TRAITOR

TRAITOR

Don Cheadle ist ein schweizer Taschenmesser

 

Die westliche Welt hat einen neuen Feind. Besser gesagt ein Feindbild. Nicht erst seit dem 11. September 2001, oder 9/11, wie es in den USA plakativ heißt, ist ‚der Islam‘ die neue Bedrohung der ach so freien westlichen Zivilisation. Da hört man von Bomben- und Sprengstoffanschlägen, von jungen Bartträgern, die sich in Menschenmengen selbst in die Luft sprengen und schnell wird eine ganze Religion zum Sündenpfuhl. Menschen werden aufgrund ihres Aussehens abgestempelt. Brandmarken nennt man so etwas. In Zeiten, in denen des Deutschen liebstes Leitmedium – Der Spiegel – mit Titelstories wie: ‚Mekka Deutschland – Die Stille Islamisierung‘, aufwartet oder der Stern titelt: ‚Wie gefährlich ist der Islam?‘, haben es arabische Mitbürger nicht immer leicht. – Islam und Islamisten: differenziert und reflektiert wird kaum noch.

 

Auch ich habe mich schon dabei ertappt, wie ich argwöhnisch einen Turbanträger beäugt habe, der mit mir ins selbe Abteil der S-Bahn steigt. Irgendwie kann man sich doch nicht gänzlich frei machen von dem, was da in den meisten Medien, ich will mal sagen: verzapft wird.

 

Da ist es vielleicht ganz gut, dass Steve Martin, der normalerweise für seine seichten Familienkomödien bekannt ist, die Idee zu einem Thriller hatte, der den ‚Terroristen‘ in ein etwas anderes Licht stellt. Dass die Grenzen zwischen Gut und Böse nicht immer ganz so leicht aufzuzeigen sind und es neben Schwarz und Weiß auch noch eine ganze Menge von Grauschattierungen gibt, zeigt Traitor.

 

Regisseur und Drehbuchautor Jeffrey Nachmanoff nimmt den Zuschauer mit auf ein Katz und Mausspiel über fast alle Kontinente. Wobei nicht immer ganz klar ist, ob Hauptdarsteller Don Cheadle Maus, Katze oder der Hausmeister ist, der die Katze auf eine ganze Mäusekolonie loslässt. Dabei gewinnt man zeitweise den Eindruck, dass sich der Protagonist selbst nicht sicher ist, wo er steht – FBI, CIA oder auf der Seite der Bruderschaft der Islamisten. Die Schauplätze des Films werden wirkungsvoll in Szene gesetzt und die verschiedenen Stimmungen sehr schön eingefangen. Die Hektik auf einem Markt im Jemen, fühlt sich anders an als die in London während der Rush-Hour. In Marseille spürt man den Charme der Cote d’Azure. Jeder Ort versprüht seine ganz eigene Atmosphäre.

 

Vor allem die Geschichte von ‚Samir‘ (Don Cheadle) wird genauer beleuchtet. Die restlichen Charaktere werden um ihn herum positioniert. Don Cheadle ist die Rolle, des Globetrotters wie auf den Leib geschneidert. Man bekommt den Eindruck, dass er in allen Kulturen zu Hause sein könnte. Wie ein Chamäleon verschwindet er in der Masse. Dies macht ihn zum perfekten Terroristen und verleiht seiner Rolle die nötige Authentizität. Ich will keine Phrasen dreschen, aber die Sache mit der Faust und dem Auge passt hier. Ihr wisst schon.

 

Der Film wurde teilweise dafür kritisiert, er spiele zu sehr mit Stereotypen. Dies ist meiner Meinung nach überhaupt nicht der Fall, da zwischen traditionellem Islam und der Entfremdung der Religion zu terroristischen Zwecken eine klare Linie gezogen wird. Die schauspielerische Leistung aller Darsteller bewegt sich auf sehr hohem Niveau. Die Charaktere bleiben im Gedächtnis. Außerdem schafft es der Film, trotz wechselndem Tempo die Spannung konstant aufrecht zu erhalten, sodass nie Langweile aufkommt. Während es viele Streifen nicht schaffen, einen Spannungsbogen über die gesamte Länge zu ziehen, gelingt dies hier in den 114 Minuten Spielzeit mit Leichtigkeit.

 

Traitor ist ein Geheimtipp, den man nicht verpassen sollte.

 

Mibo

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