Fast 30 Menschen sind Tot, doch warum? Einzig der überlebende des Massakers, der Kleinkriminelle Verbal Kint (Kevin Spacey) kann dem ermittelnden Zollinspektor Dave Kujan (Chazz Palminteri) Antworten liefern. Über allem schwebt die Frage: Was hat das Ganze mit dem Obergangster Keyzer Soze zu tun, und gibt es ihn wirklich oder ist er nur ein Mythos? Vom Erzählstil, Spannungsbogen und Thematik könnte The Usual Suspects auch dem Film Noir zugeordnet werden. Die Geschichte wird sowohl in der Gegenwart, als auch in der Vergangenheit entwickelt und spart nicht mit Rückblenden – wem Orson Welles Klassiker Citizen Kane ein Begriff ist, wird schnell die Parallelen beider Filme erkennen.

 

Singer, der bis zu diesem Film ein völlig unbeschriebenes Blatt war, hätte wohl keinen der hochkarätigen Schauspieler ködern können, hätte er kein so gut durchdachtes Drehbuch zur Hand gehabt. Weil dies aber der Fall war, konnte er unter anderem Kevin Spacey (Sieben, American Beauty), Benico del Toro (Snatch, Sin City) und Chazz Palminteri (Kids, Running Scared) für das Projekt gewinnen. Im Vordergrund steht das Duell Palminteri gegen Spacey, welcher für die dargebotene Leistung mit seinem ersten Academy Award (beste männliche Nebenrolle) ausgezeichnet wurde. Doch nicht nur diese zwei bieten Leistungen auf höchstem Niveau. Auch der restliche Cast überzeugt.

 

Diese Perle des Kinos der 90er Jahre sei vor allem denen ans Herz gelegt, die genug haben vom Action-überladenen Theater, das das neue Hollywood-Kino bietet. Wer Lust auf einen gut durchdachten und strukturierten Film hat, wird mit The Usual Suspects seine Freude haben.

 

Mibo

Top