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THE WOLF OF WALL STREET

Started from the Bottom now we‘re here

 

Geld verdirbt den Charakter. So sagt es das Sprichwort. Aber ab wie viel Geld? Eine Million? Zwei Millionen? 100? Eine Milliarde? Wenn man mehr hat als man ausgeben kann? Ich kann es nicht sagen, da ich von diesen Dimensionen weit entfernt bin und wahrscheinlich auch immer sein werde. Ich würde auch von mir behaupten, dass sich unter meinen Wünschen derzeit keiner befindet, indem ich einem Playmate eine Line Koks vom Arsch ziehe. Aber wer weiß, wenn man alles erreicht hat, der Alltag schon der reine Nervenkitzel ist und man immer noch eine Stufe draufsetzen will, nur damit man sich am Leben fühlt? Schwer zu beantworten, wenn man nie in diesen Schuhen gesteckt hat. Ein wenig einfühlen in diese Schuhgröße lässt uns jedoch The Wolf of Wall Street. 

 

Wir befinden uns in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Jordan Belfort ist ein junger und ehrgeiziger Börsenmakler, der gerade an der Wall Street angefangen hat. Leider crasht an seinem ersten Tag die Börse wie zuvor nur einmal in der Geschichte: am 24. Oktober 1929, dem schwarzen Donnerstag. Seine Maklerfirma macht dicht und bevor seine Karriere ins Rollen kommt, scheint sie auch schon wieder vorbei zu sein. Anschließend bewirbt sich Belfort bei einer kleineren Firma außerhalb der Wall Street, die nur mit sogenannten Penny-Stocks handelt, also Ramschaktien. Jordan erkennt in diesem Handel seine große Chance und packt sie beim Schopfe.

 

Bevor ich auch nur eine Minute des Films gesehen hatte, war ich schon sehr heiß darauf ihn zu sehen. Die Kombination Leonardo DiCaprio und Martin Scorsese war in der Vergangenheit nicht immer ein absoluter Hit (Shutter Island), aber teilweise doch der Hammer (The Departed). Davon abgesehen, dass Scorsese per se eine absolute Legende ist. Auch die Nebendarsteller mit Jonah Hill und Matthew McConaughey, konnten sich auf dem Papier schon sehen lassen. Wenn man den Streifen dann sieht, sind allerdings andere, meist kleinere Charaktere überraschender, weil sie so wichtig sind für das Gesamtkunstwerk, welches dieser Film mit Sicherheit ist. Wobei DiCaprio definitiv der wichtigste Charakter ist, da kaum jemand ein solch ausgebufftes Arschloch spielen kann, dem man aber dennoch sein Erspartes anvertrauen würde.

 

The Wolf of Wall Street ist ein drei Stunden langer Drogenrausch. Vollgepackt mit Sex, Lügen und Betrügen. Dass das Ganze auf wahren Begebenheiten beruht, macht es nur interessanter, doch ich hätte auch ohne diesen Zusatz geglaubt, dass es Menschen wie Jordan Belfort da draussen auf jeden Fall gibt. Der Film ist aus meiner Sicht absolutes Pflichtprogramm und ist nicht umsonst für die diesjährigen Oscars in fünf Kategorien nominiert. Ich verspreche, es wird gelacht, gestaunt und manchmal einfach nur der Kopf geschüttelt. Und selbst, wenn euch der Film nicht gefällt, könnt ihr euch eine Frage beantworten: Geld verdirbt nicht den Charakter, es zerstört ihn.

 

Jan

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