Zero Dark Thirty

ZERO DARK THIRTY

Dunkel ist die Nacht

 

Ich habe neulich einen Spruch gelesen, der sagte: Erst dann, wenn eine Frau mit Glatze und Bierbauch die Straße entlanglaufen kann und sich trotzdem sexy fühlt, sind Männer und Frauen gleichberechtigt. Natürlich musste ich grinsen als ich das gelesen hatte, da ja kurz zuvor noch der „Aufschrei“ durch Deutschland gegangen war. Ob Gleichstellung oder Gleichberechtigung so simpel ist, möchte ich hier mal außen vorlassen. Doch eins ist klar, auf Kopfkino 3.0 sind Frauen nicht gleichberechtigt. So fiel uns auf, dass sich auf unserer Seite kein einziger Film mit einer weiblichen Hauptdarstellerin befindet. Wer einen zweiten Blick riskiert, nimmt sogar wahr, dass in den meisten Filmen die weiblichen Rollen wirklich nur Neben-nebenrollen sind. Also stellten wir Überlegungen an: und so viele Filme mit weiblichen Hauptrollen fielen uns gar nicht ein. Puh. Glück gehabt. Können wir die Sexismuskarte also nach Hollywood spielen.

 

Zero Dark Thirty dagegen ist geballte Frauenpower. Nicht nur, dass der Film mit Jessica Chastain eine hervorragende weibliche Hauptdarstellerin hat, nein, Oscarpreisträgerin Kathryn Bigelow (The Hurt Locker) führt auch noch Regie. Übrigens die erste und einzige weibliche Oscarpreisträgerin für Regie – so viel zum Thema Sexismuskarte.

 

Jetzt rede ich die ganze Zeit über Frauen und Gleichberechtigung, dabei geht es in dem Film um etwas ganz anderes, nämlich um nichts Geringeres als die Jagd auf Osama Bin Laden. Ich denke jeder weiß noch, was er am 11. September 2001 getan hat. Einem der prägendsten Ereignisse der jüngsten Geschichte. Genau an dieser Stelle steigt der Film auch ein und führt uns von da an durch eine elfjährige Odyssee, an deren Ende der Tod des meistgesuchten Mannes der Welt steht.

 

Mittelpunkt des Films ist die junge CIA-Analystin Maya, gespielt von Jessica Chastain. Es wird gezeigt, wie sie beim CIA einsteigt und bei Folterungen von Gefangenen mitleidet. Stück für Stück sich aber ihrer Aufgabe immer mehr hingibt – der Jagd auf den al-Qaida-Führer.

 

Was soll man nun von diesem Film halten. Ein amerikanischer Film über das Verfolgen und Töten eines Mannes, der vielleicht das größte Feindbild in der US-Geschichte darstellt. Zunächst einmal kann man sagen, dass hier alle richtig gute Arbeit leisten. Die nicht übermäßig berühmten Darsteller sind alle großartig ausgewählt und verleihen dem Film auch etwas Neues und Frisches, da man sich vielleicht etwas mehr auf die Story konzentriert. Die Regie ist großartig und alle Charaktere erhalten, trotz weniger Einblicke in ihr Innenleben, Tiefe. Auch auf viel Patriotismus wird eigentlich verzichtet. Klar es bleibt ein amerikanischer Film, aber es wirkt an keiner Stelle übertrieben.

 

Klingt wunderbar, ist es größten Teils auch. Das Einzige, woran ich mich gestört habe, sind die Folterszenen. Nicht, dass sie im Film vorkamen, im Gegenteil, ich halte sie für ein Muss. Die Frage ist jedoch, ob man diese so unkommentiert lassen muss. Denn am Ende führen genau diese Methoden zum Erfolg. Es zeigt also, guckt mal wir besiegen den bösen Mann indem wir alles waterboarden, was einen Bart im Gesicht und einen Koran in der Hand trägt. Für eine Art Einordnung wäre in den zweieinhalb Stunden auch locker Zeit gewesen. Das ist noch ein kleiner Kritikpunkt – aber wirklich nur klein – an ein, zwei Stellen hätte der Film etwas straffer sein können.

 

Insgesamt ist Zero Dark Thirty ein wirklich spannender und hochinformativer Film. Man lernt viel über Terrorismus und meiner Meinung nach auch ein realistischeres Bild kennen, wie das Leben eines CIA-Agenten aussieht und dennoch kommen auch Action-Liebhaber auf ihre Kosten.

 

Jan

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