schtis

WILLKOMMEN BEI DEN SCH’TIS

Linsen und Spätzle und Saitenwürschtle

 

‚Mir sen schwoaba‘. Und ja damit haben wir es nicht immer leicht. Das ist nicht erst so, seitdem ein dicker Mann mit Bart, der nicht der Weihnachtsmann ist, sondern derzeit im deutschen Bundestag als Vizepräsident arbeitet und auf den Nachnamen „Thierse“ hört, die Debatte um Schwaben in der deutschen Hauptstadt befeuerte und anschließend ein bundesweiter Sturm zum ausländisch-sein im eigenen Land losbrach.

 

Dass man es als Dialekt-Sprecher anderswo oft schwer hat – Berlin als ach so offene Weltstadt sei hier mal besonders hervorgehoben – kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Da wird man schon mal gern schief angeschaut, nur weil man manche Wörter anders betont, oder anstatt „Schrippe“, „Weckle“ oder „Wecken“ sagt.  Zusätzlich zur zum Teil offen ausgetragenen Abneigung gegen den sprachlichen Duktus gesellen sich dann oft auch noch Vorurteile. Im Fall der Schwaben werden hier gerne die Attribute Geiz und Pingeligkeit angeführt.

So genug rumgeheult. Und ehrlich gesagt ist es mir auch relativ egal. Meiner Meinung nach sollte jeder so sprechen, wie er es gelernt hat und wie er sich wohlfühlt. Der Bayer bayrisch, der Sachse sächsisch, der Badener badisch, der Norddeutsche platt und der Schwabe eben schwäbisch. Und wenn man sich nicht wohl fühlt, zeigen Beispiele wie Harald Schmidt oder Klaus Kleber, dass man sich Dialekt auch durchaus abtrainieren kann.

 

In Willkommen bei den Sch’tis wird um genau diese beiden Thematiken (Dialekt und Vorurteile) eine kleine, lustige Geschichte gesponnen, die einen durchaus zum Schmunzeln bringt. Der Film von 2008 war bis zum Erscheinen von Ziemlich beste Freunde mit über 20 Millionen Kinobesuchern die erfolgreichste französische Produktion im eigenen Land. Auch in Deutschland war der Film mit 2,3 Millionen Kinobesuchern ein Erfolg.

 

Zur Story: Der Filialleiter einer Poststelle im Hinterland von Marseille würde gerne an die

Côte d’Azur versetzt werden. Leider unterläuft ihm bei seinem Gesuch ein Malheur, sodass er aufgrund einer Disziplinarmaßnahme in den Norden muss. Und der Norden ist die Hölle! Sagt man zumindest. So entwickelt sich eine Geschichte ohne viel Schnick Schnack und Action über Auswanderung, Fremdsein und Integration im eigenen Land.

 

Besonders hervorheben möchte ich hier einmal die deutsche Synchronisation. Auch wenn mein Freund Florian, der hier das ein oder andere Mal auch seine Meinungen zu Filmen kund tut, meint: „So unlustig. Kann selbst Stromberg (Ja, er meint Christoph Maria Herbst – Der zeichnet nämlich für den Großteil der Synchronisation verantwortlich) mit seinem Akzent nicht retten.“ Natürlich ist das Original in französischer Sprache besser. Aber wer versteht hier schon französisch. Und dann auch noch französischen Dialekt. Jedoch ist die deutsche Übersetzung, so finde ich, extrem gut gelungen. Die Macher haben hier sehr viel Kreativität bewiesen und die Sprachwendungen gekonnt ins Deutsche übertragen. Dabei wurde kein deutscher Dialekt übernommen, sondern quasi eine komplett neue Eigenart des Sprechens erfunden.

 

Also kauft euch die DVD. Und das sagt euch ein geiziger Schwabe. Na gut, kauft euch die DVD, wenn sie billig zu haben ist.

 

Mibo

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