True Romance

TRUE ROMANCE

Der King lebt

 

Prinzessin findet Prinzen und beide reiten auf einem Schimmel in den blutroten Sonnenuntergang. Schon wieder Disney?!  Falsch! Denn das ist der Stoff, den sich Quentin Tarantino 1993 zur Brust nahm, um daraus eine der brutalsten und irrwitzigsten Liebesgeschichten aller Zeiten zu schreiben: True Romance. Na gut, der Schimmel ist ein rosa Cadillac und die Sonne geht auf einem Flughafen in Los Angeles unter; die Prinzessin ist ein Callgirl und der Prinz nicht wirklich blaublütig. Aber das Bild passt trotzdem.

 

Wenn sich der Maestro ans Werk macht, dann kommt fast zwangsläufig etwas Gutes dabei heraus und das gilt auch für True Romance. Vielleicht ist das Drehbuch das glattgeschliffenste Tarantinos überhaupt. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Story nicht ebenso blutgetränkt und verwegen ist wie die anderen: Clarence (Christian Slater) rettet die Hure Alabama (Patrica Arquette) aus den Fängen des skrupellosen Zuhälters Drexl (Gary Oldman) und kommt dabei zufällig an einen ganzen Koffer voll Kokain. Weil die italienische Mafia das Zeug aber gern zurück hätte, haben die beiden in Folge der Rettungsaktion gleich einen ganzen Haufen Bösewichte am Arsch kleben.

 

Neben den bereits genannten Schauspielern kommt eine ganze Reihe von Hollywoods erster Garde zu mehr oder weniger langer Spielzeit. Äußerst ungewöhnlich ist, dass wirkliche Superstars wie Brad Pitt – als zugedröhnter Kiffer – oder Val Kilmer – dessen Gesicht überhaupt nicht zu sehen ist – nur kurz auf der Leinwand erscheinen, dann aber erstklassige schauspielerische Momente abliefern. Das gilt auch für Denis Hopper und Christopher Walken, die mit ihrem ‚Wohnwagen-Dialog‘ meiner Meinung nach eine der einprägsamsten Szenen der gesamten Filmgeschichte abliefern. Man spürt förmlich wie sich beide an der Leistung des jeweils anderen erfreuen.

 

Ach ja, Regie führte übrigens Tony Scott. Der 2012 verstorbene der beiden Scott-Brüder ist für seine schnellen Schnitte und wilden Kamerafahrten bekannt. Für ein Roadmovie wie True Romance die ideale Besetzung. Der vielleicht anfangs etwas nervige Soundtrack von Hans Zimmer geht nach kurzer Eingewöhnung gut ins Ohr und bleibt in Erinnerung.

 

Die kitschig anmutende Story interpretierten die Beteiligten bei True Romance auf eine sehr erfrischende  und zum Teil auch lustige Art und Weise. Der Plot scheint sich zu keiner Zeit wirklich ernst zu nehmen und ist gerade deshalb so gut gelungen. Die Gewalt – wie sollte es bei Tarantino anders sein – kommt nicht zu kurz. Da werden Korkenzieher in Füße gerammt und ganze Schrotflintenmagazine in schon tote Gangster geballert. Überhaupt werden ordentlich viele Körper mit Blei durchsiebt. True Romance ist auch für Filmfans, die ansonsten nicht sehr viel von Liebesgeschichten halten, eine Versuchung wert. Am besten auf Englisch.

 

Mibo

Top